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Gedichte über Energie - & Seelenvolles - Seite 24


Sylt

Der Zahnarzt will, die neunte Symphonie von
Beethoven, nur noch im Schlafzimmer hören.
Und wohnt am liebsten auf Sylt.

Der Mönch möchte seine Freizeit nur noch, im
Bett, mit Büchern von Karl May verbringen.
Der Marathonläufer will nur noch vor dem Früh-
stück einkaufen und den Rasen mähen.
Und beide wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Lehrer will nur noch Aufgaben rechnen, die
genau so wichtig sind wie Kakao mit Sahne.
Die Hausfrau will nur noch an gute Freunde ihr
Rezept für Kiwiplätzchen verschenken.
Der Postbote will nur noch mit seiner Frau sprechen
wenn sie Täglich mit ihm joggt.
Und alle Drei wohnen am liebsten auf Sylt.

Der General will nur noch mit Tee sein Frühstück
nehmen und gut leben weil seine Mutter es will.
Der Bogenschütze will nur noch zu Partys gehen
auf denen es Erdbeerbowle ohne Alkohol gibt.
Die Mutter will Ihr Kind nur noch an Feiertagen mit
Öko Schokolade und Haferflocken verwöhnen.
Die Zigeunerin will nur noch hin und wieder nach
einem Schaumbad in schwierige Filme gehen.
Und alle Vier wohnen am liebsten auf Sylt.

Der U - Richter will Schweinelendchen mit Bier
nur noch in einfachen Restaurants bestellen.
Die Psychiaterin will nur noch W. Busch lesen und
Mittags nach 2 Glas Wein den Teppich saugen.
Der Finanzbeamte will nur noch Mineralwasser trinken
und öfter mit seiner Frau ins Kino gehen.
Der Friseur will nur noch Glatzen nach Regeln echt
Indianischer Philosophie mit Kamille massieren.
Die Oma will nur noch über Imanuel Kant nach 5
Uhr in der U-Bahn ernsthaft nachdenken.
Und alle Fünf wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Hutmacher will nur noch 3 Eier am Tag essen
und mit seinen Leistungen Glücklich sein.
Der Arzt will nur noch Frauen untersuchen die
Woody Allen und Partys mit Punsch mögen.
Der Bankdirektor will nur noch Geld an Liebhaber
von Schach und Thüringer Bratwurst verteilen.
Die Marktfrau will nur noch in ihrer Häkelrunde über
den wahren Sinn von Diätplänen reden.
Der Clown will nur noch an Mittwochabenden mit
Sonnenbrille und Pfeife das Klavier stimmen.
Der Jäger will nur noch allein mit seiner Indigo
blauen Wasserpistole weiße Hasen jagen.
Und alle Sechs wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Koch will nur noch Schnitzel platt hauen, wenn
ihr Stammbaum das nicht verbietet.
Der Alkoholiker will nur noch zum Zahnarzt gehen
und sonst wieder an Wunder glauben.
Der Verkäufer will nur noch Maggiwürfel in Geschenk-
papier an Volljährige verkaufen.
Der Busfahrer will nur noch nach der Beichte seinem
Dackel die perfekte Dressur bieten.
Der Dompteur will nur noch Nachmittags bei
Musik und mit grünen Turban auftreten.
Der Obsthändler will nur noch Hand gepflückte
Äpfel aus Brasilien mit Gütesiegel führen.
Der Polizist will nur noch Menschen kennen lernen,
die sich noch über Ananas oder Kiwis freuen.
Und alle Sieben wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Trapezkünstler will nur noch für die Heilsarmee
leben und zu allen Leuten nett sein.
Der Angler will nur noch Freunden ohne Depressionen
die Vorteile der Straßenbahn erklären.
Der Page will nur noch Kuchen backen und öfter
mit seiner Freundin über Ping Pong reden.
Der Wanderprediger will nur noch Brot vom Bioladen
kaufen und bloß Sonntags ins Café gehen.
Der Sänger will nur noch zufrieden seinen Saft trinken
und öfter Urlaub in England machen.
Die Haushaltshilfe will nur noch Diätsahne kaufen
und jeden Tag das Leben nehmen, wie es ist.
Der Optiker will nur noch im Männerchor singen
und sich mehr um seine Katzen kümmern.
Der Kapitän will nur noch Sonntags mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zu Autorennen fahren.
Und alle Acht wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Boxer will nur noch mit seiner Frau über
die Probleme der Zeppeline bei Nebel reden.
Der Astronaut will nur noch Postkarten
mit Wohlfahrtsmarken an seine Mutter schreiben.
Der Vertreter will nur noch in Bahamas Shorts und
mit Yogi Tee die fünf Uhr Nachrichten hören.
Der Fotograf will nur noch Möhren in Natur fotografieren
und mehr über Walt Disney lesen.
Der Bretzelmann will nur noch an Yetis seine Waren
verschenken und sich pol. nicht mehr äußern.
Der Pizzabäcker will nur noch mit dem Auto in Urlaub
fahren und öfter über China nachdenken.
Der Nachrichtensprecher will nur noch bei Sonnenschein
den großen Joghurt mit Blaubeeren kaufen.
Der Geiger will nur noch in Gefängnissen spielen,
in denen ökologisch gedacht und gelebt wird.
Der Schneider will nur noch Sonntags nach der Skatrunde
einen Joint mit Geschmack rauchen.
Und alle Neun wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Sekretär will nur noch Kinos besuchen in die das
mitnehmen von Luftballons erlaubt ist.
Die Witwe will nur noch mit Hilfe ihres Horoskops
einen Urlaub in Rio de Janeiro planen.
Der Taxifahrer will sich nur noch an Imbissbuden
über den Sinn von Walzer klar werden.
Die Putzfrau will nur noch mit ihrem Masseur über
die künstl. Befruchtung von Zwiebeln reden.
Der Zauberer will nur noch ins Theater gehen, wenn
sein Freund, an der Bar auf ihn wartet.
Der Weihnachtsmann will nur noch auf besonderen
Wunsch seinen Kunden etwas vorsingen.
Der Taucher will nur noch mit Menschen sein Leben
teilen die grüne Krawatten mögen.
Die Floristin will nur noch dem Osterhasen verraten
welcher Sekt ganz gut zu Erdbeeren passt.
Der Einbrecher will in Zukunft nur noch für den Klavierlehrer
und seinen Nebenjob beten.
Der Schornsteinfeger plant nur noch nach der Arbeit
zur Fußpflege und Maniküre zu gehen.
Und alle Zehn wohnen am liebsten auf Sylt.

Der Zigarrenraucher mag wahnsinnig
gerne Currywurst mit Tomatensoße!
Aber seinen Urlaub verbringt er am liebsten auf Sylt.

Klaus Lutz


1997/98
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Engel

Ich sitze im Rollstuhl. Völlig Gelähmt.
Und denke an Engel. Ich denke an Sätze wie Engel.
Lebendig und wahr. Klar und voller Wissen. Und
an eine Welt voller Licht. Licht in allen Ideen. Licht
in jedem Wort. Licht in allen Gedanken. Engel die
die Welt erobern. Mit allem was Politiker sagen. Mit
allem was die Mächtigen sagen . Mit allem was die
Banker sagen. Engel und Licht. Und eine Welt die
lebt. Eine Welt voller Liebe. Engel und Wahrheit.
Und ich vergesse den Rollstuhl. Und ich vergesse die
Lähmung. Und sehe Wahrheit und Leben. Engel und
Liebe.

Ich sitze im Rollstuhl! Völlig Krank.
Und denke an Engel. Ich denke an Tage wie Engel.
Ich denke an Reisen. An Menschen und Träume. An
Schritte und Lernen. An Engel und Kraft, An Pläne
voller leben. An Wissen voller leben. An Sätze voller
leben. An Engel die das Leben erobern. Mit allem
was ein Mensch will. Mit allem was ein Mensch weiß.
Mit allem was ein Mensch sagt. Mit allem was ein
Mensch wünscht. Mit allem was ein Mensch hat.
Engel und Güte. Und ich vergesse den Rollstuhl.
Und ich vergesse die Lähmung. Und sehe Wahrheit
und Reichtum. Engel und Liebe.

Ich sitze im Rollstuhl! Völlig Zerstört!
Und denke an Engel. Ich denke an Augenblicke wie
Engel. Ich denke an Wunder. An Sekunden die tanzen.
An Sätze die fliegen. An Sterne die singen. An Engel
die reden. Und ich sehe Paläste aus Wahrheit. Und ich
sehe Reiche aus Frieden. Und ich sehe Menschen die
Verstehen. Engel die träumen. Und das Leben wie es
lebendig ist. Und das Leben wie es gerecht ist. Und
das Leben wie es wahr ist. Und das Leben wie es Groß
ist. Und ich vergesse den Rollstuhl. Und ich vergesse
die Lähmung. Und sehe Glück und Leben. Engel und
Liebe!

