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Gedichte über das Leben - Seite 1458


Ist ja irre: Menschen!

Irrungen und Wirrungen,
Katapulte des Lebens
schießen unaufhörlich Blasen in die Luft
Luftblasen, Sprechblasen
Hast du heute schon grün?
Wo ist mein gestern?
Alles klar, alles unklar,
Menschen als Spielbälle des Schicksals
kleine Männchen tummeln sich
in meinen Ohren –
ich höre Stimmen
Was sagen sie mir?
Was sie mir sagen?
Die Wahrheit natürlich!
Was dachtest Du denn?
Wir sind alle ein bisschen verrückt!
Und nicht nur ein bisschen…
Manche sogar reichlich.
Manche mehr, als ihnen lieb ist.
Sie sind verrückt,
das Leben ist verrückt,
das Leben spielt verrückt,
und wir? Wir spielen mit,
Menschen sind nicht normal –
Menschen sind verrückt,
verrückt und verrückt worden,
und genau das macht uns liebenswert –
unsere Verrücktheiten,
sie machen uns liebenswert
und einzigartig.
Niemand ist so wie ich,
niemand ist so verrückt wie ich,
und das ist gut so!
Ich spinne, du spinnst,
wir spinnen uns ein Netz
von Verrücktheiten,
alles verwoben, verflochten, verbunden,
Spinnen und Menschen,
Geschöpfe des Netzes des Lebens,
ich höre Stimmen, und Du?
Du tickst vielleicht und schreist,
andere gehen oder sprechen rückwärts,
die dritten sitzen auf Rädern
oder gebärden wie wild,
manche werfen ihre Köpfe vor und zurück,
und wieder andere brechen Rekorde
im Kinderkriegen

schon verrückt, wir Menschen,
aber mal ehrlich:
Wer möchte heute noch als normal gelten?
Ein bisschen verrückt sein hat was,
ist „in“.
Aber bitte nur ein bisschen!
Ein bisschen nur?
Und was ist mit denen,
die aus dem Rahmen fallen,
vielleicht sogar ganz und gar?
Die keinen Rahmen mehr kennen?
Dürfen die auch so sein,
wie sie sind?
Und viel wichtiger:
Dürfen sie auch so bleiben?
Ihr, ja, ihr!
Ihr seid unendlich wichtig!
Nicht nur, um den anderen zu zeigen,
was normal ist oder Normalität bedeutet,
nein, sondern auch,
um die unendliche Vielfalt des Lebens
zu bekräftigen, zu dokumentieren, zu leben.
Wer sagt,
dass Menschen normal sein müssen?
Bäume und Sträucher
wachsen krumm und schief,
wenn Menschen
krumm und schief wachsen,
werden sie operiert!
Das ist normal!
Oder verrückt!
Je nach dem, wie ich es sehe.
Schön verrückt, diese Normalität.
Er hört Stimmen:
In seinen Ohren und in seinem Hirn
wuselt es nur so von kleinen grünen Männchen.
Er faselt irgendetwas vor sich hin.
Eine ganze Weile lang,
dann lacht er plötzlich lauthals los –
schizophrenetischer Applaus für geheime Witze,
die anderen lachen auch,
lachen ihn aus,
ein Zeichen ihrer Unsicherheit,
denn sie verstehen ihn nicht,
lachen ihre Unsicherheiten und Ängste weg,
fühlen sich stark
und müssen doch erkennen,
wie nah er ihnen ist –
traurig, traurig.
Und doch amüsant.

Wenn ein Verrückter und ein Normaler
nebeneinander hocken,
könnte man meinen:
Genie und Wahnsinn sitzen dicht beieinander –
doch wer ist wer?
Feinheiten,
die nicht ohne weiteres auszumachen sind,
wie schön!
Schön verrückt!
Mal ein bisschen durchdrehen,
wie das fünfte Rad am Wagen,
der Ersatzreifen
auf der Überholspur des Lebens:
Was für ein Bild!
Aber ich glaube,
es würde uns gut tun,
uns allen,
und auch mir,
manchmal ein bisschen mehr verrückt sein
und die eigenen Verrücktheiten
ausleben zu können,
ausleben zu dürfen,
ohne schief angeguckt zu werden,
das wünsche ich mir…
Wer weiß?
Vielleicht begegne ich eines Tages
ein paar Verrückten,
die mich dazu sogar auffordern…
Und sie werden mich fragen:
Na, Alter, heute schon verrückt gewesen?


ls170507
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Traumfänger

Weites, karges Land, Buschland,
so weit das Auge reicht,
wenige Menschen, wenige Tiere,
die sich optimal angepasst haben
an diese faszinierende Einöde
Kraniche, Krokodile, Kängurus und Koalas,
die hier beheimatet sind.
Leben als ein Teil der Natur,
Natur sein, Natur begreifen,
Natur ehren und achten,
voller Respekt für jedes Leben, jede Kreatur,
egal ob Pflanze, Tier oder Mensch.
Eine Symbiose, die aufgeht.
In, mit und inmitten der Natur leben,
sich nackt und barfuß fortbewegen,
wie die Tiere, wie die Samen,
die weite Reisen auf sich nehmen,
um sich fortzupflanzen.
Werde ich einmal in meinem Leben
nackt im Regen getanzt haben,
bevor ich sterbe?

Ich bin begeistert, fasziniert, glücklich,
bei dem Gedanken daran,
so leben zu können,
ohne jeden Besitz, ohne jede Armut,
jeden Neid, jede Eifersucht,
glücklich, aufgehoben,
beschützend und selbst beschützt,
eins sein mit allem, was mich umgibt,
eins sein mit dem Universum
und dennoch einzigartig sein
in all dieser kosmischen Energie,
die mich aus denselben Molekülen hervorgebracht hat,
wie all die andere wunderbare Natur.

Ich bin glückselig,
verschmelze mit dem Buch,
das ich gerade lese: Traumfänger
es macht mich glücklich, befreit mich,
macht mich Lachen und Weinen zugleich,
macht mich Zittern vor Ehrfurcht,
ich staune und bewundere
und bin zugleich sprachlos.
Menschen, die sich telepathisch verständigen,
die Stimme nur zum Singen benutzen,
ihren Atem dazu benutzen,
Didgeridoos zum Vibrieren zu bringen,
die mit Tieren sprechen und kommunizieren,
die jede pflanzliche und tierische Nahrung
vor dem Verzehr segnen,
die keinen Müll hinterlassen,
seit 50.000 Jahren nicht.
Sie leben in unendlicher Harmonie
und Glück mit der Natur,
sie sind Natur – geblieben,
diese wahren Menschen
des letzten Kontinents auf Erden.

Sie sammeln Träume und Visionen
mithilfe von Spinnennetzen.
Sie sind die Traumfänger.
Sie basteln kreisförmige Gebilde
und befestigen sie mit Schnüren.
Dann bestreichen sie sie mit Harzen und Ölen
und fangen dann damit ein Spinnennetz.
So entsteht ein Traumfänger.
Der Traumfänger wiederum
fängt unsere Träume ein:
Tagträume, Nachtträume,
Wachträume, Schlafträume,
andere Bewusstseinsebenen,
die ebenso wichtig und bedeutsam für uns sind.

Die Frage ist:
Wie wichtig nehmen wir sie?
Unsere Tagträume? Die Traumfänger?
Und die Menschen, die sie bauen und wertschätzen?
Geben wir ihnen eine Zukunft?
Den Tagträumen? Den Traumfängern?
Und den Menschen, die sie bauen und wertschätzen?

Es wird der Tag kommen,
an dem diese Menschen,
die wahren Menschen,
wie sie sich selbst nennen,
die Erde verlassen werden,
und mit ihnen werden wohl auch
die Traumfänger fortgehen…


ls251208
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didgeridoo

beben, beben, –
beben in der Erde,
beben in mir
ich zittere, wittere
sanfte Wellen der Weichheit
zart wabernde Wogen
vibrierend tiefe Wasser
die mich zärtlich umschließen,
einhüllen, einlullen
ich gebe mich hin,
dem Tanz der tanzenden Luft,
den Wellen, die den Sand
um meine Füße spülen
und fange an, glücklich zu sein
tausend Tropfen taumelnder
und torkelnder Töne
tropfen mir ins Bewusstsein,
meine Ohren klingeln,
während wuselnde Klänge
in meinen Ohren klingen und schwingen,
wie Möwen am Strand

mir wird schwindelig,
ich taumele und tanze in die Nacht
Schreckgespenster begrüßen mich
und heißen mich Willkommen
in der Welt der tausend Schatten,
sie wachsen hinauf bis zum Mond,
daher wohl auch der Ausdruck
„Nachtschattengewächse“
ich bin glücklich
alles stimmt, alles passt
die Zeit vergeht
nicht – sie steht – still –
und schweigt das Schweigen
der Lämmer

