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Gedichte über Einsamkeit - Seite 120


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Vom Ehrgeiz zerfressen

Vom Ehrgeiz zerfressen

Er blieb ein Leben lang ein kleiner Mann,
Fast androgyn, schlank, mit Krawatte immer elegant.
Er hatte sich bemüht und viel getan,
Dass man ihn toll und alle Welt großartig fand.

Schwer hatte er es ja die ersten Jahre,
Weil doch der Vater reich und sehr erfolgreich war.
Oft raufte er sich seine jugendlichen Haare,
Studierte brav, er wollte besser sein sogar.

Die Schwiegermutter dominierte, hatte eine gute Rente,
Erst mit der Heirat durfte er zu seiner jungen Frau,
Und mit den beiden Schwestern nahm das keine Wende,
Die nahmen es mit ihrer Frauenpower sehr genau.

Dadurch kam er in eine komfortable Lage,
Denn aus der Unterlage lässt sich leichter schießen.
So war es für ihn keine abschließende Frage:
Gerüchte konnte er ein Leben lang genießen.

Er durfte sich beruflich profilieren,
Doch im Privaten hatten Frauen ihre Hosen an.
Er durfte sie in die Vereine führen,
Damit er auch bekannter werden kann.

Bis heute kennen ihn in seiner Stadt sehr viele,
Er ist ja nie aus ihr hinaus gekommen,
Denn die Provinz, die hatte ihre Ziele
Und hat ihn damit völlig eingenommen.

Das Paar lebte sein Leben wie Pennäler,
Um Anerkennung blieb man stets bemüht:
Er führte aus, war immer Themenwähler,
Weil Ehrgeiz in den Provinzherzen glüht.

Und alles drehte sich da immer nur um ihn,
Er wurde unfähig, auf Nächste einzugehen.
So ignorierte er sogar der Freunde Sinn,
Nur auf die eigenen Erfolge wollt' er sehen.

So kam es, als die Frau verstorben,
Dass keine andere Frau ihn haben wollte:
Wer immer nur mit Eigenem geworben,
Dem Zukunft keinen Deut mehr zollte.


©Hans Hartmut Karg
2019

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