Maus und Elefant

Ein Gedicht von Tilly Boesche-Zacharow
Ein Elefant trieb eine Maus
durch das ganze große Haus,
hat sie bis zur Wand getrieben
da ist sie zitternd stehn geblieben
und sie hat ganz leis gepiepst:
„Wie schön, wenn du jetzt stehen bliebst.
Ich möcht nicht gern zertrampelt werden,
es ist doch schön hier auf der Erden.“
Da tritt der Riese leicht zurück,
das kleine Mäuschen hatte Glück.
Aus der Ferne tat´s sich neigen:
„Ich werde mich erkenntlich zeigen.“
Da hat der Riese laut gelacht,
das Zwerglein hat ihm Spaß gemacht.

Lang trabt der Elefant allein,
dann fingen ihn die Häscher ein.
Das Elfenbein und andre Gaben,
die wollen sie von ihm jetzt haben.
Damit er ihnen nicht enteilt,
wird er mit Stricken zugeseilt.
Nun liegt er da in großer Not,
und erwartet seinen Tod.
Doch eh der letzte Schnauf erreicht,
da tut sich etwas, schnell und leicht.

Ein Piepsen ihn erreichen will:
„Warte, Dicky, halte still,
ich werd nicht zaudern, werd nicht zagen,
werd an diesem Strick nun nagen!
Erinner dich, man hat was gut,
wenn man andren Liebes tut.“
Und so ist es dann geschehen,
ihr könnt es hier am Beispiel sehen.

Der Elefant will sich bedanken,
dieweil ihm noch die Beine schwanken.
Da sagt die kleine Maus pikiert:
„Ich hab mich doch nur revanchiert!“

Frei nach Aesop 29.12.2015

Informationen zum Gedicht: Maus und Elefant

705 mal gelesen
(2 Personen haben das Gedicht bewertet. Der Durchschnitt beträgt 5,0 von 5 Sternen)
4
28.12.2015
Das Gedicht darf nur mit einer Erlaubnis des Autoren kopiert oder veröffentlicht werden. Jetzt Anfrage stellen.
Anzeige