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Gedichte über Sex und Sexualität - Seite 9


Dünenregen

entspannt liegen wir in den Dünen
verstohlen hinter hohem Gras
inmitten beigem Sand geaalt im Grünen
rekeln wir uns in der Natur zum Spass

weit & breit um uns keine Menschenseele
liegen wir wie im Paradies unbedeckt
was wir mitbrachten ist an sichrer Stelle
falls wir zur Flucht aus Eden aufgeschreckt

du liegst bauchlinks auf dem heißen Sand
Saharawind fegt Sandkörner auf dir umher
vor dir häuft sich aus Wehrichtung Bestand
nahtlos wirst du so Teil des Dünenmeers

deine orange-bronzene Menschenhaut
wird assimiliert, ins Dünenkollektiv integriert
dein Haar wie Grasbüschel hervor schaut
biegt sich weich vom steten Wind dirigiert

deine Körperwölbungen kleine Hügel & Buchten
Sand verteilt sich in alle Zwischenfluchten
da krabbelt was über die Schulter dir ins Ohr
schüttelst dich, legst dich rücklings wo du zuvor

wieder beginnt das selbe Naturschauspiel
die Dünenseele vereinnahmt deinen Leib
Korn um Korn umgarnt Kristallenes dein Profil
deine Landschaft wird zum Dünenzweig

fasziniert verfolge ich deine Verwandlung
werde selbst Teil dieser Machtdemonstration
wie wir untergehn in der wilden Sandbrandung
durchs Wüstentreiben gemeinsame Infiltration

Wolken gaffen auf uns herab, akkumulieren
verdichten, reiben sich sichtlich erregt
erleichtern sich ihrer inneren Nässe, ejakulieren
im Platzschauer sie auf uns herniedergeht

vorfreudig erwarten wir die Feuchte von oben
liegen mit dem Sand regensehnsüchtig hier
das lebensspendende Wasser trifft von droben
auf unsere Sandleiber prasselt kühles Elexier

die Tröpfchen auf dir sehen aus wie Diamanten
überall verstreut auf deinen geduschten Dünen
sonnengeküsstes Gesicht für Nässe am danken
über weibliche Hügel sich Rinnsale bemühen

meine Augen folgen ihren Serpentinenlinien
ein Teil davon sammelt sich nah im Dünental
koste vom Bach, der deinem Tal am entrinnen
stille meinen Durst in deinem Dünenwasserfall

abgewaschen vom Regen jedes Sandkorn weg
im Wasserfilm aufeinander wir nass gleiten
Lippen saugen küssend ab, was voll Wasser steht
manch Tropfen auf dir sich dafür beneiden

um uns der Dünensand gut durchfeuchtet
jede Bewegung versinkt im körnigen Matsch
von Kinn & Nase tropfen dunkel beleuchtet
feine Rinnsale punktuell einzeln im Satz

endlich schiebt die Sonne alle Wolken zur Seite
setzt uns mit ihren heißen Strahlen wieder zu
strecken alles von uns auf Sandboden in die Breite
spüren überall trockendes Prickeln, muntere Unruh

und wieder bestreut uns erster getrockneter Sand
mit seinen Streuseln auf noch feuchter Haut
verklummt vermischt zu krümmelnden Krokant
lächeln uns glücklich zu, sind einfach & vertraut

genießen dieses Wetterwechselspiel mit Genuss
fühlen uns zwanglos frei und urgeborgen
leben diesen einmaligen Rausch im Dünenfluss
treiben weiter, denken nicht an morgen

© meteor 2024
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Freundliche Kontaktaufnahme

du lieblingsmensch, komm in mein versteck
leg dich doch zu mir, hier unter meine deck'

schau mir in die augen, sag mir, was du siehst
siehst du, wie meine vorfreude zu dir überfließt?

dich so nah bei mir, direkt neben mir zu spüren
gleich werden meine finger deine haut berühren

jeder kontakt zwischen uns ist eine sensation
dein sinnliches tastorgan vermeldet vibration

eine sanfte erschütterung lässt dich erzittern
ein wohliger schauer wellt über deine zarte haut

weiche härchen erheben sich, weil sie wittern
hier wird gleich unglaubliches sehr vertraut

fingerspitzen überfahren erste härchenenden
die sofort ihre exakte ortsangabe versenden

freundliche kontaktaufnahme erreicht regionen
ist unmittelbar am rande erogener zonen

per zutrittsparole zugriff ins sperrgebiet erteilt
tiefer irisscan zweier augenpaare gibt bescheid

positive signale aus der gefühlsschaltzentrale
wohlwollende mimik wölbender wangenareale

nach oben gezogene mundwinkel gespiegelt
jedewede schutzvorkehrung wird entriegelt

noch bevor das eindringen findet statt
die glückshormonausschüttung begonnen hat

zähne kauen auf deiner feuchten Unterlippe
weil fingerspitzen berühren haut deiner rippen

ein wohliger sinnesalarm folgt dem andern
als meine haut beginnt auf deiner zu wandern

warmer atem enthaucht durch dein lippenoval
deutlich hörbar dieses einmalige sechste vokal

sehnlichst erwünschter ganzkörperkontakt
findet zuerst im kopf reflexhaft koordiniert statt

unterstützt durch drüsige pheromonextraktion
robben sich zwei leiber zu innigster eskalation

wie zwei lippen ihre kusspartner blind finden
arme und beine sich gelenkig in sich winden

vier hände mit empfindlichsten tastsensoren
kontaktieren alle möglichen erogene hautporen

zungenspiele verdrehen zirkusreife kapriolen
bringen die synapsen völlig zum aufjolen

unglaublich dahinschmelzende laufende ekstase
schweisstreibende vereinte glücksphase

zeitlos unbegrenzter minimaler raumverbrauch
mehrfach reanimierter sauerstoffhauch

schnurrendes gurren geht über in hyperventilation
endlos hinauszögerndes finale die eskalation

frenetischer jubel bricht sich endlich bahn
über uns fällt mit uns der vorhang

© meteor 2024
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Rätselhafte Spitzennacht

~ + ~
Blass und langweilig wäre um uns die Welt,
wären alle Rätsel in ihr bereits gelöst.
Solange zum Mann eine Frau sich gesellt,
stets Geheimnisvolles sich entblößt.

Hinter einem Tuch aus Spitze ist verborgen,
pfirsichzarte, samtig weiche, weibliche Haut,
im Kerzenschimmer prahlen deine Knospen,
erotisch-sinnlich, nur zur Erregung gebaut.

Du aus Sehnsuchtsstoff vernähtes Rätselwesen,
so ungleich zum Mann von der Natur erschaffen,
Stapel von Büchern über deine Spezie gelesen,
wie ihr tickt, beim Mann Wissenslücken klaffen.

Analog dazu du als Frau am Rätseln über mich,
betörendes Muskelspiel zum Sattverwöhnen,
Phantasie nach Frauenart, kraftvoll männlich,
vom Denken her gibt es nichts zu beschönen.

Vernehmen unser Lächeln, stiften so Vertrauen,
ignorieren den gegenseitigen Fragezeichen-Blick,
belustigt strahlen meine abtastenden Adleraugen,
schamhaft funkeln deine Katzensterne zurück.

Deine magnolienrosig leuchtenden Lippen,
verlocken mich zum baldigen Zungenspiel,
nach der Lustdroge Pheromon am Bitten,
sinnig haben beide Spezien das gleiche Ziel.

Diesen Lockduft einatmend, macht animalisch,
versetzt unsere Sinne prickelnd unter Strom.
So zeigt sich, was von Grund auf dramatisch,
fügt sich magnetisch zur passgenauen Union.

Fraglos spielerisch talentiert küsst meine Zunge,
kreist und forscht neu-gierig in deinem Mund.
Meine Hände gleiten zaghaft, sind vorgedrungen,
über deines vielseitig-weiblichen Leibes Rund.

Nehme das dich einhüllende Tuch in meine Hände,
presse es fest auf deine erotisierende Haut.
Es wölben Hügel sich und zwei Knospenstände
durch Spitzen mir sich hin, erfreulich vertraut.

Wie sinnlich du so gewandet, reizvoll berührt,
hauchverhüllt hemmungslos soll die Reise sein.
So gleiten wir glücklich, uns begehrend verführt,
in diese unsere >rätselhafte Spitzennacht< hinein.
~ × ~


© meteor 2024
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