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Gedichte über den Kuss - Seite 6


Die Schäferballade

Mit dem Schäferstab in der rauen Hand
zieht von jeher der Schäfer durchs Land.
Über der Schulter, gerichtet nach vorn,
hängt seine Flöte oder das Horn.

Ohne Funksender oder das Telefon
kündigte er sich an, von weitem schon.
Die Liebe war stets des Schäfers Genuss,
manche Bäuerin empfängt ihn mit Kuss.

Und sie zeigt ihm in der Scheune froh,
wo sich für seine Tiere häuft das Stroh.
Und weil er von Bock und Zippe verdreckt,
wird er nun in den großen Zuber gesteckt.

Er wird dabei von ihr völlig entkleidet,
damit sie sich am Körper köstlich weidet.
Er will jedoch nichts kostenlos haben
und reicht abends zurück ihre Gaben.

Und damit sich Hüten und Rasten lohnt,
sitzen beide unter dem leuchtenden Mond.
Er singt von Landschaft und von Tieren,
sie ist dabei ihm die Brote zu schmieren.

Er singt von Weibern, Essen und Trinken,
sie schürzt den Rock, um damit zu winken.
Sie zeigt ihm Schenkel, hausfrauenweiß,
er öffnet ihr formendes Mieder ganz leis.

Sie verzichtet auf Fetzen und Schnallen,
er lässt entlastend alles überflüssige fallen.
Sie zeigte ihm zu nachtschlafender Zeit
die allerschönsten Beine weit und breit.

Und dann kann er als Schäfer weiden,
dass ihn alle anderen Männer beneiden.
Sie öffnen beide ganz leise das Tor,
bis ihnen singt der himmlische Chor.

Sie schlafen in Heu und Stroh und Bett,
der Schäfer findet dabei alle Frauen so nett.
Doch wenn die erwachen vor allen andern,
sind Schäfer und Herde schon Wandern.

Sucht eine Frau solche Wandergesellen,
sollte sie sich abends an den Ortsrand stellen.
Spitzt sie dann gewaltig ihre kleinen Ohr’ n
hört sie vielleicht Schäfers Flöte oder Horn.

24.01.2018 © W.R.Guthmann
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Zuviel versprochen

Selbstkritisch muss ich gestehen,
ich habe doch zuviel versprochen.
Denn es ist noch nichts geschehen,
obwohl ich überall herumgekrochen.
Und dann kam auch das mit der Sache,
deretwegen ich hier noch bleibe,
den Computer hier bewache
und sehr viel Papier beschreibe.

Drei Tassen, die im Korbe standen,
wie immer sich zum Streite fanden.
Sie hatten nämlich gehört und gesehen,
sie sollten mit zur Hochzeit gehen.
Sie fühlten sich dadurch geehrt
und wussten doch, dass sie versehrt.

Die erste sprach: "Heute stehe ich
vor der Braut ganz sicherlich.
Sie wird mich ständig zärtlich drehen,
um meine Scharten nicht zu sehen.
Sie wird als Jungfrau aus mir trinken,
unversehrt in das Bettchen sinken.
Am nächsten Tag sehen wir am Haken
zum Lüften dann das gebrauchte Laken. "

Die zweite Tasse fand es besser dann
zu stehen beim zukünftigen Ehemann. .
Von letzter Dankesrede als Erinnerung
blieb im Porzellan ein feiner Sprung.
"Er wird sich aus mir besaufen
und in die falsche Richtung laufen.
Im Dunkeln hören wir es dort schrei‘n,
das muss die Nachbarin dann sein. "

Die dritte Tasse aber leise lachte,
weil sie ans letzte Fest noch dachte.
Die heutige Braut im letzten Jahr
mit den Tassen auf dem Boden war,
meinen Henkel an den Balken knallte,
dass sofort ein Stück abprallte.
Ihr Partner folgte betrunken und wirr
und schon vergaß man uns Geschirr. "

Doch dann ging es rasch im Nu,
drei Hände griffen plötzlich zu.
"Hurra, wir werden jetzt platziert."
"Ich sehe mich schon Kuss verschmiert."
"Ich werde vielleicht repariert."
Doch da war es schon passiert.
Es machte drei Mal klirr und bumm
und die drei Tassen waren stumm.

23.02.2018 © W.R.Guthmann
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