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Gedichte über Kummer - Seite 70


Der Blinden ihr trauriges Lied 1800- 1900

Blindenschulen in den Jahren 1800 – 1900
Historien - Gedicht.
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Gedicht - Nr. 1237
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Wohl denen die Gesund, die, Sehen, Hören Riechen und Fühlen können.
In früheren Zeiten weggesperrt, führten sie ein karges, freudloses, hartes Leben
mit oft schwerer Arbeit unter strenger Zucht - ohne Freude und Hoffnung.
Blinden - Schulen
Der Tag begann mit einem Gebet und einem Lied der Hoffnung.
Dann folgte strenge Zucht- ein karges Essen – harte Arbeit - Unterwerfung.
Ein Leben ohne Freude – Liebe – Zärtlichkeit - Hoffnung
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Der Blinden ihr trauriges Lied täglich neu gesungen.
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Ein neuer Tag beginnt sein Lauf
Mit Sonnenlicht das oben auf
Für Menschen Wärme, Licht gebracht
Doch für die Blinden bleibt es Nacht!
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Sie können nicht die Welt beschau ‘n
Nicht Blüten und nicht grüne Auen
Die Fauna, Flora sehen sie nicht
Und auch kein freundlich` Angesicht.
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Doch fühlen sie wie Sonne warm
Und wenn sie jemand nimmt in Arm.
Sie hören auch den Vogelsang
Im Herzen drinnen bleibt es bang.
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Früh morgens ganz rasch es in den Saal
Als Gottesgruß ein frommer Choral.
Dort stehen sie in Reih und Glied
Voll Inbrunst singend Morgenlied
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Dort preisen sie den Herrn und Gott
In laut Gesang an dunklem Ort.
Sie bitten um ihr Augen Licht
Auf das der Herr ihr Dunkel bricht.
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Peter Leitheim
Mensch - Humanist
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Ich war bereit - Zwischen Sehnsucht und Würde

Ich war bereit!

Hört ihr das?

Nicht halb.
Nicht vielleicht.
Nicht irgendwann.

Ich war bereit,
mein Fleisch zu öffnen,
mein Blut zu teilen,
mein Leben hinzugeben
für ein einziges Wort:

"Mama".

Und ihr sagt mir,
es sei zu spät?

Zu spät
für Liebe?
Für Hingabe?
Für die größte Sehnsucht meines Körpers?

Mein Leib war kein Irrtum.
Er war Hoffnung.

Ein Tempel, gepflegt mit Geduld.
Genährt mit Glauben.
Durchstochen von Nadeln.
Geflutet mit künstlichem Frühling.

Ich lag unter kaltem Licht
und glaubte.

Ich habe geglaubt!

Und dann:

ein Termin.
Ein Blick.
Ein nüchternes Gesicht.

„Es hat nicht gehalten.“

Nicht gehalten?

Ich habe gehalten!

Monate.
Jahre.
Ein ganzes Leben!

Ich sehe Frauen mit runden Bäuchen
und ich lächle wie eine Heilige.
Und innen
reißt es mich auseinander.

Warum sie?
Warum nicht ich?

War mein Traum
nie für mich gedacht?

Ich wollte es anders machen.
Anders, als meine Mutter es konnte.
Anders, als es bei mir gewesen ist.

Ich wollte einem kleinen Menschen sagen:

Du bist gewollt.
Du bist genug.
Du musst nicht kämpfen,
um geliebt zu werden.

Und jetzt?

Jetzt kämpfe ich wieder.
Mit fast fünfzig.
Gegen Zahlen.
Gegen Zeit.
Gegen dieses kalte Wort:

Realität.

Sie boten mir fremdes Erbe.
Fremde Linien.

Als wäre Mutterschaft
ein austauschbares Ersatzteil.

Aber ein Kind
ist kein Projekt.
Kein Laborversuch.
Kein verschlossenes Geheimnis.

Ich wollte dich ansehen
und wissen:

Da bin ich.
Da sind wir.

Nicht:
Da ist eine Lücke.

Also sagte ich Nein.
Und dieses Nein
zerriss mich.

Ich fühlte mich ungenügend.
Als hätte mein Körper versagt.
Als hätte ich die eine Aufgabe
nicht erfüllt,
für die ich geschaffen wurde.

Und ja –
ich dachte dunkle Gedanken.

Was bleibt von mir,
wenn ich alt bin?
Ein Bett.
Ein Flur.
Tabletten.

Kein Kind,
das meine Hand hält.

Und doch schlägt mein Herz weiter.

Ich habe Angst.
Versteht ihr das?

Nicht nur vor der Leere jetzt.
Sondern vor der Leere
in zwanzig, dreißig Jahren.

Und doch –

Trotz allem –

weiß ich, was am schwersten wiegt:

Ich hätte dich geliebt.

So sehr,
dass es die Welt
verändert hätte.

Diese Liebe ist da.
Gewaltig.
Unverbraucht.

Wie ein Sturm,
der kein Meer findet.

Ich schrie sie in die Nacht.
Ich schrie sie aus Fleisch und Blut.
Ich schrie sie zu Gott –
falls er mich noch hörte.

Und dann
war es ruhig.

Kein Echo.
Keine Antwort.

Nur mein Atmen.

Ein.

Aus.

Der Sturm tobt nicht mehr.
Er liegt in mir wie ein See.
Tief.
Dunkel.
Still.

Und in dieser Stille wußte ich:

Ich war bereit.
Ich bin es noch.

Ich war würdig.
Ich bin es noch.

Ich war voll von Liebe.
Und diese Liebe bleibt.

Nicht als Wunde nur -
sondern als Teil von mir.


(C) SamDeWenah
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