Das Massaker am Hawakani Creek
Ein Gedicht von
Jasmin Pahlisch
Der Abend ist kalt, ein Sturm zieht herauf.
Man wärmt sich in der Taverne.
Es jagen die Wolken im Mondlicht dahin,
es heult ein Wolf in der Ferne.
Es sitzt eine Frau in der Ecke ganz still
und etwas scheint sie zu quälen.
Ihr Blick flackert unstet und huscht stets zum Mond,
als sie beginnt zu erzählen:
"In einer düsteren Vollmondnacht,
einen Mondlauf ist's her,
da wurde ein Fluch auf die Insel gebracht!
Oh, davon zu reden, fällt mir so schwer!
Viele, viele versammelten sich
im Nebel, im Schein der Laternen,
zu einem Ritus, den Zweck wusst' ich nicht
und konnt' mich doch nicht entfernen.
Dunkle Gestalten kreisten uns ein,
wie Wölfe im gaukelnden Fackelglanz.
Ein Schaudern lief mir durch Mark und Gebein!
Der Ritus begann und bannte uns ganz!
Extatisches Kreischen, ein rhythmisches Zucken
durchlief den inneren Kreis,
ein Schreien und Stöhnen, ein Tanzen und Rucken
und Opferblut bespritzte uns heiß!
Ich floh aus der Runde, Stück für Stück,
langsam, fort von den Wesen.
Entzog mich dem Bann und das war mein Glück,
sonst wär's mein Ende gewesen.
Denn was wir beschworen, war uns nicht hold,
es gebot den dunklen Gestalten!
"Tötet sie alle! Keinen verschont!"
Und sie begannen zu walten!
Wir flohen, wir rannten, weg von der Hölle,
doch verwundet zum Teil kamen wir schlecht von der Stelle
und hinter uns kamen die schwarzen Perversen
und war'n uns dicht schon auf den Fersen!
Doch wir konnten entkommen!
War's Wunder, war's Glück?
Den Weg im Mondlicht
lief ich allein zurück.
Ein Bildnis des Schreckens tat sich auf,
Verwundete, Tote, die Erde voll Blut.
Was immer wir da heraufbeschworen,
hat sich geholt seinen Tribut."
Die Frau dann verstummt.
Eine Geige spielt sachte Noten.
Im Vollmondlicht, im Kerzenschein,
gedenken wir der Toten.
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