Sortieren nach:

Gedichte über Emotionen - Seite 127


Die Krähenplage

Seit Jahren ist in Stadt und Land
die Krähenplage uns bekannt.
Es ist schon eine große Not,
das laute Krächzen und der Kot.
Kaum ist das Klima nicht mehr eisig,
schon sind die Krähen äußerst fleißig.
Sie bauen eifrig Nest an Nest
und feiern lautstrak Hochzeitsfest.
Für Krähen ist das gut und löblich,
jedoch der Lärm der steigt erheblich.
Selbst Tierliebhaber zuweilen schwanken
zwischen Geduld und Mordgedanken.
Da hilft kein Jammern und kein Maulen,
die Krähen kann man nicht vergraulen.
Und außerdem sind sie geschützt;
wer weiß schon, wem das wirklich nützt.
Und weil so Mancher sie verflucht,
hat er mit Steinen es versucht.
Mit Laserstrahl und Flitzebogen
ist man schon in den Kampf gezogen.
Derart brutale Kampfmethoden
hat der Naturschutz streng verboten.
So ließ der Stadtrat ganz bescheiden,
die Bäume etwas kürzer schneiden.
Um es gleich deutlich klar zu machen:
Die Krähen bogen sich vor lachen.
Sie fanden das zwar unerhört,
doch letztlich hat sie’s nicht gestört.
Nun weiß inzwischen jedes Kind,
dass Krähen äußerst clever sind.
Und unbestritten offenbar
ist das selbst auch den Krähen klar.
Denn sie erkannten mit der Zeit
die menschliche Unfähigkeit
und fassten schließlich den Entschluss,
dass man den Menschen helfen muss.
Die Weibchen die alleine brüten
und wochenlang das Nest behüten,
-was zugegeben lästig ist-
die griffen deshalb zu `ner List.
Die Population nicht mehr zu steigern
woll’n sie das Brüten ganz verweigern.
Sie sitzen nicht mehr in das Nest;
der kalte Wind besorgt den Rest.
So ist der Weibchen Anwendung
so quasi eine Abtreibung.
Der Mensch bemerkte erst auf Dauer:
Die Krähenvögel sind halt schlauer.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Zwischen meinem Nein und deinem Weitermachen

Ich habe Nein gesagt.
Nicht einmal.
Nicht leise.
Nicht unsicher.

Ich habe es mit meinem Mund gesagt,
mit meinem Körper,
mit meinen Händen,
die dich weggeschoben haben,
weil etwas in mir schon wusste,
dass es sonst nicht sicher ist.

Du hast es gehört.
Du hast es gespürt.
Und du hast es ignoriert.

Du hast weitergemacht,
als wäre mein Nein nur ein Hindernis,
etwas, das man überspielen kann,
wenn man nett genug lächelt
und lange genug dranbleibt.

Du hast mich angefasst.
Nicht aus Liebe.
Nicht aus Nähe.
Sondern aus deinem eigenen Willen heraus.
Und meiner war dir egal.

Ich habe Zeit gebraucht.
Nicht, weil ich prüde bin.
Nicht, weil ich mich ziere.
Sondern weil mein Herz
nicht so funktioniert wie dein Hunger.
Weil Nähe für mich
Sicherheit braucht
und keinen Druck.

Ein paar Monate Kennenlernen
und du kanntest doch nur meine Haut.
Du hast gestreichelt,
was du sehen wolltest,
aber nie gefragt,
ob ich mich darin eigentlich wohlfühle.
Nie gefragt,
ob ich noch bei mir bin.

Ich habe „noch nicht“ gesagt.
Du hast „bald“ gehört.
Ich habe „ich brauche Zeit“ gesagt.
Und du hast entschieden,
dass mein Nein nicht endgültig ist.

Und irgendwann habe ich nachgegeben.
Nicht, weil ich wollte.
Sondern weil ich dachte,
Nähe sei ein Beweis.
Weil ich dachte,
Liebe zeigt sich in dem, was man gibt,
auch wenn man innerlich still wird
und sich selbst ein Stück verlässt.

Du sagst, ich würde übertreiben.
Ich hätte etwas verdreht.
Als wäre ich die Dramatische.
Dabei erinnere ich mich,
und du willst dich nicht erinnern.

Aber das war kein Film in meinem Kopf.
Das war mein Körper,
der eingefroren ist,
während du so getan hast,
als hättest du ein Recht auf ihn.
Als wäre mein Zögern
nur ein Teil des Spiels.

Du hast dir genommen,
was ich nicht freiwillig gegeben habe.
Nicht immer mit Gewalt.
Nicht immer mit offenem Zwang.
Aber jedes Mal in diesem Moment,
in dem mein Nein
keinen Raum mehr hatte
und Nachgeben sich sicherer anfühlte
als Widerstand.

Ich spreche heute darüber.
Nicht für dich.
Sondern für jede,
die glaubt,
sie hätte deutlicher sein müssen.
Oder weniger nett.

Zwischen meinem Nein
und deinem Weitermachen
liegt die Grenze.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen