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Gedichte über Fantasie - Seite 229


Für Dich

Was habe ich Dich genossen, so heimlich und stille,
Ich habe geglaubt, dies, dies sei auch dein Wille.
Habe dich geführt, bin mit dir gewandelt,
Habe dabei aber nur mit deinen Geistern und Gespenstern verhandelt.

Sie kamen mir des Nachts ganz exakt um Mitternacht.
Sie sagten nur: Hab auch du acht, denn es wacht.
Man wacht und hütet dich wohl im Bette
Der Erbsenprinzessin, doch ich wette ...

Ich wette, so wie ich mich Kulturgrößen um Größe und Bedeutung buhle,
So wie Karl, Friedrich und Wolfgang ..., ich wie sie suhle
Im Bade der Erkenntnis, der reinen Vernunft;
Doch leider ist dies nur eine sehr kleine Zunft...

Von Männern und Frauen des Genie,
Von mathematischer Exaktheit der Evolution, "Und wie?"
Fragst Du Dich hoffentlich auch kommt es denn,
Daß die Menschen ihre Natur vervollständigen, wenn

Wenn die alte Natur sich voll entwickelt,
So daß die Natur in ihrer Geschichte wie Sönlein-Sekt prickelt.
Dann möchte sie sich wandeln und sich verändern, nur
Nur nicht allein in ihrem Wesen, sondern auch in ihrer
äußeren Statur.

Ganz so, wie ich mit Karl, Jean-Paul und anderen um die Wette buhle,
So wie ich um jede Erkenntnis, um jedes Wissen, in jeder Erfindung suhle.
So wette ich mit dir, so wahr ich auch heiße,
So wie der Apfel gefallen ist, in welchen ich beiße,

Den Kepler benötigte, um die Erdumlaufbahn zu ersinnen,
Ganz entsprechend so wie andere von Zukunft und Glücklichsein spinnen.
So wette ich mit dir, worüber wohl nur,
Daß ich dich bald halten werde, dich und deine Statur.

Ich möchte Dir sagen, wie glücklich ich bin.
Man hält mich gefangen und raubt mich aus; doch im Sinn,
Im Sinne ist Freies, freie Natur,
Diese kann man nicht knebeln, eine solche liebliche, natürliche Lebensstruktur.
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Weißt Du noch?

Weißt du noch, wie wir an niederländischen Grachten,
bei windigen Böen, spazieren gingen,
Wie du Stimmen aus einer Entfernung hörtest, von Kindern, Kinderstimmen, und sagtest: "Sie singen ...
Singen deine Verse schon, im herbstlichen Abendwind;
Denn es ist nur ein Kind, nur ein Kind.

Weißt Du, wie wir im herbstlichen Abendwind die Schiffe bestaunten,
Jene, welche sie in Hamburg und in Rotterdam erbauten.
Weißt du noch, wie sehr fragend du mich angeblickt hast,
Welcher Werte sie wohl inne seien, ihrer Tragelast.

Weißt Du, wie wir des Nachts bei vollem Mondeschein am Friedhof wandelten;
Und du und ich, während wir uns küßten, unentwegt verhandelten;
Unentwegt mit unseren Nachkommen, bald
Sagten wir uns, sind sie schon über zehn Jahre alt.

Weißt Du, wie wir über Felder und Wiesen lungerten.
Wir stolzierten zwei Tage durch die Natur, währenddessen schon unsere Mägen hungerten.
Ich gab dir einen Stoß, du weißt es doch noch,
So zärtlich - ich erinnere mich, daß ich an Deinem Ohrläppchen roch.

Weißt du, wie wir gemeinsam über Seen und Meere schwimmen wollten.
Du führtest deine Creme mit, Sonnencreme, denn wir sollten
Deiner Meinung nach in der Sonne nicht verbrennen;
Selbst dann nicht, wenn unsere Augen vor Glück würden flennen.

Weißt Du, wie leicht du erzürnet bist;
Ich habe stets versucht, Dich mit aller Kunst und List
Zu bändigen, aber auch zu hofieren,
Deine Launen mit Glück und Freiheit einzuschmieren.

Weißt du noch, wie leicht du durch die Winde geeilt,
Der zeiträumlichen Gesetze sind wir damals längstens enteilt.
Nichts von alledem an Trauer und Lasten in uns; denn es weilte
Lediglich ein Hauch an Liebe, an welche du mich und ich dich anseilte.
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Weide, Weiblein, weide

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide;
Öffne Deine Augen,
Öffne Deinen Mund.

Küß mich mit den Lippen,
Reiß mir aus den Rippen
Einen Sohn heraus,
Bauen ein neues Haus.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in den Heide,
Blätterrauschen im Nu
Schlägst die Äuglein zu.

Augen gerne saugen,
Gern zum Staunen taugen;
Gern von Liebe verführt,
Gern die Liebe gespürt.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide;
Weide dich im Winde,
Am Winde ich Dich anbinde.

Blütenrauschen im Regen
Bringt uns Liebessegen,
Blütenrauschen, Blätterbaum,
Schon zupfe ich an deinem Rockzipfelsaum.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir alein in der Heide;
Kosende Lippen, zarter Hauch,
Atem, Brüste, Lenden, Bauch.

