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Gedichte über Lustiges - Seite 398


Ein toller Tag

Ein Mann, klein und blass, in der Kneipe,
es war wohl das "Gasthaus zur Bleibe",
er saß da ganz traurig am Tisch.
Ein Neuer kommt rein, groß und frisch, -

der nimmt ihm das Bier, trinkts auf ex,
als wärs ein bedingter Reflex.
Der Kleine, der fängt an zu weinen,
dem Großen wills lachhaft erscheinen:

"Ich hatt' einen mörd'rischen Durst,
bestell gleich Ersatz und 'ne Wurst!"
Sie sitzen am Tisch jetzt zu zweit,
der Kleine, der klagt ihm sein Leid:

"Mein Weib hat mich heute verlassen,
das Konto, die Wohnung sind leer.
Der Job weg, ich kann es nicht fassen!
Mein Leben ertrag ich nicht mehr.

Ich legte mich hin auf ein Gleis, -
'ne Umleitung gabs, - so ein Scheiß!
Im Walde ein Ast und ein Strick, -
der riss mir, ich habe kein Glück.

Revolver hat nicht funktioniert,
sonst wäre ich längst schon krepiert!
Ich hatt' e i n e Freundin im Leben,
die war in der Ratsapotheke,

die hat mir ein Gift einst gegeben
als sicheres Mittel zum Zwecke. -
"Benutze es nur, wenn's sein muss,
denn danach ist endgültig Schluss!"

Das Bier hatt' ich grade bestellt, -
mein Gift - letzter Weg aus der Welt, -
das Bier mit dem Gift drin - o Schreck, -
da kommst du und säufst es mir weg!!!"

Der Große sprach: "Das ist ein Hohn, -
der Scheck hier, das ist 'ne Million.
Da nimm ihn! Was nutzt mir das Geld,
bin bald in 'ner anderen Welt!

Du, sag mal, was dieses betrifft, -
ich merk gar nicht viel von dem Gift, -
es gibt wohl verschiedene Sorten,
bin bloß bisschen müde geworden. ---

Der Kleine, dem fällt jetzt was ein,
er greift in die Tasche hinein, ---
vorbei war die Not und die Pein,
er musste vor Freude laut schrein!

Er hält seine Rechte ganz hoch,
"Das Gift, Mensch, das hab ich ja noch!
Das war bloß 'ne Einschlaftablette,
wie man sie mal nimmt nachts im Bette.

Die wirkt fast so harmlos wie Nischt,
ich hatte die Falsche erwischt!"
In den Armen liegen sich beide,
sie lachen und weinen vor Freude.

Der Große sprach: "Teures Glas Bier!
Der Scheck gehört zweifellos dir, -
den hab ich dir gerne gegeben,
ich hab was ganz Neues: Mein Leben!"
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Wenn d e r Schock nicht hilft . . .

Die Mutter wollt wecken, falls Susi noch schlief, -
doch war sie nicht da, auf dem Bett lag ein Brief:
"Ach, Mami, ich hoffe, du wirst mir verzeihn,
ich bin jetzt bei Charlie, der war so allein.

Der Liebe, der wurde vor kurzem entlassen,
es war wohl zu voll bei den vielen Insassen.
Er hat sich da drinnen auch sehr gut geführt, -
nun hab ich ihn wieder, ich bin ganz gerührt.

Ich wohn jetzt mit Charlie, der ist ja soo süß,
das Leben mit ihm ist ein Traum-Paradies.
Den Körper voll Tattoos und Piercings: soo schön, -
ach ja, liebe Mami, du müsstest ihn sehn . . .

Bin dreizehn, na eben, und habe Verstand, -
da nimmt man sein Leben doch selbst in die Hand!
Bin endlich auch schwanger, das ist doch sehr schön,
da brauch ich auch nicht mehr zur Schule zu gehn.

Wir stehen auf Sex, weil wir Kinder so lieben.
Wirst sehn in 5 Jahren, da haben wir 7.
Bald wirst du als Oma die Freude genießen,
und kannst schon den ersten der Enkel begrüßen.

Es kann ja bloß noch an der Wissenschaft liegen,
um endlich dem Charlie sein Aids zu besiegen!
Wir wohnen im Wohnwagen mitten im Wald,
du wirst es schon finden, - besuch uns nur bald!

Und Marihuana, das tut ja so gut,
ich kenns durch die Hanna, es macht mir viel Mut.
Bei uns hier im Walde, wir bauen es an,
damit man auch Freunden mal aushelfen kann.

Sind grad Heroin oder Koks nicht zu knapp,
da geben sie uns schließlich auch etwas ab.
Doch ist es für sie auch nicht leicht zu beschaffen,
es läuft auch mal schief bei dem Handel mit Waffen!

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Lieb Mami, bis hierher! Jetzt sag ich dir was:
Das Ganze war unfair, es war nur ein Spaß!
Es war dummes Zeug, doch ich denke sogar,
dass dieses für heut eher notwendig war.

Ich sitze beim Nachbarn und freu mich auf dich.
Teils tut es mir leid, ich entschuldige mich.
Mein Zeugnis, das neue, das liegt seit paar Tagen
im Schubkasten unter den Schreibunterlagen.

Jetzt kannst du dirs ansehn und wirst es ertragen
und mir nicht die nötige Nachsicht versagen.
Ich wollt' dir nur zeigen, es könnte im Leben,
und zwar auch in meinem, v i e l Schlimmeres geben."
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