der Erdpuls nimmt meinen Puls
in sich auf
und trägt ihn mit fort
an unbekannte Orte
ich glaube, fliegen zu können
und breite meine Schwingen aus
wie ein Albatros,
segele von Felsen zu Felsen
und lasse mir die Gischt des Meeres
durchs Gefieder spritzen
träume ich oder wache ich?
ich weiß es nicht,
es scheint keine Rolle zu spielen
mein Tanz durch die Winde
gleicht dem Tanz der Gischtkronen
auf den Wogen des Meeres,
Ewigkeit scheint belanglos,
nur das jetzt zählt,
Sterne sammeln sich zu Haufen,
während sich Monde zusammenraufen
der Kosmos kennt keine Verspätung,
alles geschieht zu seiner Zeit
Kometen streifen Planeten
und Sonnen sich im Sonnenlicht

die Welt erzählt seltsame Geschichten
und Vögel und andere Lebewesen
stimmen mit ein,
singen das Lied des Lebens,
das schon immer da war,
manchmal kaum hörbar,
dann wieder mit
Ohren betäubendem Lärm,
sodass man sich selbst nicht mehr hört
Rohre röhren dunkel wie Hirsche,
hell wie das Licht,
die Natur erschafft sich wieder von selbst,
ein endloser Kreislauf,
der meinen Atem gefangen nimmt,
der mich immer wieder aufs neue
staunen lässt,
voll von Ehrfurcht und Respekt
vor allem leben…


ls050909
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urtöne

Es ist ein dumpfer, tiefer,
trötender Klang, der ertönt,
begleitet von Phasen, Schwingungen und Vibrationen,
blechern bisweilen,
dann wieder unendlich basslastig,
schnarrend, schnaubend, dröhnend und stöhnend,
tief und trompetend, brummend und bratschenartig
lädt er zum Mitbrummen ein,
zum Mitsummen und –schwingen:
der Urton der Erde, unserer Erde,
erzeugt aus den Urtiefen des Planeten,
aus den Schwingungen des Erdballs
in der Umlaufbahn um die Sonne.
Unglaublich, faszinierend, betörend,
ja fast schon beschwörend –
dringt er durch den Raum, den Kosmos,
dringt in mich ein,
durchfährt und durchströmt mich
bis in jede Zelle meines Körpers,
lebendig und kraftvoll, spirituell und sphärisch,
wie ein lebendes Didgeridoo,
geboren, um zu klingen,
und ich stimme mit ein,
lasse meine Stimme mit geschlossenen Lippen dazu klingen,
meine Stimmbänder, meine Kehle,
meine Brust, mein Brustkorb vibriert,
mein Körper schwingt, musiziert und klingt,
als wäre er eins mit diesem Planeten,
vielleicht sind die Brummtöne meines Tourette
nichts anderes als kosmische Tics,
laute der Planeten bei ihrem Umlauf um die Sonne.
Schon immer hatte ich brummende Tics,
und schon immer habe ich geahnt:
sie sind archaisch, sind Urtöne des Lebens,
meine Urtöne meines Körpers und meiner Seele
in Verbindung mit meinem Ursprung, der Erde,
mein Tourette als Kreation, als Kreatur,
als kreative Gebärmutter meiner eigenen Trtöne,
das ist ein phantastisches Gefühl:
mein Tourette als archaisch-kreatives Element meiner Seele,
meines Ursprungs,
die Geburt des Planeten setzt sich
in der Geburt jedes Lebewesens fort
und findet in jedem Laut eines Lebewesens seine Fortführung
und Rückführung an den Ursprung
die Ideen und die Gedanken von Krankheit als kreative Kreation
gefallen mir,
so lässt es sich leben, auch mit Tourette,
und so lässt es sich auch weiterhin brummen,
selbstbewusst und stolz,
auf jeden meiner Urtöne…


ls130909
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verbunden

Die Musik nimmt mich gefangen,
von der ersten Sekunde an,
ich schwinge und schwebe,
bebe im Takt und schreie nach mehr,
ich sehen mich danach, Flugstunden zu nehmen,
wie ein Seeadlerküken an der Steilküste,
breite meine Schwingen aus
und lasse mich Gehen und Treiben,
wiege mich im Takt durch die Lüfte,
nehme jeden Aufwind mit,
um mich dann wieder auf den Wellen niederzulassen,
Schaumkronen und ich tanzen um die Wette,
solange keiner verliert,
die Natur spielt mit den gezeiten,
die Zeit spielt mit der Natur und verrückt,
Uhren drehen sich rückwärts,
um die Zeit zu vergessen, so wie ich,
mein Zeitgefühl ist schon lange dahin,
und das ist gut so, fühlt sich gut an.

