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Gedichte über das Leben - Seite 1176


Wunsch der Säulenheilige nach der Zeitenwende

Wetteifernde Jünger
aus der Mitte längst entrückt
Ritter schmerzloser Bethäuser
betäubt vom hartnäckigen Duft
des nahenden Untergangs
stimmen in den Attributen
Gottes manifestiert
entgegen Weltschmerz
und plagendem Zeitgeist
den Choral der Heiligen an
feiern unentwegt
die Vielfalt kaltgepresster Messen

Entschieden
wollen sie Eden näherkommen
unverhüllter Ansprüche
Folge leistend
mit der im Zwielicht verlobten
Zweifellosigkeit
kurzsichtig im Himmelsblick

Auf selbstüberschätzten Altären
stürzt der aus tausenden von Jahren
in schwarze Augen geschlitzte
Gebetsturm auf Haut und Herz
Bestechende Wörter
verblutender Sterne
fallen ins leichtgläubige Mark
über Buddhas Tellerrand prasselnd
schlägt Entflammtes ein

Altjüngferliche Gotteskinder
noch glaubhaft tauffeucht
blasen wütend in die 7 Trompeten
hoffen Vor- und Nachklang
bestimmen zu können
Hoch aufwirbelnder Klüngelstaub
süchtig ihre Überzeugung zu festigen
buchstäblich berechtigt
sich dem Flug der Engel anzunähern
mit festem Blick auf Tradition
verspiegelter Unschuld
ihre mordgeschwollenen Hände
falten sie offenherzig dem Gebieter auf

Er schneidet das blasse Licht
der befleckten Vergänglichkeit
zu ihrer aller Zufriedenheit
wie sie es selbst tun
so halten sie gründlich getrennt
alles Verderbliche
die schadhaften Kehlen
des Unglaubens
das unzulängliche Band
körperlichen Begehrens
das Ur-Gen der Sünde
der Verzehr der verbotenen Frucht

In den Kathedralen
in der Hallen der Selbstbewunderung
und des Überschwangs
hängen die feierlichen Schriften
die Gebotstafeln und Verordnungen
zum Wohle aller
werden selbst die Trennwände
mit Blumen und Gewändern
in gleicher Weise beschmückt

Damals wie heute
huldigen sie mit Inbrunst
jede ernstgemeinte Träne
für den bevorstehenden Zusammenbruch
ihres Weltreiches
Im Schneewittchensarg
legen sie die verschatteten
Bruchteile ihrer Befangenheit
in die abgelehnten Winkeln
ihres Seins
um überirdischen Trost zu finden



© Marcel Strömer
(Magdeburg, den 14.05.2017)

Alle Rechte vorbehalten, besonders das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung, sowie Übersetzung. Kein Teil des Textes darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder verarbeitet werden!
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Chat | Die Wohltäter

Er: Die Uneigennützigkeit in den Mittelpunkt gerückt?
Sie: Ja, und dann die Preisvergabe im Zeichen der Wohltätigkeit.
Er: Wie man die Armut in großer Ergriffenheit für einen kurzen Moment salonfähig macht.
Sie: Gaaanz betroffen ist.
Er: Schuld- und Mitgefühl durch den sozialen Schredder gerpresst.
Sie: Herzergreifend, wie Rührung aus gefakten Tränen die Stille zerbricht.
Er: Erst schluchzen und wimmern, danach ab ans Benefiz-Bufett und Champagner saufen.
Sie: Den teuren Nerz überm Herz, in den fetten Benz einsteigen.
Er: Lobesworte für die Welt, sich selbst beglückwunschen und fremde Schultern beklopfen.
Sie: Herrlich! Das Leben ist doch schön!
Er: Die Hilfe fängt eben damit an, dass man den Menschen mit Lendenschürzen erklärt, wie sie zu leben haben.
Sie: Und was sie zu tun haben.
Er: Damit die Erklärer wohlhabend bleiben und noch mehr Gutes in dieser Welt erwirken können
Sie: Genau!
Er: Eine Art Rausch. Sie überbieten sich förmlich.
Sie: Sie saugen die Welt genüsslich aus.
Er: Wie toll doch dieses Europa ist.
Sie: Sie kotzen ihre soziale Werke an die Armen aus, gönnerhaft, an die unterste Klassen.
Er: Sie fühlen sich eben dadurch wohl.
Sie: Europa ist ein Unwort.
Er: Nicht für jeden!
Sie: Mag sein.



