Sortieren nach:

Gedichte über Kummer - Seite 71


Ich war bereit - Zwischen Sehnsucht und Würde

Ich war bereit!

Hört ihr das?

Nicht halb.
Nicht vielleicht.
Nicht irgendwann.

Ich war bereit,
mein Fleisch zu öffnen,
mein Blut zu teilen,
mein Leben hinzugeben
für ein einziges Wort:

"Mama".

Und ihr sagt mir,
es sei zu spät?

Zu spät
für Liebe?
Für Hingabe?
Für die größte Sehnsucht meines Körpers?

Mein Leib war kein Irrtum.
Er war Hoffnung.

Ein Tempel, gepflegt mit Geduld.
Genährt mit Glauben.
Durchstochen von Nadeln.
Geflutet mit künstlichem Frühling.

Ich lag unter kaltem Licht
und glaubte.

Ich habe geglaubt!

Und dann:

ein Termin.
Ein Blick.
Ein nüchternes Gesicht.

„Es hat nicht gehalten.“

Nicht gehalten?

Ich habe gehalten!

Monate.
Jahre.
Ein ganzes Leben!

Ich sehe Frauen mit runden Bäuchen
und ich lächle wie eine Heilige.
Und innen
reißt es mich auseinander.

Warum sie?
Warum nicht ich?

War mein Traum
nie für mich gedacht?

Ich wollte es anders machen.
Anders, als meine Mutter es konnte.
Anders, als es bei mir gewesen ist.

Ich wollte einem kleinen Menschen sagen:

Du bist gewollt.
Du bist genug.
Du musst nicht kämpfen,
um geliebt zu werden.

Und jetzt?

Jetzt kämpfe ich wieder.
Mit fast fünfzig.
Gegen Zahlen.
Gegen Zeit.
Gegen dieses kalte Wort:

Realität.

Sie boten mir fremdes Erbe.
Fremde Linien.

Als wäre Mutterschaft
ein austauschbares Ersatzteil.

Aber ein Kind
ist kein Projekt.
Kein Laborversuch.
Kein verschlossenes Geheimnis.

Ich wollte dich ansehen
und wissen:

Da bin ich.
Da sind wir.

Nicht:
Da ist eine Lücke.

Also sagte ich Nein.
Und dieses Nein
zerriss mich.

Ich fühlte mich ungenügend.
Als hätte mein Körper versagt.
Als hätte ich die eine Aufgabe
nicht erfüllt,
für die ich geschaffen wurde.

Und ja –
ich dachte dunkle Gedanken.

Was bleibt von mir,
wenn ich alt bin?
Ein Bett.
Ein Flur.
Tabletten.

Kein Kind,
das meine Hand hält.

Und doch schlägt mein Herz weiter.

Ich habe Angst.
Versteht ihr das?

Nicht nur vor der Leere jetzt.
Sondern vor der Leere
in zwanzig, dreißig Jahren.

Und doch –

Trotz allem –

weiß ich, was am schwersten wiegt:

Ich hätte dich geliebt.

So sehr,
dass es die Welt
verändert hätte.

Diese Liebe ist da.
Gewaltig.
Unverbraucht.

Wie ein Sturm,
der kein Meer findet.

Ich schrie sie in die Nacht.
Ich schrie sie aus Fleisch und Blut.
Ich schrie sie zu Gott –
falls er mich noch hörte.

Und dann
war es ruhig.

Kein Echo.
Keine Antwort.

Nur mein Atmen.

Ein.

Aus.

Der Sturm tobt nicht mehr.
Er liegt in mir wie ein See.
Tief.
Dunkel.
Still.

Und in dieser Stille wußte ich:

Ich war bereit.
Ich bin es noch.

Ich war würdig.
Ich bin es noch.

Ich war voll von Liebe.
Und diese Liebe bleibt.

Nicht als Wunde nur -
sondern als Teil von mir.


(C) SamDeWenah
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Wenn mein Herz nicht versteht, dass es vorbei ist

Es ist dieser Moment ganz am Anfang, der sich anfühlt, als hätte jemand mir den Boden unter den Füßen weggezogen und ich falle immer noch. Alles in mir weiß noch nicht, wie ich damit leben soll, dass diese eine Person plötzlich fehlt. Dass sie nicht mehr da ist, wo sie doch eben noch war. Dass etwas, das sich so richtig angefühlt hat, einfach nicht mehr existiert.

Der Schmerz ist nicht laut. Er ist leise und überall gleichzeitig. Er sitzt in meiner Brust, schwer wie ein Stein, zieht sich durch meinen Bauch, liegt in meinem Hals wie ein Kloß, den ich nicht runterschlucken kann. Und egal, was ich mache er geht nicht weg. Ich kann mich ablenken, reden, lachen, aber er ist immer da. Wie ein Schatten, der mich nicht loslässt.

