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Gedichte über das Schicksal - Seite 141


Das wundersame Leben eines Wetterhahnes

Das wundersame Leben eines Wetterhahnes
www.leitheim-gedichte.de
Gedicht - Nr. 1412
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Dereinst im Schweizer - Unterland
ich hundertfünfzig Jahr stand,
auf einem Kirchturmdach als Hahn
war Zierrat und auch Wetterfahn!
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In Sturmwind, Schnee manch Regennacht
hab reichlich dort an Zeit verbracht,
gar zweimal mich der Blitz gestreift
mit Rost mein Stahlblech ist bereift.
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An manchem heißen Sommertag
Mensch, Schatten sucht vor solcher Plag,
hat Sonnenlicht mein Blech verbrannt
zu Gott hab´ ich mich zugewandt.
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Recht schnell entschwand mein Silberglanz
verlor im Sturmwind, Federschwanz,
und wie es ist, im Welten - Gebrauch
man Altes tauscht durch Neues aus.
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Vom Kirchturm her die Schwalben, Spatzen
darüber sich nun lustig machen,
bat ihnen oftmals Ruheplatz
nun voller Spott manch Vogel, Satz.
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So durfte ich als „altes Eisen“
beim Hufschmied in die „Esse“ reisen,
dort Schmiedehammer fällt hernieder
formt Neues aus den Alten Gliedern.
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Aus mir entsteht ein Gasthaus-Hahn
mit bunten Federn an mir dran.
Zum stolzen Hahn das Gasthaus heißt
zu dem manch Gast nun gerne reist.
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Den neuen Hahn vom Kirchturm - Dach
den riss ein heftiges Wetter ab,
er stolz aus edlem Porzellan
als Scherbenhaufen Ende nahm.
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Ich selbst geschützt durch Wetterdach
behütet so von Weh und Ach,
wie Phönix ich aus Asche stieg
schon lang verstummt der Spott, manch Lied.
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Und wenn der liebe Sonntag da
dann Menschenstrom aus fern und nah,
das Kirchlein aber ist verwaist
zu mir ins Gasthaus man nun reist!
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Der Porzellanhahn grämt mich nicht
da Eitelkeit recht rasch zerbricht,
mein Ende schien dereinst ganz nah
Gott schütze mich noch viele Jahr.
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Das Fenster zum Hof

*****

Ein alter Mann lebte in einem maroden Haus,
sehr einsam und alleine;
vom Schicksal war er gezeichnet,
traurig blickte er aus dem kleinen Küchenfenster raus.

Wenige Meter waren es bis zum Spielplatz,
auf dem er immer einen kleinen Buben sah.
Jeden Tag spielte das Kind dort;
Gedanken holten den Mann in die Vergangenheit zurück,
er war den Tränen nah.

Im Herbst des Lebens war er angekommen,
verlor durch einen harten Schicksalsschlag seinen einzigen Sohn.
Jeden Tag kamen neue Erinnerungen auf,
sein eigenes Leben nahm durch den Verlust seiner Familie
einen tragischen Verlauf.

Der Junge genoss mit anderen Kindern das fröhliche Kinderglück,
auch er sah den alten Mann am Fenster zum Hof,
jeden Tag winkte das Kind ihm zu,
der alte Mann winkte zurück.

Viele Jahre vergingen, der Knabe wurde älter
und klingelte irgendwann an seiner Tür.
Der alte Mann traute seinen Augen nicht und fragte:
"Bist du der kleine Mann vom Spielplatz, der da heute steht vor mir ?"

Er bat ihn herein und in der Folge war er immer wieder dort,
gemeinsame Treffen setzten sich fort.
Beide lachten und tauschten sich aus,
der junge Mann erkannte schnell des alten Mannes Leid
und besuchte in später regelmäßig im alten maroden Haus.

Die Gesundheit meinte es alles andere als gut mit ihm,
er war gebrechlich und wurde schwer krank.
Das letzte Treffen war wohl das Schönste noch in seinen alten Jahren,
sein Herz war voller Dank.

Als der inzwischen erwachsene Bub von damals ihn eines Tages
zu sich nach Hause holen wollte,
blieb nur noch die Erinnerung
und das letzte verstaubte Bild auf seinem Schrank.
Das Grab pflegt er immer noch, alleine,
er ist der einzige, der noch an ihn denkt.
Dass es diese Freundschaft gab,
"Gott sei Dank !"
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