© Marcel Strömer
(Magdeburg, den 25.05.2017)

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Der Wanderer

Der Wanderer

Bei einem heftig großen Vollmond, dem Supermond, fing alles an,
da zog ein merkwürdig anmutender Traum die Hexe in ihren Bann.
Nach ahnungsvollem Erwachen - die Gewissheit- zum Greifen nah,
einen düsteren Mann mit Hund in Ihrem Traum sie wandern sah.
Der sonnige Tag begann fröhlich zwitschernd wie das ewige alltägliche Leben,
aber diese innere Unruhe und offene Fragen wollten einfach keine Ruhe geben.
Ein Zufall wollte das die Hexe erfuhr,
von einer Gleichgesinnten ehrlicher Natur,
dass ein Mann wandelt in dieser Welt auf tiefgründigen Pfaden,
ähnlich wie die Hexe mit ihren Sinnen, Gefühlen und Gedankenschwaden.
Der Vollmond war vorbei, so langsam sammelte sie sich,
nur ließ die Erinnerung an diesen Traum sie nie im Stich.
Dann kam der Tag an dem der Zufall ihr zur Hilfe geeilt,
in Form von Süßigkeiten die man zu Ostern verteilt.
Unbekannterweise, durch andere Hand, dargeboten ohne Hintergedanken,
überwand wie von Zauberhand diese Köstlichkeit alle Schranken.
Die Hexe war lange einsam in ihrer Gedankenwelt,
und wusste schon lange das irgendetwas fehlt.
Nächte später war der Vollmond auf einmal mit aller Macht präsent,
die Erinnerung kam und irgendetwas war plötzlich nicht mehr fremd.
Nach einiger Suche fand sie den Wanderer aus ihrem Traum,
fing an zu sprechen, bedacht, zu halten die Zunge im Zaum.
Es war allerhand mystisches was sie so vorfand in des Wanderers Gehirn,
die vielen gemeinsame Orte, unbewusste Begegnungen, fremdes Gestirn.
Nach vielen ausgetauschten Gedanken hat der Wanderer es vollbracht,
er hat an einem lauer Sommerabend einfach seine Aufwartung gemacht.
Er erschien in normaler Menschengestalt,
war nicht jung aber auch noch lang nicht alt.
Brachte das Lebensgefüge der Hexe ordentlich durcheinander,
bloß um dann zu sagen: es ist alles im Lot, bin nur am Wandern.
Ruhelos, rastlos wanderte er lange ziellos mit seinem Hund durch den Wald,
bewaffnet mit sehenden Augen, sehr wach, manchmal von trauriger Gestalt.
Die Hexe konnte einfach nicht lassen von des Wanderers Welt,
einfach weil er mit seinen Ansichten ihre Nacht erhellt.
Nun – die BEIDEN – haben sich zwar nun gefunden,
nur müssen die beiden noch heilen lassen ihre Wunden.
„Verstecke dich nicht länger“ hat der Wanderer zur Hexe gesagt,
und sich damit auf aufregendes fremdes Terrain gewagt.
Irgendwann kommt der Tag an dem die jahrhundertalte Gewissheit Oberhand gewinnt und siegt,
und die Hexe sich –Endlich frei von Ängsten- in des schwertbewaffneten Wanderers Arme schmiegt.
********* E N D E *********
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