Honig schlecken wir beide
Auf der Weide der Heide;
Hauchfeiner Duft in der Luft,
Luftwinde und süsslicher Duft.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide,
Mit mir im Sommerregen,
Du lächelst so hübsch und verlegen.

Deine Lenden an deinem Leib,
An denen ich mich gerne reib;
Du zahlst mit deinem Lachen,
Wir beide über unsere Liebe wachen.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide;
Weide die Vöglein der Luft,
Weide die Zapfen der Gruft.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide;
Weiden weiden im weiten Land,
Vom Süden bis zum Küstenstrand.

Weide, Weiblein, weide,
mit mir allein in der Heide;
Weide auch meine Lenden,
Berührt mit deinen Händen.

Weide, Weiblein, weide,
Mit mir allein in der Heide;
Wir weiden noch viele Jahre,
Geliebt deine dunklen Haare.
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Gedicht

Ich nenne dieses Gedicht einfach "Gedicht",
Weil es mich den gesamten Vormittag schon so herzlich,
so wärmlich, warm und kühl und wie auch immer sticht.
Ich gebe diesem Gedicht überhaupt kein Ettikett;
Denn ich sage Euch, ich schreibe es auf, denn ich wett,
Ihr selber werdet bald einen Eindruck gewinnen,
Und darauf eigene Verse und Reime vor euch hinspinnen.

Diese Nacht habe ich an Texten geschrieben und wundersames uraufgeführt,
Habe weder Eltern gekannt, noch Freunde und wie gesagt,
Ettiketten verspürt,
Denn es tobte und wrang sich die bloße Natur
In meiner jämmerlichen einsachtundsiebziger Statur.

Ihr wißt es doch: Ich stöhne über euere Einfältigkeit,
Welche euch lachen macht über das Wort des Glücks und der Seligkeit;
Doch schon während des Lachens packtet ihr euere Spaten wieder aus,
Und sagtet und rieft: Nun ziehen wir alle wieder hinaus.

Hattet das "Hallo" und "Hurra" auf eueren Lippen,
Bestiegt den Feind, bestiegt fremde Frauen, erobert
fremde Klippen,
Bestiegt ein Nest, einen Ort, Stadt um Stadt
Und teiltet auf und mordete danach: "Dieser hat nichts,
aber dieser hat!"

Schon näherte ich mich euerem Graben: "Eingraben, eingraben!"
Hörte ich es von allen Seiten rufen: "Eingraben, wie die fleissige Biene in Honigwaben!"
Doch schmeckt es süßlich bei weitem nicht, warum und weshalb es euch so sticht,
Andere Menschen zu peinigen,
Um euere schäbige Seele mit fremden Blute zu reinigen.

Nachdem ich nun dies an euch so wonniglich süß festge-
stellt habe,
Bin ich selber verkehrt, darum auch ich mich nun an
fremden Wunden labe,
Darum vermag ich nun in mir fremden Schmerz genießen,
Wie frühlingshaft eben fremde Wunden und Schmerzen
sprießen.

Zurück vom Graben kehre ich zu meiner Geliebten zurück,
Und gewinne der Realität ein wenig ab, Stück für Stück;
Denn ihre zärtlichen Worte richten meinen durch euch
sämlich verlogen gekrümmten Leib wieder auf,
Erst dann vermag ich es und stieg wieder auf sie auf.

Wir verbringen den gesamten Vormittag, so und so und wieder so;
Sie spricht liebe Worte zu mir und ich gebe ihr ein
zärtliches "Hallo",
Mit ihren vielen Lippenpaare, und ich zähle die Male,
Wie wir es trieben, in ihrem kleinen gardinen Bettensaale.

Und nun kehrte ich zu meiner Erinnerung zurück und gab ihr einen Streich;
Dieser war nicht toll, nicht voll, sondern gänzlich warm und überaus weich;
Ich meine schon, daß sie ihn genossen hatte,
Denn plötzlich starrte sie auf und sagte: "Gestatte!"

Und sodann gab sie sich mir endlich gänzlich hin und so
zu erkennen,
Daß meine Augen begunnen zu tropfen, zu flennen,
Daß ich sie nicht mehr aufzuhalten vermochte,
Daß mein Herz zu schlagen begann und überaus pochte.

"Ich liebe dich sehr", sagte ich ihr sofort und überaus
passend,
Schon halb von ihrem Busen, ihrem Körper, ihren Schenkeln ablassend;
"Ich liebe dich sehr", sagte ich ihr noch ein letztes Mal,
In ihrem kleinen gardinen Bettensaal.

Und abermals überkamen mich meine Erinnerungen,
Sie kehrten zurück, sie klangen mir und sungen;
Sie sprangen über mich her und ich ergriff den Spaten,
Der über ihren Kopf zerschellte, den wir für einen
ganzen Vormittag gemeinsam hatten.

Und so mag eine grausige Erinnerung einen Körper ergreifen,
Um einen anderen mit Leid, Schmerz und Pein zu überstreifen,
Um ihn gegen eine selbst erlebte Marter zu schlagen,
Um die Liebe noch mit dem Tod zu überragen:

Früher hätte ich euch noch zu sagen:
"Laß uns gemeinsam, so vieles gemeinsam wagen!"
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