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Gedichte über das Auto - Seite 9


Kann denn Parken Sünde sein?

Ohne Auto, muss ich ehrlich sagen,
geht kaum etwas in meinen Tagen.
Fahren mit Schwung und Gas
macht dabei noch immer Spaß.
Doch das Schlimmste an der Fahrerei
ist in der Stadt die Parkerei.

Schon seit vielen, vielen Jahren
darf ich zu meiner Freundin fahren.
Der Parkplatz für meine Räderschar
anfangs noch eine Ruine war.
Mein Auto stand zwischen Schutt und Dreck,
Beschwerden hatten keinen Zweck.

Erst vor Staatsbesuch in unsrer Stadt
man die Ruine schnell beseitigt hat.
Es wurde ein breiter Graben gezogen,
dort hinein ist alles geflogen.
An der Platzeinfahrt ein blaues Schild
zeigte an, dass hier das Parken gilt.

Nach den Wahlen war es soweit,
einfach nur Parken entsprach nicht der Zeit.
Jetzt lag hinter der Frontscheibe
die eingestellte blaue Parkscheibe.
Uniformierte Ordnungshüterwesen
konnten nun die Parkdauer ablesen.

Jeder dieser Parkdauer Ableseposten
verursachte aber eigene Kosten.
Man stritt über falsch oder richtig
und mein Parken wurde kostenpflichtig.
Und dann kam ein einfacher Automat,
der für jedes Auto kassiert nur hat.

Mit Münzen in 20 Pfennigschritten
ließ man die Fahrer zur Kasse bitten.
Doch keiner sagte „Bitte“ oder „Danke“,
drum montierte man eine Schranke.
Kraftfahrzeug fahrende Damen und Herren
mussten bei der Einfahrt einen Zettel zerren .

Diesen Parkschein mit sich führen,
im größten Trubel nicht verlieren.
Erst zum Automaten gehen
und dort in der Schlange stehen
Gut, wenn man bereits parat
die Parkgebühr in Münzen hat.

Die Ausfahrt hat besonderen Charme,
da braucht man einen langen Arm.
Fällt der Schein vor den Automat
wird der Fahrer zum Akrobat.
Links stößt man die Türe ran,
rechts hat sie kein Höschen an.

Gut, wenn hinten noch zwei Türen
mühsam aus dem Auto führen.
Hat den Schein man dann gefunden,
ist die Beifahrerin verschwunden.
Und dann fällt die alte Frage ein,
kann denn Parken Sünde sein?

21.05.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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Das neue Fahrgefühl

Als ich geboren war, so muss ich sagen,
war das Kinderbett mein erster Wagen.
Trocken, warm mit etwas Geruch,
verlockte er zu manchem Spruch.

Schon nach wenigen Tagen
fuhr ich im geschlossenen Wagen.
Zwei Achsen, vier Räder, alles Pappe,
Zierrat und Farbe waren billige Attrappe.

Im nächsten Sommer wehte geschwind
Im offenen Wagen frischer Wind.
Ich musste oft zur Seite rücken,
weil Hamsterkartoffeln am Hintern drücken.

Es folgte ein kleiner Roller ganz aus Holz,
der Tretroller wurde später mein Stolz,
mit Damenfahrrad, zwei Nummern zu groß,
raste ich im Stehen los.

Statt Hühnerschreck und Moped zum Treten
wurden wir in die Bimmelguste gebeten.
In den letzten Ferien, so ganz nebenbei
war auch der Traktor „Brockenhexe“ dabei.

Eine AWO hat uns dazu verlockt,
dass wir in der Lehre viel verbockt.
Später bei der Arbeit von Ort zu Ort
trug mich bald die Jawa fort.

Dann saß das erste eigene Kind
Auf dem Berlinroller, geschützt vor Wind.
Schließlich war der Roller zu klein
und es musste ein Auto sein.

Die Autos wechselten wie die Hemden,
immer nur deutsche, keine fremden.
Krankheitshalber gab es den Trick,
statt Kupplung links, nur Automatik.

Jetzt im Alter wird man verschmitzt
und fahrend auf dem E-Roller sitzt.
Brandenburg redet vom neusten Schrei,
bald sind 1 Mann E-Hubschrauber dabei.

Einer steht bei mir im Altersheim,
denn noch ist seine Ansicht geheim.
Vom Automobil sein Name kommt,
denn er nennt sich Erlkönig prompt.

08.09.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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