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Gedichte über Satire - Seite 95


Mini-Saga vom widerspenstigen Gleichnis (Teil I)

I. Das entgleiste Gleichnis

Wie wenn im wirbelnden Äther,
dort, wo die Sterne sich streiten,
wer zuerst die Nacht durchbohren darf,
eine halbierte Banane,
trotzig wie Achill im Zorn,
sich gegen die Gravitation stemmt
und ruft:

„Ich bin der gelbe Speer des Kosmos!“

So hebt der Sterbliche seinen Löffel,
als dirigiere er ein intergalaktisches
Frühstücksorchester.

Und wie, wenn Ananasstücke,
Töchter der tropischen Sonne,
in stachligen Panzerhemden aufbrechen,
um gegen die Finsternis zu kämpfen,
die sich in Form eines schlecht gelaunten Kühlschranks
seit drei Tagen durch die Küche brummt —

so stürzt sich die Ananas in den Joghurt,
als müsse Troja ein zweites Mal brennen.

Und wie, wenn Kirschen,
rubinrot wie die Pupillen
eines übermüdeten Dionysos,
plötzlich eine philosophische Schule gründen
und dort lehren,
alles Sein sei im Grunde nur:

Fruchtfleisch in Erwartung des Falls.

So fallen sie in die Schale.
Ein kleiner Chor
aus existenzieller Süße.

Und wie, wenn die Cantaloupe,
rund und orange wie ein kleiner Planet,
der zu spät zur Schöpfung kam,
im Stillen beschließt,
nicht Frucht,
sondern Weltkörper zu sein —

so liegt sie im Joghurt,
weich,
süß
und gefährlich überzeugt
von ihrer Bedeutung.

Und wie, wenn das Müsli,
diese knusprige Legion aus Körnern,
sich gegen den Löffel erhebt
und ruft:

„Wir sind die Kinder des Feldes!
Wir lassen uns nicht verrühren!“

So rieselt es hinein.
Ein Aufstand aus Hafer.
Kurz.
Trocken.
Aussichtslos.

Schwerkraft bleibt Schwerkraft.

So mischt der Sterbliche seine Schale,
als wäre sie Schlachtfeld,
Planetensystem,
Theater,
Orakel,
Missverständnis,
Epos,
Unfall
und Wunder.

Alles zugleich.
Wie Frühstück eben ist,
wenn es zu viel will.

Fortsetzung folgt.
(Das Gleichnis, das kündigt)
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Betrachten wir es doch einmal so…

Durch die Medien lässt man uns täglich berichten,
wir müssen sehr bald auf die Extras verzichten.
An allen Ecken und Enden wird jetzt schon fleißig gekürzt,
wie die Wurst wohl schmeckt, wenn sie keiner mehr würzt?
Stell dich nicht so an, sagen Sie und geben ihrem Sohn einen Kuss,
nur weil er die Klamotten seiner Schwester noch abtragen muss.
Was wäre, wenn Männer nicht mehr kaufend im Autohaus stünden?
Und alles nur aus Kostengründen?
Wenn wir Bürger bald nur noch trippeln, dann hilft auch kein beten.
Das zeigt aber unseren Politikern, dass wir bereits schon kürzertreten.
Aber vielleicht hat der Staat sich sogar etwas dabei gedacht?
Sollte das jedoch stimmen, haben sie das ganz clever gemacht.
Gehen die Vorstellungen sogar soweit, dass sie denken,
die Frauen werden sich das Geld für die Pille sowieso bald schenken.
Ruckzuck hätte Deutschland seine Nachwuchssorgen wieder im Griff
und wir eine neue Mannschaft auf dem sinkenden Schiff.

Die Moral von dem Gedicht, so schlecht sind Steuererhöhungen nicht!
Sogar der ins Stocken geratene Kreislauf kommt wieder in Fahrt, wenn der kleine Bürger an der richtigen Stelle spart.
Unser System ist krank und sein Zustand ernster als wir meinen.
Es muss dringend an den Tropf und schnell in den OP.
Doch es ist leider nur Kassenpatient, oje.
Der Spezialklinik fehlen die Kapazitäten, denn auch da wurde gestrichen…
Und wenn nicht bald gehandelt wird, ist es an den Folgen verblichen!

Ich habe mir aus Hans Peter Arnims Buch „Das System“ ein paar Gedanken gemopst. An dieser Stelle vielen Dank dafür.
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