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Gedichte über Fantasie - Seite 141


Geschmack

Es liegt mir auf der Zunge,
was ich probiere, abschmecke, koste.
Ob was delikat wird im Munde,
entscheidet nicht nur die
Geschmacksknospe.

Was mir schmeckt,
ob ich mir mehr davon
durch meine Lippen steck'...
entscheidet mein Geschmackszentrum.
Falls mein Verlangen ist geweckt,
dann öffnet sich mein Mund...

und in ihm auf Warteposition
lauert meine Zunge schon ...
Augen schicken Zusatzinformation,
optische Reizstimulation ...

Speicheldrüsen bereiten sich vor,
wasserlösliche Geschmacksverstärker
laufen in der Mundhöhle vors Tor,
zartbeleckte Lippen vorm Kerker
erheben sich geschmeidig empor...

erwarten ungeduldig den Eintritt,
den Beginn des verheißenen Vergnügens,
den nächsten sanften Schritt
dieses angekündigten Berührens ...

die vom Lustzentrum initiierte
erwartungsvoll geflüsterte Anspielung,
die durch alle Sinne alarmierte
breitverflochtene Verführung....

Dieser vorfreudige Moment,
er ist perfekt!
Nichts, was ihn verdrängt,
so konkret direkt!
indiskret ...
wie er die Lust
aufdeckt
offen legt
was sich sonst
versteckt
in sich
zergeht ...
nahtlos
übergeht
in ...

sich enthüllende Nuancen,
Feinheiten des Delikaten,
ihr Geschmack im Ganzen,
eine anhaltende Liebkosung
im intimst Privaten...

Papillaren zerfransen
die genießende Glückseligkeit,
bestimmen feinste Substanzen
für die pointierte Gewißheit....

Mit fortschreitender Analyse
intensivierter Zermürbung
vermeldet die Hypohyse
extreme Glückshormonverspürung

Eine wahrer Variationsstrauss
sinnlichster Geschmacksvielfalt
mündet im Gefühlsrausch,
macht vor nichts mehr Halt!

Was so ersehnt im Vorgeschmack
bestätigt sich im Hochgefühlstrakt,
erst nach einem Lustinfarkt
glimmt er befriedigt langsam ab ...
und starb ...
im so unerbittlichen
Nachgeschmack...

© meteor 2025
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Das Wasserherz- eine Ballade

Durch dunklen Forst bei dämmrigem Licht
zieht ein Jüngling allein, mit Sehnsucht im Blick.
Er folgt einem Ruf, von dem keiner mehr spricht,
der tief aus dem Grund alter Zeiten aufbricht.

„Mein Vater erzählte vom See, der nicht schweigt,
wo Nebel sich ringelt, wo Schatten gereiht,
ein Wesen, das flüstert aus spiegelndem Grund –
ich finde die Wahrheit, und sei sie mein Schlund.“

Still wird der Wald, der Wind legt sich schief,
kein Laut, der noch lebt, kein Laub, das mehr rief.
Der Jüngling tritt näher – das Wasser wie Glas,
darunter ein Flimmern, durchscheinend und blass.

„Oh Jüngling“, so säuselt es sacht,
„was suchst du im Reich aus Wasser und Nacht?
Vergiss deine Sehnsucht, dein pochendes Herz –
verlier dich in mir, und ich bleibe bei dir.“

„Wer spricht da im Spiegel? Wer lockt meine Hand?
Ist’s Wahn oder Wahrheit, ein Zauber, ein Brand?“
Doch tiefer er starrt, je mehr er erkennt:
Ein Antlitz aus Licht, das im Wasser brennt.

„Du kamst wie die anderen, hungrig nach mehr.
Doch ich bin der Spiegel – und nie wieder leer.
Ein Schritt nur, mein Lieber, ein Tritt in das Licht –
und das, was du warst, kehrt niemals zurück.“

Er zögert, er atmet, sein Herz wird zu Stein,
ein Tropfen, ein Flüstern – er sinkt lautlos hinein.
Der See schließt sich still, kein Wispern, kein Klang.
Der Wald atmet weiter als wäre ihm bang.

Seitdem meidet jeder den grünlichen Grund,
aus Furcht vor dem Flüstern in nächtlicher Stund..
Denn flüstert es leise und spricht deinen Namen –
dann stirbt deine Seele im smaragdgrünen Rahmen.




SDR
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