Sortieren nach:

Gedichte über die Erkenntnis - Seite 478




Wer den Rausch sucht, findet oft nur den Abgrund

Mensch, Kumpel, siehst du scheiße aus,
musst ich mir grad gestehen,
denn ich hab mich die ganze Zeit im Spiegel angesehen.

Gerammelt hab ich den ganzen Tag,
geblieben ist mir nichts.
Probleme bleiben ungelöst
und Falten zieren mein Gesicht.

Nun fang ich an zu saufen,
rauche, was das Zeug nur hält,
und jedes Wort, das ich jetzt sag,
ist ein Fluch auf diese Welt.

Nein, ich muss jetzt etwas ändern,
und so wandelt sich mein Sinn.
Meine Augen gleiten regungslos
zu meiner Jacke hin.

Und nun greife ich in die Tasche,
hol mir ein Briefchen raus,
leg es vor mir auf den Tisch
und falte es vorsichtig auf.

Dann nehme ich mir einen Schein,
roll ihn eng und klein,
und zieh mir etwas Koks
in meine Nase rein.

Und alles, was gerade scheiße war,
ist plötzlich nichtig und klein.

Der Typ im Fernsehen sieht auf einmal anders aus,
und seine Witze find ich geil –
der kriegt von mir Applaus.

Der redet doch die ganze Zeit nur hohlen Stuss,
doch was er jetzt so von sich gibt,
ist für mich Hoch-, Hochgenuss.

Meine Hand fängt an zu zittern,
meine Kehle trocknet aus.
Die Wände kommen auf mich zu –
verdammt, ich muss hier raus.

Also nehme ich meine Jacke
und zieh sie lässig an,
doch bevor ich geh,
fang ich noch mal von vorne an.

Ja, ich greife in meine Tasche,
hol mir ein Briefchen raus,
leg es vor mir auf den Tisch
und falte es vorsichtig auf.

Dann nehm ich mir einen Schein,
roll ihn eng und klein,
und zieh mir etwas Koks
in meine Nase rein.

Und alles, was gerade scheiße war,
ist plötzlich nichtig und klein.

Ich ziehe so durch die Gegend
und hab nur eines im Sinn:
Wie komm ich jetzt am schnellsten
in die Treppe hin?

Ich will jetzt Roland Kaiser,
ich will jetzt Party pur,
ich will jetzt geile Weiber
und noch ’ne dritte Spur.

Also nehm ich mir ein Taxi –
das bringt mich schnell dahin.
Die Leute hier sind super drauf
und ich leg noch mal auf.

Ja, ich greife in meine Tasche,
hol mir ein Briefchen raus,
leg es vor mir auf den Tisch
und falte es vorsichtig auf.

Dann nehm ich mir einen Schein,
roll ihn eng und klein,
und zieh mir etwas Koks
in meine Nase rein.

Und alles, was grad scheiße war,
ist plötzlich nichtig und klein.

Nun werd ich wach – ich weiß nicht, wo,
es war wohl ein bisschen viel.
Die Frau, die hier liegt neben mir,
ist auch nicht ganz mein Stil.

Das bin ich nicht, das will ich nicht,
hab ich mir mal geschworen.
Familie, Haus und Job sind weg –
ich glaub, ich hab verloren.

Doch ein Schimmer bleibt,
der Hoffnung zeigt,
ich glaub, ich komm hier raus.

Doch damit es bisschen leichter wird,
leg ich noch einmal auf.

Ja, ich greife in meine Tasche,
hol mir ein Briefchen raus,
leg es vor mir auf den Tisch
und falte es vorsichtig auf.

Dann nehm ich mir einen Schein,
roll ihn eng und klein,
und zieh mir etwas Koks
in meine Nase rein.

Und alles, was gerade scheiße war,
ist plötzlich nichtig und klein.

Mario Ott
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Was willst du von mir?

Dass ich dir zuhöre und einen Rat gebe,
dir meine Meinung zum Thema kundtue,
ein offenes Ohr für dich habe
oder etwas für dich tue?

Nur sprechenden Menschen kann
geholfen werden, also sag etwas!
Hinter dem Rücken fällt es dir leicht,
das war ja klar.

Teile deine Bedürfnisse mit,
das ist dein gutes Recht.
Handle nicht einfach unüberlegt,
denke bitte vorher drüber nach.

Rede nicht um den heißen Brei herum,
komm bitte schnell zum Punkt.
Zögere dein Vorhaben
nicht um Tage hinaus,
bis du meinst, mich so weit zu haben.

Brich nicht direkt den Kontakt ab,
nur weil ich meinen
Standpunkt vertreten habe.
Oder lag es daran, weil ich meine Beine
nicht breit gemacht habe?

Gehst auf Abstand,
weil du klarkommen musst
okay, vielleicht stimmt das ja wirklich,
aber wo liegt dein richtiges Problem?
Rückst nicht mal anständig
mit der Sprache raus.

Sicher, dass nicht ich das Problem bin?
Du sagtest zwar nein,
aber ich glaube dir nicht.
Dann würdest du ab und zu
mit mir reden oder mir mein Buch
endlich mal zurückgeben.

Ist dir alles anscheinend nicht wichtig,
du bist total überheblich und meinst,
du wärst etwas besseres.
So kommst du jedenfalls rüber.

Gibst blöde Kommentare von dir,
anstatt zu schauen,
dass du mal weiterkommst.
Beschäftige dich lieber mal
mit deinen Problemen,
anstatt den „Klugscheißer“
heraushängen zu lassen.

Jetzt bin ich abgedriftet und
denke nur an dich,
dabei bist du es bei weitem
nicht mal annähernd wert.
Mein Stolz ist verletzt, was soll ich sagen?
Mein Atem ist es, der dir nicht passt.

Ich habe wenigstens eine Ausrede dafür,
ein leerer Magen, der nichts zu tun hat.
Du riechst auch nicht
wie ein Gänseblümchen,
fragst mich aber, ob ich was
dagegen tun könne.

Ich soll mich also um
hundertachtzig Grad drehen,
aber du darfst der selbstgefällige Idiot bleiben, der du bist?
Darfst Kritik taktlos äußern,
aber ich muss aufpassen, was ich sage?
Je mehr ich darüber nachdenke,
desto eher wird mir klar,
dass ich ohne dich viel besser dran bin!


© Lily .N. Hope
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen