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Gedichte über Sehnsucht - Seite 23


Sehnsucht nach Regen

Und ich stehe wieder hier im Freien,
Der Himmel über mir ist noch wolkenklar.
Die Luft durchtränkt von trockenen Schreien,
sehnsüchtig erwarteter Regen doch so rar.

Gemeinsam mit allem was durch Wasser lebt,
stehe ich hier barfuß auf erdigem Wiesengrund.
Zu lange schon bleibt aus was Lebensfreude hebt,
wodurch der Kreislauf des Lebens erst läuft rund.

Schließe die Augen um mich zu erinnern,
als ich zuletzt hier stand im Freudentaumel.
In meinen offenen Mund direkt ins Innern
prasseln Regentropfen in meinen Gaumen.

Es gibt kein besseres Gefühl der Freiheit,
als frei wie ein Vogel im Regen zu stehn.
Die Arme ausgebreitet, zum Abheben bereit,
nach reinen Wassertropfen ich mich sehn.

Alles was auf mir lastet wäscht er von mir ab,
reißt Trauer und alle Sorgen mit ihm mit.
Der starke Regenschauer spült fort was ich trag,
trommelt auf meine Haut sein ewiges Regenlied.

Ich dreh mich schwindlig auf Zehenspitzen,
will überall seine warme Berührung spüren.
Vergesse um mich alles, fühl es aufblitzen,
vom Regenguss mich zum Leben verführen.

Bin eins mit all den Wiesenpflanzen,
die mit mir im Regen ausgelassen tanzen.
Spüre den Fluss der Freiheit über mich fließen,
Millionen Tropfen sich auf mich ergießen.

Ich habe die Freiheit, im Regen zu stehen,
in Freiheit zu lieben und zu wachsen.
Immer wieder will ich diese Lust begehen,
bei Regen frei unterm Himmel zu tanzen.

Und als ich so in Vergangenem schwelge,
über mir dichte Wolken sich dunkel drängen!
Mit weit geöffneten Augen mich bereit melde,
das Nass zu empfangen mit offenen Händen.

© meteor 2024
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Kuss der Diebe

Von unser'n Augen empfohlen,
an heimlich' Platz wir uns gestohlen.
Niemand wird uns finden!
Neugierde wird uns binden...

Trautes Fleckchen gefunden,
Augen tasten ab mit Blicken,
Treffen sich, entfachen Funken!
Näher heran sie winken,
Von Urvertrauen betrunken...

Deine Augen zu den meinen:
"Seit ich dich sah, bist du mir so nah!
fühle mich dir seelenverbunden...
will jetzt wissen unumwunden,
was da mit uns vorhin geschah."

Meine Augen zu den deinen:
"Du bist betörend, ich mich entlarv'!
Ich würde gerne, wenn ich darf?
Bist so wunderschön anzusehn,
ich muss jetzt einfach voran gehn!"

Hauch von Luft vor sich her geschoben,
meine Hand streichelt sanft Stirn und Haar.
Umspielt dein Gesicht herab von oben,
liebkost dich immerdar ...

Zitternd Hand deine Haut berührt,
An Wange ein Finger dich verführt!
Verlangen auch in mir geweckt,
will wissen, wie dein Mund mir schmeckt.

"Siehst du nicht, wie ich sterb' vor Bangen?
nach einem Kuss ist mein Verlangen!
Komm! ... raub mir meinen Atem!
meine Lippen die deinen längst d'rum baten!"

Lippen dein Gesicht berührend,
in watteweiche Wolken eingehüllt,
meinen Kuss auf deiner Wange spürend,
Sehnsucht von Ungeduld erfüllt!

Heißer Atem malt prickelnd feuchte Kreise
auf Wangenhaut auf ihrer Reise
über deinen halboffenen Mund,
Kontakt mit meinem möcht' tun kund!

"Willst du meinen Atem rauben?
Bist völlig verrückt?
Mir fehlt Luft und Glauben!
Der Welt durch dich entrückt!
Das wirst du büßen,
wirst zappeln jetzt,
werd' dies' Spiel versüßen,
dich in Gier versetzt!"

Mein Mund über deinem stoppt,
Atem sich trifft, vermengt,
Lippenpaare Abstand nicht verengt,
nach Plan werden deine nun gefoppt!

Ungeduldig nahen deine Lippen
die meinen zu berühren,
sie zu kosten, d'ran zu nippen,
meine sich selbst entführ'n!

Weichen zurück ein kleines Stück,
reicht, du wirst verrückt!
Erkennst kesses Necken,
lässt dich gern anstecken!

Heißes Fangspiel beginnt,
Augen sich lächeln an,
wohlwissend, jeder gewinnt,
egal, wer wen fangen kann!

~

Deine Finte macht mich zum Sieger
triumphierend lässt mein Mund
sich auf deinem nieder...
Unsere Lippen sich berühren,
beide zu Gewinnern küren!

Atem für ewigen Moment ...
vergessen Raum und Zeit,
Herzen ganz ungehemmt,
verführen in neuer Zweisamkeit.

Im Wir so vereint,
Lippen sich berührend,
Du mit mir angeleint
Zungenspiele vollführend...

Anfangs Atem geraubt,
Lippen auf der Flucht,
beide Diebe ganz verrucht
diesen Kuss gemeinsam gestohlen!
Dies' Verbrechen ungesühnt,
da so empfohlen,
gar erlaubt ...

...als Kuss der Diebe nun gerühmt...

© meteor 2023
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ÄNIGMATISCHER GEDANKE DER LUCREZIA BORGIA

Liebster, du bist mir wie die Sonne
Auf dem blauen Firmament.
Immer wenn ich dich spür', wenn ich dich berühr',
Glühen meine Augen, wie des Feuers Licht,
Und ich weiß: du bist der jene,
Um den sich meine Welt dreht,
Du bist der Mensch, der mir ein Zuhause gewährt
Ohne dich ist mein Dasein wie erstarrt
Und die Stunden und Tage der Auszeit sind viel zu hart.
Ohne dich bleibt meine Zeit stehen,
Der Wind fängt an, hinter dem Fenster zu wehen.
Ohne die Harmonie, welche du mir zu verleihen vermagst,
Wird nicht viel in meinem Leben geschehen,
Mir ist klar, dass du mich ebenfalls sehr magst,
Weil ich dieses spürte, als du bei mir lagst.

Ich bin wie die Erde,
Die um dich kreist und dich begehrt.
Meine Gefühle zu dir,
Die ich hege und trage in meinem Herzen,
Brennen für dich,
Wie Tausende von entzündeten Kerzen.
Willst du die Farben meiner Emotionen pflücken,
Wie man Blumen pflückt auf der Weide?
Komm, lass uns Blumen sammeln
Und daraus einen Kranz wickeln!
So taten es auch die Heiden.

Doch du bist im Jetzt der Gegenwart weder bei mir,
Noch bei der Nachbarschaft neben mir.
Nirgends find' ich eine Widmung von dir,
Nirgends find' ich ein Symbol deiner Liebe zu mir.
Du bist nicht real in meiner Gegenwart,
Nirgends spür' ich deine Anwesenheit.
Real ist der mit meinen Monologen gefüllter Raum,
Real ist der mit Bernsteinen geschmückter,
Symbolischer Glücksbaum.
Du bist wie ein unsichtbarer Geist,
Mit dem ich lange Monologe führe,
Jemand, den ich weder sehe, noch berühre, noch spüre.
Du bist wie ein Prinz der unsichtbaren Dimension,
Von dem ich hatte eine illusionäre Vision.

Ich vermiss' Dich, ich brauch' Dich!
Es gibt niemanden, der kommt und mich nimmt an der Hand,
Und wenn ich Selbstgespräche führe,
Ist das so, als rede ich mit einer Wand.
Von dir schwärme ich, Du mein „viel geliebter Prinz“,
Weil ich weiß, dein Horizont ist weit.
Daher komm in meine Richtung
Und träte jetzt zu mir, aus dem Spiegel der Zeit.
Lass mich nicht alleine,
Denn, dieses täte mir bloß in der Seele leid.

Komm bitte zu mir am Tage,
Um Blumen auf der Weide zu pflücken;
Komm zu mir bei Nacht,
Sei für mich da im Lichtschein der Kerzen…
Um meine seelischen Schmerzen,
Durch die Kraft deiner Liebe zu mir,
Zu lindern und auszumerzen...
Liebster, du bist mir wie die Sonne
Auf dem blauen Firmament.
Ich bin wie die Erde,
Die um dich kreist und dich begehrt,
Und ich weiß,
Wir haben uns gegenseitig verehrt,
In einer Zeitperiode, die aus Liebe besteht.

Mit melancholischem Zartgefühl,
Welches ist weder distanziert noch kühl,
Erschuf ich über dich änigmatische Illusionen.
Unsere Zeit ist inzwischen zerronnen,
Doch die Erinnerung an dich ist wieder gewonnen.
Wir haben uns gegenseitig verehrt,
In einer Zeitperiode, die aus Liebe besteht.


© Agnes von Angelis


Info: Das Gedicht wurde vor ca. 23 Jahren geschrieben und im Jahr 2025 neu bearbeitet.
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