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Gedichte über Lebensweisheiten - Seite 711


Der Dirigent

(Inspiriert durch einen Konzertbesuch)

Herrlich ist es, wenn sich schöne
Harmonie versessene Töne
eng umschlingend zart vereinen
um des Menschen Ohr zu füllen,
es mit Hörgenusszu stillen!

Manchmal kann man sogar weinen,
wenn die Musik braust in Moll,
oder wenn der Geiger toll
lieblich den Olymp erklettert
und ungebremst das Waldhorn schmettert,
wenn die Harfe lieblich klingt,
Pianotakt den Frust bezwingt,
die Klarinette kraftvoll tönt.

Das alles wird noch überdröhnt
von einer lauten Zugposaune,
die sich bemüht um gute Laune.
Fast schüchtern wirkt die Piccoloflöte,
vorlaut jedoch die Jazztrompete;
die Paukenkonstruktion sie wackelt,
wenn sie der Schläger wild betackelt!

Und über allem, majestätisch,
thront mächtig vor dem kleinen Stehtisch,
der, der die Noten überdenkt
und sicher das Orchester lenkt:
Der Dirigent!

Sein Gesicht, es wirkt verklärt,
seine Gestalt ist ausgezehrt;
mit geballter Energie
bändigt er die Sinfonie.

Ungebremst sein Taktstock wirbelt,
die linke Fingerfront sie zirbelt,
drohend hebt er beide Hände,
um aus jedem Instrumente
flüssig ohne Rast und Stocken
Melodie heraus zu locken.

Aufgebläht ist seine Kehle,
flüsternd schleudert er Befehle;
seine Stirn legt sich in Falten,
wenn die Musiker erkalten.

Das linke Auge blickt gebannt
dem ersten Geiger auf die Hand,
das rechte Auge rollt gefährlich
vor Eifer flackernd unaufhörlich
vom Notenpult zu seiner Herde,
damit ja alles richtig werde.

Er ist erhitzt, es dampft sein Hirn,
die Haare hängen von der Stirn,
er ist entrückt und wie berauscht,
wenn er dann das Produkt belauscht,
das er erschuf mit Willenskraft
und ungebremster Leidenschaft,
um es den Gästen darzulegen,
die beglückt die Klassik pflegen:

Musik hören ist sehr schön
und für jeden ein Genuss - - -,
aber leider nicht für den,
der sie dirigieren muss!

(© Friedrich Graf)
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Ein Geschenk für Dich

Heute Nacht bin ich über den Regenbogen
im Traum in das Land der Elfen gezogen.
Das ist dort, wo der Himmel die Erde berührt,
und wo kein anderer Weg hinführt,
als der, zwischen den verwunschenen Linden,
den nur einige Sonntagskinder finden.

Dort saßen inmitten von Wolkenkissen
Zwölf Hollentöchter und wollten wissen
Was ich so triebe und woher ich wohl wär’,
und überhaupt, was sei mein Begehr?

Ich fing an zu erzählen, so von Dir und von mir,
und dass ich die lieb hab, und jetzt sei ich hier,
weil ich, das könnten sie sich ja denken,
weil- ich wollte Dir was Besonderes schenken,
und sie sollten mir dabei raten und helfen,
denn sie seien nun mal besondere Elfen.

Ja, da fingen einige an zu lachen,
andere begannen gleich Vorschläge zu machen:
Vierhundertsechsunddreissig ganz junge Kater!!!
Nein, widersprach ich, das gibt zuviel Theater!
Oder eine Prise glitzernden Sternenstaub –
na ja, sagte ich, aber mit Verlaub
so ein Geschenk sei zwar wunderbar,
aber Sternenstaub trägt sie jetzt schon im Haar.
Kleine, ganz klare Glockentöne, rief eine dazwischen,
die könnte man dann in ihr Lachen einmischen –
nein, wenn sie jetzt lacht, lacht sie so froh,
grad wegen des Lachens lieb ich sie so!
Den Duft, den alle vier Winde einfingen? -
Den zarten Schmelz von den Schmetterlingen? –
Ach ihr zwölf Hollen, das alles verspüre
Ich doch schon jetzt, wenn ich sie berühre!
Das Leuchten der Abendsonne im See? –
So schimmern ihre Augen grad heut, und ich seh’
Es ist schwer, selbst mit ganz besonderen Dingen
Ein Geschenk für Dich zustande zu bringen!
Und während ich darüber noch nachdachte,
da geschah es plötzlich, dass ich erwachte,
ohne ein Geschenk für Dich –
naja, dann schenk ich Dir eben mich!
Don
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