Ein Mund aus Schweigen
Ein Gedicht von
Claudia Behrndt
Als Kind mundtot geschlagen, klein und starr,
lernte ich nicht sprechen, hielt mein Schweigen fest.
Aus Angst, die größer war, als Worte wahr,
blieb mir der Mund verschlossen wie ein Nest.
Als Kind mundtot geschlagen, still gemacht,
lernte ich nicht zu fragen, zog mich in mich ein.
Gehemmt vom Blick, der über mir gewacht,
ließ ich die Gedanken ungefragt allein.
Ich war noch klein, ein Kind, noch nicht bereit,
man redete mir ein: Du kannst es sowieso nicht.
Ich sei nichts wert, so hässlich, so weit,
ein Kind zu sein – als wäre das erbärmlich schlicht.
So trug ich Lasten, früh und viel zu schwer,
sie quälten mich bis heute, tief und leis.
Doch Schritt für Schritt lerne ich nun mehr:
Den Mund zu öffnen ist kein hoher Preis.
Doch ich habe es gelernt und werde es weiter schaffen,
es ist gar nicht so schwer, den Mund aufzumachen.
© Claudia Behrndt
(Gedicht von ´2001 – neu überarbeitet ´2025)
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