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Gedichte über Fantasie - Seite 128


Gesprengte Ketten

Du hältst mich fest an deiner Leine,
hab den langen Tag nur dich im Sinn.
Ständig verfolge ich nur das Eine,
wie ich dich in meiner Lust erklimm'.

Kettest mich an den Bettpfosten,
fesselst mich an deine Laune,
peitscht mich mit Haarknospen,
reiße mich los, selbst ich staune!

Ein freies Raubtier lustgetrieben,
sein Knurren lässt Haut erzittern.
Ungezähmte Krallen Spuren ziehen,
dein Seufzen scheint es zu füttern.

Mit jedem Knabbern an Körperstellen,
mit jedem Biss von lüsternen Lippen,
wird weniger dein Dagegenstemmen,
bietest mir feil, was auf deinen Rippen.

Verfange mich packend in deinem Haar,
lecke deinen nackten Hals entlang,
raue Rauptierzunge berötet, wo sie war,
folgt instinktiv ihrem Begierdedrang.

Dein Geschmack von warmen Fleisch,
dein aufgesetzter flehender Gnadenblick,
dürstend nach Küssen um jeden Preis,
erkunde deinen Mund Stück um Stück.

Weichst rücklings aufs Bettlager aus,
von meinen Augen scharf fokusiert.
Textile Fetzen, aufgerißener Schmaus,
Delikatesse vor mir köstlich plaziert.

Erklimme auf allen Vieren die Ecken
meiner heute langersehnten Beute.
Mit meinen zuvor gesprengten Ketten
liegt sie gefesselt, wie es sein sollte.

Nicht Furcht erfüllt deine Augen,
dafür ist dein Blick zu selbstsicher.
Was könnte dir dieses Tier rauben?
Nichts wünscht du dir sehnsüchtiger.

Hast von dem, was jetzt gleich folgt,
mindestens tausendmal geträumt.
Zig Varianten in nasse Laken gerollt,
dich immer wieder dabei aufgebäumt.

Schließt deine Augen, gibst dich hin.
Mit offenem Mund, Seufzen entrinnt.
Genießt mein Rauben, mit jedem Sinn.
Ich beginne, wie ein Tier dich nimmt.

© meteor 2026
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Die Dracheninsel

Gemeinsam auf des Drachen Rücken
Flogen wir zu unserem Entzücken
Hinfort über die offene See hinweg
Zu unserem heimlichen Inselversteck

So golden die Sterne am Himmelszelt
Einen Gruß hinaus wir schon entsandt
Von hier oben so klein erscheint die Welt
Wie weit wohl noch bis an deren Rand?

Dein Herz dir längst im Leib entbrannt
Zwar immer schon heimlich gedacht
Ob wohl die Chance zum Mitflug bestand?
Niemals damit gerechnet in dieser Nacht!

Verwegen du aufgestiegen auf den Drachen
konntest keinen Rückzieher mehr machen
Wolltest endlich auch mal was wagen
Nicht länger mehr nur Träumen nachjagen

So hoben wir ab in die klare Dunkelheit
Erreichen nun dieses Eiland im Nebelkleid
Hinterm dichten Schleier sich uns offenbart
Ein wahres Paradies, die Sinne genarrt

Ein Berg mit schwindelnder Felsenschlucht
Eine Quelle entspringt aus seiner Mitte
Mündet weit unten in einer malerischen Bucht
Ein Wald von einer Lichtung zerschnitten

Vom Flugwind wir ganz berauscht zerzaust
Wieder festen Boden unter den Füßen
Wie ungläubig und froh du doch schaust
Von über uns die Sterne uns zurück grüßen

Wie der Drache sucht sich ein Ruheplätzchen
Auch wir lassen uns im warmen Grün nieder
Wohlig rollt sich das Reptil wie ein Kätzchen
Wie auch wir finden uns daliegend wieder

Aneinander geschmiegt zählen wir die Sterne
Ziehen Verbindungslinien zwischen ihnen
Erbauen neue Fantasiegebilde in der Ferne
Zu was auch immer sie uns noch dienen

Unweit vernehmen wir des Flusses Rauschen
Begleitet von Grillenzirpen und Nachtigalgesang
Leise wir beide ihrem Zusammenspiel lauschen
Finden Ruhe im Herzen bei solch Wohlklang

© meteor 2024
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