Sortieren nach:

Gedichte Über Essen - Seite 4


Die Haare kommen und gehen

Ist ein neuer Mensch geboren,
zieht man ihn nicht an den Ohren,
man klatscht ihm sachte auf den Po
und wenn er schreit, sind alle froh.
Dadurch muss er die Lunge bewegen
und zuvor den Herzschlag anregen.

Als hätte die Hebamme mich gepachtet,
hatte sie mich von allen Seiten betrachtet.
Dann sagt sie: „ Du bist ja ein feiner Atze.
großer Mund und kleine Glatze.
Andere werden schon geboren
mit dickem Fell über den Ohren.“

Gut, dass ich es nicht verstanden,
sonst ließe ich einen Brüller landen.
Ich wurde gewindelt und lernte laufen.
Bald war ich Teil im Kinderhaufen.
Hat einer von uns zu sehr gelogen,
haben wir ihn am Haar gezogen.

Mir machte das überhaupt nichts aus,
bei mir sah doch kein Härchen heraus.
Und mit mir gab’s auch kein Malheur
beim Stille sitzen vor dem Friseur.
Meine Eltern sparten durch mich Geld,
sie fragten mich oft, was kost die Welt.

In dem ziegelroten Grundschulgehäuse
gab es sehr oft des Kopfes lästige Läuse.
Erst wurden die Haare durchgewühlt,
dann wurden sie zum Stinken gespült.
Opa Knolle ließ dann meist in Gedanken
diesen Diesel in seinen Traktor tanken.

Bei der Musterung schrie der Sanitäter:
„Sie tragen den Stahlhelm eben später.
Wohin soll denn das die Armee führen,
wenn alle sich vorher den Kopf rasieren.“
Doch jeden Tag bei dem Morgenappell
glänzte meine Glatze allein und hell.

Beim Studium es die Frau Wirtin sah
und war bald der Verzweiflung nah.
„Wie soll ich von ihren Lieben wissen,
ohne ihre Haare auf fremden Kissen?“
Ich will es nur so nebenbei erwähnen,
ihr wuchsen Haare auf den Zähnen.


Ich habe den Schöpfer oft gebeten,
mir doch einen Haarschopf abzutreten.
Doch keiner seiner Wege führte dahin,
nicht einmal am Rasierpinsel Kinn.
Jetzt, wo ich kein Haar mehr brauch,
wächst es wild auf Kopf und Bauch.

01.10.2018 © W.R.Guthmann
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Anzeige


Ein Sommertraum zur Weihnachtszeit

- Ein Loblied auf die Quitte -

Zum Fest will ich dir schenken einen Traum ...
Er flog zu mir verheißungsvoll von einem grünen Quittenbaum
wie eine Erinnerung ans ferne Paradies,
das einst der Herrgott den Menschen überließ.
An einem Tag im Lenz ward er in einem rosa Blütenmeer gebor'n.
Das Blühen ist Vergangenheit, doch dieser schöne Traum ging nie verlor'n.
Auch wenn der Baum nun schneebedeckt und kahl sein Holz zum Himmel reckt,
hab ich in seiner Frucht das Wunder noch einmal entdeckt.

Denn gelbe Quitten fangen wie der Wein die Sonne eines ganzen Jahres ein.
In ihrer schönen Farbe strahlt das helle Licht,
es zaubert Heiterkeit uns ins Gesicht.
Die längst vergang'ne Wärme eines langen Sommers liegt in ihrem Duft,
berauschend süß wie blütenschwere Luft
und köstlich auch die reife Frucht noch schmeckt,
dass dir's Erinnerung und Sinne weckt.
Aromen, blumig wie in rotem Rebensaft,
in dieser Fülle liegt der Quitten Kraft.

Aber wie in Rosenblüten hinter Dornen, die gar stechen,
ist leider tief im harten Kern versteckt all ihr Versprechen.
Und doch kann ich dem Locken niemals widersteh'n,
wenn sie in ganzer Pracht an vollen Zweigen sind zu seh'n.
Gepflückt will ich sie alle holen gleich ins warme Haus,
um dann zu machen als Geschenk für dich was Feines draus.
Entlocken will ich diesen Früchten alle Herrlichkeit
mit Liebe, Dankbarkeit und sehr viel Zeit.

Du wirst des Lebens Wärme in dir spür'n,
wenn deine Lippen sie erwartungsvoll berühr'n,
weil doch die Quitte, fein gewürzt mit edlem Kardamom und Zimt
das Grau von trüben Wintertagen nimmt
und wenn vom Himmel weiße Flocken fallen sacht,
genieße sie, bis dir im Sinnenrausch die Seele lacht!
Verführerisch wie eine Sünde fühlt sich's an,
oh, göttlich wie im Himmel dann!

Mit dunkler Schockolade zart vereint ist sie ein Traum.
Die Köstlichkeit mit ihrem Duft durchdringt den ganzen Raum,
bis zarter Schmelz und fruchtig' Mark dich ganz entzückt
und einen Augenblick in Sommers Leichtigkeit entrückt.
Und dann im milden Glanz der Weihnachtszeit
macht sich in dir das Glück und Hoffnung breit.
Die Hoffnung bringt der Tannen grüner Zweig,
doch nur die Liebe und der Sonne süßen Früchte sind Glückseligkeit!
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Anzeige