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Gedichte Über Sinne - Seite 5


Beflügelte Sinnlichkeit

wenn Sinnlichkeit Flügeln erhält
über die Unendlichkeit triumphiert
wenn Fernsteuerung einen überfällt
die Lust ferne Befehle ausführt

in Willfährigkeit die Kontrolle überlassen
Fingerspitzen wie einer Marionette geführt
eigene Hände sich fremd vertraut anfassen
sinnlich sich selbst verführt berührt

Lippen erahnen das Gefühl deiner Küsse
empfinden ihren zarten Anpressdruck
meine Zunge leckt von ihnen deine Süße
spüre, wie es dabei tief in mir zuckt

verbunden über synchrone Gedanken
erfolgte Rückmeldung steigert Verlangen
gefesselt von Worten fallen Schranken
hältst mich mit Fotoaugen gefangen

wie auf hoher See treiben wir auf Wellen
jeder den Kurs des anderen bestimmt
mit in Echtzeit detaillierten Steuerbefehlen
affektierte ferne Handlungen vornimmt

vorsätzlich in stürmisches Gewässer manövriert
absichtlich Havarie in Kauf genommen
zwei Boote auf direkten Kenterkurs dirigiert
nasse Haut, der Untergang längst begonnen

Rümpfe wiegen sich in aufpeitschenden Wogen
salziges Wasser spritzt auf die Haut
rettungslos um deine Umarmung betrogen
atemlos von dir umschlungen, SOS wird laut

funken kurzsilbig sich anbahnendes Inferno
eine gigantische Sprungwelle baut sich auf
erstickt unser beider ausgeliefertes Echo
in erbarmungsloser Stille entzückter Verlauf

auf dem Weg hinab zum tiefsten Meeresgrund
mit gnädiger Ankerkette jeweils um den Hals
ergeben wir uns diesem Strudel im Verbund
erleben, unten gelandet, das Echo des Urknalls

kleine Sauerstoffbläschen klettern nach oben
lassen unsere Lebenszeichen noch erahnen
während wir uns gegenseitig dankend loben
glücklich lächelnd unsere Überfreude tarnen

© meteor 2024
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Wo hörst du auf, wo fange ich an?

Auf einem Strand lieben wir uns im Sand,
die Sonne bedeckt uns bei unserem Spiel,
eine riesige Sinnflut reißt uns vom Land,
zieht uns hinein in ihren Ozean aus Gefühl.

Wir treiben in einem Meer von Sinneswellen,
sind untereinander über Lustknoten verknüpft,
sind zu Wassertropfen gewordene Tierzellen,
in deren Oberflächenspannung eingeschlüpft.

Unsere Gedanken laufen über enge Sinnesfäden,
ein Bewusstsein kontrolliert unseren Fluss,
stürmische Gehirnströme verursachen Schäden,
Sinnüberflutungen münden in Hochgenuss.

Die Reichweite deiner Berührungen so zu spüren,
gleicht der des Sonnenlichts in einer dunklen Realität.
Unsere Sinnlichkeit besteht aus reinen Ungetümen,
jedes droht mit einem Rausch purer Intimität.

Die feuchtwarme Beschaffenheit deiner Lippen
lässt feine Nuancen unserer Küsse verschwimmen,
deine Wölbungen erscheinen in Form von Klippen,
an jeder davon möchten meine Tropfen kollabieren.

Sanftes Zittern jedes Mal, wenn ein Tropfen zerspringt,
seine Sinnfunken andere von uns in sich aufnehmen,
die Spannung unserer Oberfläche neu abgestimmt,
Grenzen zerbröckeln, weil wir sie weiter ausdehnen.

Welle für Welle, in der wir gemeinsam ausgleiten,
ist eine Umarmung, die uns unendlich umschließt,
tief unter die Meeresoberfläche wir uns ausweiten,
einen Ozean ohne Grund man endlos genießt.

Von uns durchnässt, durchströmen unsere Tropfen,
unsere Aderfäden sind an ihren Enden ausgefranst,
wie Quallen unsere Herzen elektrostatisch klopfen,
in sich ertränkte Seelen ergänzen sich im Wellentanz.

Unsere Sinneskurven liegen eng aufeinander,
in Gefühlsinterferenzen überlagern wir auf uns,
wie zwei Zitteraale schwingen wir ineinander,
Reizblitze durchzucken uns in bizarrer Kunst.

Nach zeitlosem sinnigen Hochspannungsanbahnen,
bauschen wir uns zu einer Erregungsamplitude auf,
in unseren Tropfen zieht sich alles zusammen,
in einer Flutwelle drücken wir zur Oberfläche hinaus.

Meterhoch aufgebäumter hochenergetischer Wall,
ein explodierender Geysir in eruptiver Fontäne,
vom Wellenkamm ab bahnt sich dann der Schwall
als Tsunami seinen Weg Richtung der Strände.

Am Sandufer angebrandet, die Remetamorphosen,
flüssige Lippen und Zungen noch eng vermischt,
die Lungen geflutet von reanimierenden Luftdosen,
Zellen bleiben zurück aus der Wellenrauschgischt.

Unsere nassen Körper entspannt im Sand liegen,
betrachte dich entlang der Brandung deiner Küste,
bin deine ausklingende zarte Flut am Wiegen,
schreien laut auf nach dieser Reise der Lüste.

Wo hörst du auf, wo fange ich an?
Die Antwort heißt
"gemeinsam"

© meteor 2025
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