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Gedichte über das Schicksal - Seite 166


Es gibt keinen Weg zurück

Unter dem Eichenbaum
getrennt von jedem Trost
Hier endete
der kollektive Funkenflug
Was glimmend übrig blieb
erlosch taumelnd
im Tränensee

Da sie welkten
fluchten sie ins Unterholz
ihres Bewusstseins
und fügten sich zusammen
Haut an Haut
verankert im Rausch

Wohin die Rufe schallten
das Gespensterschleichen
den Schatten zu durchdringen
den verneinenden Gebärden
furchtlos zu begegnen
schier unmöglich

Dort auf kargem Uferbett
schwindelten sie auf und ab
man nannte sie Blindlinge
zwischen Wasser und Moos
balancierter Unmut
sichelnder Worte

Die dem Zauber der Zeit
zahllos folgten
wurden von nun an
von unermesslicher Trauer gewürgt
von Schwermut bewacht

Gebrochen das Versprechen
goldener Zeiten
magischer Fackelnächte
die Schritt für Schritt
auf Heldenplätze geführt
sie zu Helden formte

Urplötzlich versiegt
die fiebrige Siegesspur
verstummt die "Heil"-Rufe
übriggeblieben
ein Meer gefrorener Lächeln
auf verwunschenen Lippen
mordsüchtiger Stahlaugen

Statt kostbare Beute
unter Blutsbrüdern zu teilen
ertrank schmerzlich
Lust und Leidenschaft
in den hämischen Wogen
schweren Wassers
entrückter Einsamkeit

Wie Schwäne
ins Klagelied stimmen
so gaben sie sich hin
in reinstem Weiß
vorgetäuschter Unschuld
stolz dem Tod voran

In weit aufgerissenen Augen
war die Nacht tief gefroren
ein Gefühl
als hätten sie selbst Schnäbel
Sanfter Todeshauch atmeten sie
ein und aus

Oh wie groß wurde ihre Sehnsucht
mit feiner Feder
ihre Sterne an die Himmelstür zu malen



© Marcel Strömer
(Magdeburg, den 25.07.2017)

Alle Rechte vorbehalten, besonders das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung, sowie Übersetzung. Kein Teil des Textes darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder verarbeitet werden!
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Glaubenskrieg

Die Letzten werden die Ersten sein. Im Sturmlauf der Gewehre, der steigenden Anzahl der geschleuderten Gebete verwandelt sich der verklagte Nachthimmel zur Kraterlandschaft einer erwachten Wüstenschlucht, so führt Glaubenseifer das geschundene Herzblut noch leichter direkt ins ausgetretene Mienenfeld der Bittersee. Qualvoll hausen die graumelierten Götter am oberen Ende der wendigen Jakobsstufen, stöhnend und ächzend, springen sie trotz Triumphgeheul, das die Mondpriesterin erhebt, auf eigene Entscheidung in die verwegene Todeswelle, in die Sturzflut, ins Unheil der reißenden Feuersee. Zu groß die Tempel, zu schwer das Tragende, die Liebeslast fest ans Gängelband gefesselt, werfen sie die vertrockneten Abendsterne achtlos auf den kilometerhohen Aschenhaufen der besiegten Seelenfänger. Nun aber ziehen Heilige, die einstigen Hoffnungsträger, blass-schimmernd, wie Millionen untergehende Sonnen mit brüchigem Augenlicht, durch und durch verwirrt, getäuscht dem Traum aus Verrat und dunkler Vorahnung, am bitteren Segen- und Heilsversprechen gedemütigt, irregeführt und geschunden durch irdische Zwänge und Verhaftungen, jetzt kreisen sie um das einsam-verlassene Wolkenfeld der gepriesenen Sehnsüchte auf den versprochenen Garten Eden. Sie kriechen lautlos, aber fordernd wie hungrige Würmer statt Wölfe, vorbei am Schlagen und Klopfen der himmlischen Mutterbrust, die endgültig verweigernd verkündet und schwört, dass sie sich niemals wieder mehr die Muttermilch aus ihrer Brust und Lenden saugen ließe. Das Ziel vor Augen ausgestanzt – die Unglücksseligen fallen ins Uferlose, wie tanzende Motten ins quellende Licht, ihre gepriesenen Namen und die Namen ihrer heiligen Städte stürzen mit. Sie atmen nie wieder, auch nicht wenn wieder die Nacht beginnt, die am Morgen gewöhnlich mit Hoffnungsschrei und unter Jubel Lebendiges gebiert.


© Marcel Strömer
(Magdeburg, den 03.09.2016)

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