Rauchiger Jasmin weht mir durch die Nase
und macht mich ein bisschen verrückt – nach Meer,
ich bin, wo ich bin, tanze barfuß auf den Wellen,
trommele mit den Füßen
auf den alten staubigen Lehmboden,
trommele mit den Fäusten auf meine Brust,
tanze ungeahnte und unbekannte Schritte,
Ameisen lassen erstaunt ihre Früchte fallen
und sehen mir begeistert zu,
klatschen im Ameisentakt zur Musik.

Mit verbundenen Augen lausche ich der Musik,
die aus dem Inneren der Erde zu kommen scheint,
trommeln und flöten, flöten und trommeln
spielen und sprechen miteinander,
lassen mich den Rhythmus tanzen,
den ich mit meinen Füßen aus der Erde aufsauge und spüre,
ich gebe mich der Dunkelheit hin, die mich umgibt,
die Ameisen tanzen mit,
wir sind alle Brüder, verbunden,
lediglich unsere Körper unterscheiden sich voneinander,
die Achtung und der Respekt voreinander
die Nähe und den Umgang miteinander,
wir alle feiern ein Fest des Glücks,
des Lebens, der Verbundenheit,
niemand ist falsch oder schlecht,
alle sind richtig und echt, wahrhaftig!

Noch immer folgen meine Füße intuitiv
dem Takt und der Melodie der Musik,
die von Ameisengesängen begleitet wird,
das Band um meine augen lässt mich
die reale Welt vergessen
und gleichzeitig die spirituelle Welt entdecken,
meine Füße spüren den sandigen Boden,
entdecken jede noch so kleine Unebenheit,
bestimmen bewusst den nächsten Schritt,
meine Arme suchen weit ausgestreckt,
den nächsten Felsen zu erreichen,
der weit Weg ist.

Das Tuch um meinen Kopf wird feucht
durch den Schweiß,
ich verdunste mehr Flüssigkeit,
als der gesamte Ameisenstaat
in einem Monat braucht,
kleine Bäche salziger Flüssigkeit
rinnen meinen Körper hinab
und versammeln sich gemeinschaftlich
und wissbegierig zu meinen Füßen,
um von dort eine weitere Reise
durch den weiten Lehmboden anzutreten.

Grillen und Grashüpfer haben sich zu uns gesellt
und stimmen mit ihren Hinterbeinen
in den Rhythmus mit ein,
ein Schnarren, Schaben und Rastern ist zu hören,
dass es nur so eine Freude ist.

Auf einmal kann ich eine Stimme vernehmen,
einen Bass, wie ich ihn noch nie zuvor gehört habe:
satt, tief, männlich, urig,
ich erschaudere voller Ehrfurcht
vor dieser magischen Stimme,
sie reiht sich ein und gestaltet und prägt den Klang
dieser Naturmelodie ganz wesentlich mit,
ich staune, wie lange diese Stimme
den tonalen Bass halten kann und merke,
wie ich nach Luft schnappe,
erst jetzt wird mir klar, dass es mein Körper ist,
der diesen wunderschönen männlichen Bass hervorbringt,
dass ich mit tiefer und lauter Stimme
meinen Erdungsgefühlen und –empfindungen
Ausdruck verleihe,
ich bin erstaunt über mich selbst
und erfreut und glücklich zugleich.

Ich höre, wie der Chor der Ameisen
und Käfer und Hüpfer zu tanzen beginnt,
sie stampfen abwechselnd mit den linken
und rechten Hinterbeinen in den feuchten Sand,
ihr stampfen schwingt durch den Boden hindurch
bis zu meinen Füßen und kommuniziert
und korrespondiert mit meinen Schritten,
die nach wie vor unablässig auf den Boden stampfen,
als würden sie eine geheimnisvolle Botschaft aussenden.

Meine Hände kreisen um meine Handgelenke,
als wollten sie die Natur um mich herum
beschwören und verzaubern,
meine Arme kreisen um meine Hände
und unterstützen ihre Intention,
meine Augen vermissen nach wie vor kein Licht,
und meine restlichen sechs Sinne
spüren die Natur und meinen Puls,
der im Takt der Musik schlägt, mich leitet
und durch diesen phantastischen wie endlosen
tanz der Nacht führt und begleitet,
ich gehe völlig auf in dieser Welt,
und während mein Bass weiter schwingt,
tanze ich bis in den frühen Morgen hinein…


ls220111
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