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Gedichte über das Gedicht - Seite 408


Der Ritter und der Seidenspinner

(Traumreich und Metamorphose)

Klappernd sitzt der Ritter auf dem Pferd
Durch seine Rüstung gut bewehrt
Bewegung und Blick stark eingeschränkt
Er stürmisch schnell nach vorne drängt

*****

Der Seidenspinner im Gebüsche derweil frisst
Bis er rund und dicklich ist
Irgendwann ist er es satt
Hängt sich von unten an ein Blatt

Dann spinnt er sich gut ein
In einen Faden, wirklich fein
Nun braucht es etwas Zeit
Dann ist das Wunderwerk soweit …

*****

Die Sonne sengt
Es ist so heiß
Die Zeit sich längt
Es riecht nach Schweiß

Es brütet nicht nur des Ritters Hirn
Nass auch glänzt´s auf seiner Stirn
Der Sinn ihm gar verroht
Der Mensch ist eben arg bedroht

Woher er kommt, was er nur will
Man weiß es nicht, es wird gleich still …

****

In der Zwischenzeit wir trügen hier
Das versponnene Insektentier
Sammeln seine Kokons in Massen
Wobei die Raupentierchen dann ihr Leben lassen

****

Der Ritter trabt schnell vorbei, im Schweinsgalopp
Das Herz schlägt eilig, das Herz schlägt flott

Was ist heute wohl sein Ziel ...
Hat er doch kein leichtes Spiel
Das Pferd vollführt ´nen Tanz
Dann sticht er zu …, mit seiner Lanz ...

*****

Es hing im Busch noch ein Kokon, der angekratzt
Die Natur nun mal nicht patzt …
Die Metamorphose endet
Sie in die Szene einen Schmetterling entsendet

****

Es scheint fast, als würde unser Ritter von dem Pferd gestoßen
Das stolpernd; mit 'nem Knall, 'nem großen
Käme er dabei nicht um sein Leben
Könnt´ er sich von da unten kaum erheben

Fast müsst´ er Knochen richten
Schwellungen sich in seinem Gesicht verdichten
Manch ein Niet würd´ sich in ihn bohren
Krachgeräusche gäb´ es in den Ohren

Die Augen flattern und er gafft
Wie kam es nur? Wer hats geschafft?
Die Flügel scheinen ihm fast gebrochen
Es fühlt sich geradezu wie angestochen

Nehmen wir den Faden auf
Waschen, wickeln ihn im weiteren Verlauf
Spinnen daraus ein Häufchen Seide
Rücken dem Ritter mit dem Webprodukt zu Leibe:

Ein Ritter steht an einer Brüstung
Ein Kokon klebt an seiner Rüstung
Des Spinners Werk ist zum Brokat entwickelt
Dieser Stoff hier dann als „Gedicht“ betitelt

Der Traum zerplatzt …
Die Episode endet
Nicht mal die Seele patzt
Uns einen geschunden Rittersmann entsendet …

********

Drum merke:

Wenn ein Ritter mit der Lanz
Vollführt mit dem Pferde einen Tanz
Kreist herum als wie im Ring
Zielt dann auf den Schmetterling …

Dann ist wohl Nacht, wir sind im Traum
Denn bei Tage gäb´s das kaum

Und:

Es steht wohl auf des Messer Schneide
Ob es das, was man am Ritter sonst beneide …


© Auris cAeli
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Ein Versuch etwas zu erklären, was man nicht erklären kann

Jeder von uns kennt die Liebe.
Vor allem die romantischen Vorstellungen von ihr.
Die Momente, wo man jede Sekunde nur mit dem geliebten Partner zusammen sein will, alle Gedanken um ihn kreisen – und wo er uns, wenn er da ist – einfach verzaubert.
Wo seine Stimme in uns ein Vibrieren auslöst, sein Duft uns die Sinne raubt, jede Berührung jede einzelne Zelle tanzen lässt und wir ihm einfach nahe sein wollen.
Wo wir all unsere Macht – für diese Liebe einsetzen würden und wo wir glauben, ohne sie nicht leben zu können. Wo wir glauben, diese Liebe wäre durch nichts besiegbar und könnte alle Stürme bestehen.
Liebe hat viele Gesichter
Und ich glaube, sie enthält noch viel mehr, als wir uns je vorstellen können.
Liebe ist für mich auch – sich jeden Tag neu zu entscheiden, es zu versuchen – miteinander leben zu können.
Immer wieder neue Seiten an diesem Menschen zu entdecken und erstaunt festzustellen, dass du ihn auf diese Art noch nicht kennst.
In den Momenten, wo er dir so unendlich weh tut, dass du ihn hasst, noch die Bereitschaft zu finden, die Liebe zu ihm zu suchen. Sie ist ja nicht weg, sie wurde nur durch den Schmerz überdeckt.
Liebe ist die Gabe einen Menschen ganz sehen zu können, mit all seinen Verletzungen, vermeintlichen Fehlern und Schwächen, auch mit seinen guten Seiten und Stärken – und ihn mit all dem zu Lieben – als Ganzes.
Sie schenkt uns auch die Kraft dazu – da zu sein, wenn er uns braucht und ihn frei zu lassen – wenn er für sich sein muss.
Sie braucht keinen Raum und keine Zeit und sie kann jede Wunde heilen und uns weiter bringen – als alles, was es sonst auf dieser Welt gibt.
Liebe

© A. Namer
Angefangen hat`s damit, dass ich überlegt habe, dass wir keinen Einfluss darauf haben - in wen wir uns verlieben. Man kann nicht einfach sagen "ich verliebe mich" und ist dann verliebt. Es geschieht - ohne willentliche Entscheidung. Wodurch? Resonanz?
Liebe - kann keiner von uns wirklich erklären....es sind nur klägliche Versuche, zu erklären, was nicht zu erklären ist. Es gibt keinen Knopf sie einzuschalten und auch keinen - um sie auszuschalten. Liebe ist....sie "ist" einfach.....und vielleicht ist sie, wenn wir einfach unser Herz "walten" lassen....einfach....

Gibt es für die Liebe ein "Alter" - oder irgendeine Regel? Irgendeinen Ansatz sie zu erklären, irgendwelche feste Eigenschaften, die sie definieren? Wir lieben einen Partner, unsere Eltern, unsere Kinder, die Katze, den Hund, eine Pflanze, Briefmarken, einen Sport - und jede Liebe ist anders. Jeder liebt anders. Festhaltend, frei, zärtlich, bestimmend, redend, schweigend, lustig....und und und. Bei der Liebe zu den Kindern ist es meist so, dass sie meistens von Grund auf - gar nicht in Frage gestellt wird - sie gilt lebenslang. Bei der Liebe zu Partnern sind wir uns in dieser Hinsicht unsicherer.
Liebe ist unberechenbar, durch nichts beeinflussbar und immer wieder auf`s Neue anders, als wir sie uns vorstellen? Hals-über-Kopf können wir uns ihr hingeben.....zu jeder Zeit, an jedem Ort....ganz und gar.....wenn wir uns auf sie einlassen.
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