Und dann sind da diese Gedanken. Immer wieder die gleichen.
„Warum?“
„Was wäre gewesen, wenn…?“
„Hätte ich etwas anders machen können?“

Ich gehe zurück an den Anfang. Zu diesem einen Moment, wo alles leicht war. Wo ein Blick gereicht hat. Wo sich alles neu und richtig angefühlt hat. Ich halte mich daran fest, als wäre es der einzige Ort, an dem ich noch atmen kann. Ich will genau dorthin zurück. Zu diesem Gefühl. Zu diesem Menschen, wie sie damals war.

Aber gleichzeitig weiß ich, tief irgendwo, dass ich nicht zurück kann. Und genau das zerreißt mich.

Es sind die kleinen Dinge, die am meisten wehtun.
Nachrichten, die nicht mehr kommen.
Ein Name auf meinem Handy, der plötzlich still ist.
Lieder, Orte, Erinnerungen alles ist auf einmal aufgeladen mit etwas, das ich nicht mehr greifen kann.

Und das Schlimmste ist dieses Vermissen.
Nicht nur die Person. Sondern das „Wir“.
Dieses Gefühl, angekommen zu sein.
Dieses Wissen, dass da jemand ist.

Jetzt ist da nur Leere.

Und ich sitze mittendrin und hoffe vielleicht ein bisschen verzweifelt dass es doch noch nicht vorbei ist. Das sich alles irgendwie zurückdrehen lässt. Das diese eine Nachricht kommt. Das sich alles klärt. Das es wieder wird, wie es war.

Aber im Moment ist da nur dieser Schmerz.
Roh, echt, ungefiltert.

Und so sehr er mich gerade zerreißt er zeigt auch, wie tief ich gefühlt habe. Wie echt das war. Wie sehr ich geliebt habe.

Und genau deshalb tut es so weh.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Egal wie sehr ich dich noch liebe…

Egal wie sehr ich dich noch liebe und das tue ich, mehr als ich mir manchmal selbst eingestehen will ich kann nicht so tun, als wäre nichts passiert. Ich kann nicht einfach die Augen schließen und hoffen, dass all das, was zwischen uns zerbrochen ist, sich von selbst wieder zusammensetzt. Dafür ist zu viel passiert. Dafür sitzt der Schmerz zu tief.

Du hast Spuren in mir hinterlassen, die man nicht sieht, aber die ich jeden Tag spüre. In Momenten, in denen ich plötzlich still werde. In denen mein Herz schwer wird, obwohl gerade eigentlich alles ruhig ist. In denen ich mich frage, wann genau ich angefangen habe, mich selbst in all dem zu verlieren.

Ich habe so lange versucht, stark zu sein. Habe Dinge heruntergeschluckt, die mich innerlich zerrissen haben. Habe mir eingeredet, dass Liebe bedeutet, zu bleiben, egal wie weh es tut. Dass es normal ist, immer wieder zu verzeihen, immer wieder zu hoffen, immer wieder einen neuen Anfang zu suchen auch wenn der alte noch nicht einmal richtig verarbeitet war.

Ich habe dich verteidigt, sogar dann, wenn ich innerlich schon längst wusste, dass es mir nicht gut tut. Habe Ausreden für dich gefunden, wo ich eigentlich Grenzen hätte setzen müssen. Habe mich selbst leiser gemacht, damit es zwischen uns nicht noch mehr eskaliert. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich selbst kaum noch höre.

Weißt du, wie es sich anfühlt, jemanden so sehr zu lieben und gleichzeitig immer wieder an ihm zu zerbrechen? Es ist, als würde man ständig zwischen Hoffnung und Schmerz hin und hergerissen werden. Als würde man sich an die schönen Momente klammern, während die schlechten langsam alles überlagern. Und trotzdem bleibt da dieses Gefühl, dass man nicht loslassen kann weil da immer noch Liebe ist.

Aber Liebe sollte sich nicht so anfühlen. Sie sollte nicht ständig wehtun. Sie sollte nicht bedeuten, sich selbst zu verlieren, nur um jemanden zu halten, der einen immer wieder fallen lässt.

Ich habe versucht, darüber hinwegzusehen. Wirklich. Ich habe mir gesagt, dass wir das schaffen können. Das wir stärker sind als all das. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, es wird besser, kam der nächste Moment, der alles wieder kaputt gemacht hat. Und irgendwann bleibt nicht mehr viel übrig außer Erschöpfung.

Ich bin müde. Müde davon, stark sein zu müssen. Müde davon, meine eigenen Gefühle hintenanzustellen. Müde davon, mich immer wieder zu fragen, warum ich nicht genug bin, damit du anders handelst.

Und das tut vielleicht am meisten weh: Das ich angefangen habe, an mir selbst zu zweifeln. Das ich mich gefragt habe, ob ich zu empfindlich bin, ob ich zu viel verlange, ob ich einfach lernen muss, damit zu leben. Aber tief in mir weiß ich, dass das nicht stimmt. Das meine Gefühle berechtigt sind. Das ich mehr verdient habe als das.

Ich liebe dich. Und genau das macht es so schwer. Denn ein Teil von mir will immer noch bleiben, will immer noch kämpfen, will immer noch daran glauben, dass wir das schaffen können. Aber ein anderer Teil von mir der leise geworden ist über die Zeit fängt endlich an, für mich einzustehen.

Und vielleicht ist das der schwerste Moment von allen: Zu erkennen, dass Liebe allein nicht reicht. Das man jemanden lieben kann und trotzdem gehen muss. Nicht, weil die Liebe weg ist sondern weil man sich selbst sonst komplett verliert.

Manchmal reicht Liebe nicht, wenn der Schmerz alles überschattet hat.
Und manchmal ist Gehen kein Aufgeben… sondern der einzige Weg, sich selbst wiederzufinden.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Wenn die Wahrheit lauter wird als meine Hoffnung

Ich dachte lange, ich wäre in einer Beziehung.
Dabei war ich eigentlich nur in einer Erinnerung gefangen, in einem Gefühl, das es so längst nicht mehr gab. Ich habe festgehalten an dem, was mal war, nicht an dem, was wirklich ist. Ich habe mir eingeredet, dass Liebe reicht. Das ich nur stark genug fühlen muss, damit es wieder gut wird.

Aber die Wahrheit hat sich leise in mein Leben geschlichen.
Erst ganz vorsichtig, kaum spürbar. Und dann immer deutlicher, immer schwerer zu übersehen.

Es hat mir nicht gutgetan.
Schon lange nicht mehr.

Und ich habe es nicht sehen wollen.
Weil ich diese rosarote Brille aufhatte, die alles weichzeichnet. Die aus Enttäuschung Verständnis macht. Aus Schmerz Hoffnung. Aus leeren Versprechen etwas, woran ich mich klammern konnte.

Ich wollte nur das Gute sehen.
Weil ich daran glauben wollte, dass es echt ist.

Aber je mehr ich anfange, wirklich hinzusehen, desto mehr zerbricht etwas in mir.
Die Realität tut weh. Nicht ein bisschen, sondern tief. Sie reißt alles auf, was ich so lange verdrängt habe. Und plötzlich sind da all diese Gefühle: Traurigkeit, Wut, Enttäuschung, Leere. Alles auf einmal. Alles zu viel.

Und ich frage mich…

Warum kommt jemand in mein Leben, berührt mein Herz so sanft, heilt Wunden, die andere hinterlassen haben…
zeigt mir, dass es Menschen gibt, die es ehrlich meinen könnten…
nur um dann genau dieses Herz wieder zu zerstören?

Warum?

Jedes Mal, wenn ich ihr noch eine Chance gegeben habe, habe ich versucht, mein Herz wieder zusammenzusetzen. Stück für Stück. Mit Hoffnung, mit Liebe, mit dem Glauben, dass es diesmal hält.

Aber es hat nie gehalten.

Und jetzt sitze ich hier mit all diesen kleinen, schmerzenden Teilen in mir und merke, dass ich sie nicht mehr einfach ignorieren kann.

Vielleicht ist die härteste Wahrheit nicht, dass sie gegangen ist.
Sondern dass ich so lange geblieben bin.

Warum Menschen so sind…
darauf habe ich keine einfache Antwort. Vielleicht wissen manche selbst nicht, was sie in anderen auslösen. Vielleicht nehmen manche, ohne zu sehen, was sie hinterlassen. Und vielleicht gibt es Menschen, die mir erst alles geben, was ich brauche, nur um es mir später wieder zu nehmen.

Aber gerade kann ich nichts Gutes daran sehen.
Gerade ist der Schmerz einfach so groß.

Es tut so weh, dass ich ständig weinen könnte.
Oft steigen mir einfach die Tränen in die Augen und ich versuche, sie zurückzuhalten, versuche loszulassen…
und dann gehen sie wieder.

Und dann gibt es diese Momente, in denen ich es kaum aushalten kann.
Da reicht manchmal nur ein Wort oder ein Satz… und die Tränen laufen einfach.

Ich kann nichts dagegen tun.

Und vielleicht ist es gut, dass die Gefühle da sind, dass sie rauskommen dürfen…
aber das macht es nicht leichter.

Denn der Schmerz fühlt sich oft einfach nur unerträglich an.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen