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Gedichte über Romantik - Seite 60


Alte Turteltauben

Stell dir vor..
Stell dir vor, Sakiya. Stell dir vor, wie wir gemeinsam altern..
Wenn du riefst, vergaß ich das Rheuma,
Die Kelims und Teppiche, auf denen ich zu dir schritt, wurden länger.
Vielleicht stricktest du mir riesige Wollschuhe für meine Füße,
Vielleicht nähme ich ein paar Blutdrucktabletten,
Warte, bin ich gerade in eine Rolle geschlüpft? Ich verstehe nicht, was passiert
Es ist, als wäre ich wütend auf dieses träge Leben,
Als wäre ich erzürnt über diese Stille.
Lass da eine Stimme sein, ich bitte dich, nur eine Stimme..
Zum Glück habe ich deine Stimme gehört,
„Schmeckt der Kaffee?“
Lass mich antworten, bevor deine Frage in der Luft hängen bleibt,
Denn meine Antworten verstehen sich nicht aufs Fliegen.
„Er ist herrlich geworden, einer der besten Kaffees, die ich je getrunken habe..“
Schau, genau so sind wir, von Angesicht zu Angesicht.
Alter: fünfundsechzig,
Jeden Tag kommt uns etwas aus der Vergangenheit in den Sinn,
Und an jenem Tag hast du diese Ruine mit deiner Gegenwart beehrt,
Bleib nicht stehen, komm, setz dich ein wenig.
Zuletzt sagte ich „stell dir vor“,
Stell dir vor, wie wir gemeinsam altern.
Wie wir mit unserer Altersrente Kaffee trinken.
Nun, wie nass unser Handtuch auch geworden ist, das ist es eben.
Wir sind über das bloße Vergnügen hinaus, wir haben die Reife erlangt.
Wie sehr unsere Stirn auch geschwitzt hat,
Genau so viel Kaffee haben wir gekocht.
Eine Haltestelle, an der ich ausruhe; still, aber nicht einsam.
Mit dir bin ich ruhig. Manchmal verstumme ich.
Doch wenn mein Haar ergraut ist, wenn meine Zunge gealtert ist,
Werde ich von meinem Platz auf dem Sofa aus alles kritisieren;
Dass die Welt sich viel zu schnell dreht und all das eben.
Die Tage vergehen wie im Flug, die Jahreszeiten, die Jahre..
Die Zeit, die mir mit dir bleibt, schwindet,
Als wäre es nicht genug, dass ich altere,
Alterst auch du, deine Haut schrumpft in Falten.
Ich werde auch keine Brille tragen, ich werde dich einfach so ansehen.
Auch wenn du verschwommen bist, bist du letztendlich jung.
Gestimmt auf die Zeiten, in denen ich deine Falten nicht sehe,
Bleibst du in meinen Augen viel jünger und lächelnder..
Deine Stimme bricht manchmal, du bist jetzt alt,
„Gräme dich nicht, ich zerfalle doch auch“, würde ich sagen.
Auch wenn der Witz kühl ist, soll dein Lächeln sich ein wenig erwärmen.
Ein warmes Lächeln steht dir gut, nicht zu viel, nicht zu wenig..
Und wir hätten Enkelkinder, in Reih und Glied,
Wir würden sie mit der Kindheit unserer eigenen Kinder vergleichen,
Und dann würden wir ihre Unschuld verstehen.
Wie schön wir diese strahlenden Kinder beneiden würden.
Wir würden uns nach der Unschuld sehnen durch sie, danach, wieder Kind zu sein,
Der eine wird Opa, die andere Oma, und dann die Erde.
And ihre Kinder werden niemals unsere Namen wissen…
Wir werden vergessen werden..
Es war ein Besuch, diese Welt; der Traum endete und schwand mit dir..
Je kürzer, desto besser, sagt man, aber du warst nicht auf der Rechnung,
Als du da warst, dehnte sich jede Stunde, jede Minute aus..
Vergiss jetzt, was das Beste wäre,
Diese Jahre, die ich damit verbrachte, vernünftig zu sein, sagten mir:
Lebe! Lebe etwas, bevor du stirbst!
Deshalb bin ich so ein rücksichtsloser, wunderlicher Alter geworden.
Während du wie ein edler, gereifter Wein bliebst..
Während ich moosbedecktes Meerwasser war,
Hat das Teilen deines Atems mich versüßt.
Ach, die Jahre..
Wie schnell sie vergingen.
Das Ende des Weges ist nun in Sicht.
Schau auf all diese Berge und Ebenen, die wir durchquert haben.
Während man all die Qualen erleidet, kommt es einem nie in den Sinn,
Dass all dieser Weg auch eine Sackgasse haben könnte.
Jetzt soll jeder meiner Momente dir geschenkt sein.
Zum Trotz gegen die Jahre, die ich mit weltlichen Dingen verbrachte.
Ich werde mehr lieben, ich werde mehr sagen.
Sollte ich es einmal nicht sagen können, wisse, dass es nicht an mir liegt,
Denn wenn diese Zeit erst gekommen wäre,
Wäre ich ein weißhaariger, lockenköpfiger, wunderlicher alter Mann.
Orientierungslos, und Alzheimer noch obendrein.
Mein Bestreben, auch dich nicht zu vergessen:
Jeden Morgen würde ich den Tag mit deinen Augen beginnen.
Die Nacht ist ohnehin leicht, wir trafen uns in den Träumen..
Gerade wenn der Tag anbricht, darf ich dich nicht vergessen.
Zur Morgendämmerung kommst du mir in den Sinn,
Und ich liebe jede deiner Facetten aufs Neue.
Gerade jene Zeiten wären schwer.
Wenn ich dich in deinem schönsten Moment vergäße…
Ach wir,
Das gealterte Turteltaubenpaar.
Ach, ach..
Wie dem auch sei, lasst es uns nicht in die Länge ziehen, wir sind noch Setzlinge.
Während wir noch nicht tief genug gewurzelt haben, um zu vergessen,
Noch groß genug gewachsen sind, um vergessen zu werden,
Was ist das für ein Mysterium, frage ich dich, Sakiya?..
Wecke mich aus meinem Schlaf. Die Träume des Alters sind vorbei.
Ich verlor mich wieder im Spiel der Zeit.
Lass uns für eine Weile gemeinsam im Augenblick verweilen.
Zudem habe ich Fieber bekommen.
„Deckst du mich zu?“
.
Sich kalte Tage auszumalen, während mein Inneres sich erwärmt..
Das Alter in der Jugend, der Hunger im Sattsein..
Was für eine seltsame Sache das ist.
Es sind noch 40 Jahre..
Jetzt bin ich jung, voller Leben und auch ein bisschen verrückt..
65 Jahre alt.. Damals wäre man gesetzt und schwer,
Ein Mensch sollte nicht allein sein. Er wird bedürftig nach einer Stimme..
Ach du, Sakiya.. vielleicht mit dir bis in jene Zeiten..
Haben wir die Kraft, eine Leiter an die 66 zu lehnen?
Sagen wir, die Leiter ist in Ordnung.
Ich habe Rheuma,
Wie soll ich die Stufen allein erklimmen?
Zum Glück bist du an meiner Seite..
Oh, du mein vierzigjähriges Epos,
Wirst du meine Stütze sein?
Schau, ich bin völlig aus der Form und uralt..
Wenn man alt wird, kann man nirgendwo mehr mit Begehren hinsehen, außer in die Augen.
Die Sanduhr hat nichts verschont, außer die Augen..
Jede andere Handlung alterte mit der Zeit..
Wie schnell die Jahre vergangen sind, nicht wahr, Sakiya..
„Ich glaube, ich habe mich zu sehr hinreißen lassen..“
„War das ein Dibek-Kaffee?“
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Wylde Nacht

Ins Dunkel unter den Eichen
da sieht man zwei Schatten schleichen.
Der Wylde Wald ruft, der Wylde Wald lockt!
Passt auf, dass ihr euch versteckt,
bevor sie euch finden und wir davon künden:
"Der Wald hat wieder verschluckt!"

Es wispern Stimmen im Unterholz,
doch umzukehren versagt der Stolz.
Da tönen die Trommeln, ein mystischer Klang,
unsern zwei Liebsten wird ums Herze so bang.
Schon seh'n sie die Flammen und tanzende Schatten
und hören der Flöten Gesang.

Es tanzen gar düst're Gestalten,
's sind finstere Mächte am walten.
Hexen, Dämonen, schon ham sie gesehen
die Lauscher im gaukelden Schein.
Schnell war'n sie gefangen, oh, wie sie da bangen,
die letzte Stunde wird's sein!

Die Hexen dann kreischend weben
den Zauberbann über die beiden,
voller Begehren und Liebe und Lust!
Und blind in haltloser Hast
sie dann beginnen sich zu verschlingen
am Feuer, das knistert und zuckt.

Doch als sie stöhnend am Ende,
da trennen sie magische Hände,
geben ein Kleid ihr aus Borke und Laub.
Ihm wachsen Hörner aus dem Haupt!
Ein Hirsch, eine Weide, verwandelt sind beide,
bedeckt von Asche und Staub.

Keiner sah sie je wieder,
doch horch, es riefen die Jäger
zur Jagd auf den prächtigen Hirsch.
Mit Hunden war'n sie auf der Pirsch,
hetzten ihn zum Leide unter die Weide.
Die Trauer hat hat ihr die Rinde zerfurcht.

Und als vergangen neun Monde,
da krümmt sich vor Schmerzen die Weide,
es splittert der Stamm, ein Loch plötzlich klafft,
ein Wesen mit Hörnern steigt aus dem Schacht.
Die Hexen, sie stampfen, die Satyre tanzen
und feiern das Kind der wylden Nacht.
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