Klaus Lutz
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Kontinente

Wenn ich in einem Gefängnis leben würde. Und
dieses Gefängnis wäre Europa. Dann würde ich
mich fragen: "Warum war nur Besitz für mich
wichtig? Warum war nur Konsum für mich wichtig?
Warum war nur Karriere für mich wichtig"? Warum
wollte ich nur Sicherheit? Und warum habe ich nie
über Freunde nachgedacht? Und was das Leben
mit ihnen sein kann. Und warum habe ich nie über
die Natur nachgedacht? Und was das Leben mit
ihr sein kann. Und warum habe ich nie über die
Liebe nachgedacht? Und was das Leben mit Ihr
sein kann. Warum wollte ich nicht die Welt
neu entdecken? Warum wollte ich nicht das
Leben neu entdecken? Warum wollte ich nicht den
Mensch neu entdecken. Und warum habe ich das
Ganze so überhaupt aus den Augen verloren:
„Das Denken! Das Wissen! Das Glück!“

Wenn ich in einem Gefängnis sitzen würde. Und
dieses Gefängnis wäre Amerika. Dann würde ich
mich fragen: "Warum habe ich nur den Politikern
geglaubt? Warum war am Ende nur noch das Militär
stark? Warum wollte ich die ganze Welt beherrschen?
Warum wollt ich nur Sicherheit? Warum hab ich nie
über die Wahrheit nachgedacht? Und was das Leben
mit ihr sein kann. Warum habe ich nie über die Kunst
nachgedacht? Und was das Leben mit ihr sein kann.
Warum habe ich nie über den Glauben nachgedacht?
Und was das Leben mit ihm sein kann. Warum
wollte ich nicht das Wissen neu entdecken. Warum
wollte ich nicht die Liebe neu entdecken? Warum
wollte ich nicht den Frieden neu entdecken. Warum
habe ich so überhaupt das Ganze aus den Augen
verloren: "Die Welt! Das Gute! Das Große!"

Wenn ich in einem Gefängnis sitzen würde. Und
dieses Gefängnis wäre Afrika. Dann würde ich mich
fragen: "Warum habe mich so ausbeuten lassen?"
Warum habe ich so auf mir rumtrampeln lassen?
Warum habe ich mich nie gewehrt? Warum wollte
ich nur Sicherheit? Warum habe ich mich nie gefragt
was Freiheit ist? Warum habe ich mich nie gefragt
was Widerstand ist? Warum habe ich mich nie
gefragt was Kraft ist? Warum habe ich nie über
meine Einzigartigkeit nachgedacht? Und was die
Welt mit Ihr ist. Warum habe ich nie über meine
Größe nachgedacht? Und was das Leben mit ihr
ist. Warum habe ich nie über Siege, von mir,
nachgedacht? Und was ich damit bin! Warum habe
ich so überhaupt das Ganze aus den Augen verloren:
"Meine! Meine Kultur! Meine Freiheit!"

Wenn ich in einem Gefängnis sitzen würde. Und
dieses Gefängnis wäre Asien. Dann würde ich mich
fragen: "Warum wollte ich so sein wie alle Anderen?
Warum war nur Reichtum für mich wichtig? Warum
war nur herrschen für mich wichtig? Warum war nur
Macht für mich wichtig? Warum wollte ich nur
Sicherheit? Warum habe ich mich nie gefragt: "Wer
ich wirklich bin? Warum habe ich mich nie gefragt:
"Was wirklich zu mir passt?" Warum habe ich mich
nie gefragt: „Was gibt es mehr als Geld und Macht?"
Warum habe ich nicht das Glück neu entdeckt? Warum
bin ich nicht weiter gegangen? Warum habe ich nicht
die Liebe neu entdeckt. Warum bin ich nicht weiter
gegangen? Warum habe ich so überhaupt das Ganze
aus den Augen verloren: „Meine Welt! Mein Denken!
Meine Wahrheit!"

Wenn ich in einem Gefängnis sitzen würde. Und
dieses Gefängnis wäre Australien. Dann würde ich
mich fragen: "Warum wollte ich das Leben nicht
genießen? Warum wollte ich so sein wie alle? Warum
wollte ich keine echte Größe. Warum wollte ich nur
Sicherheit? Warum war ich blind für das Leben? Und
all das Gute um mich her! Warum war ich blind für
die Schönheit der Menschen?Und all das Lächeln um
mich her. Warum war ich blind für die Schönheit der
Natur? Und all die Wunder um mich her. Warum war
ich blind für die Schönheit der Welt? Und all die
Schätze um mich her! Warum war ich blind für das
Leben? Und all die Farben um mich her. Warum habe
ich so überhaupt das Ganze aus den Augen verloren:
"Die Welt! Die Liebe! Das Abenteuer!"
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