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Gedichte über Natur - Seite 1094


Inselkind

Unerwartet menschenleer: Der Strand,

den ich weit abseits, des belebten Fußwegs fand.

Nur eine keltische Schönheit seh ich dort 
durchtrainiert durch Fitness, Sport, 

sehnsuchtsvoll suchend nach einem Ort

blickt sie anmutig und stolz aufs weite Meer.


Ich frage mich, wer ist sie ? .. Wer ?


Ihre modische Kleidung legt sich in leichten Falten 
um Ihre zarte, weiche Haut.

Vor ihr rauschen schäumende Wassergewalten,

weil sich am Himmel etwas zusammen braut !

Ich kann nicht anders, muss dem Schauspiel lauschen

So höre ich wilde Möwen kreischen,

sehe ihre Schatten über den Sand dort jagen.

Doch in mir wächst das Unbehagen,

denn es türmen sich Gewitterwolken immer höher

und ziehen bedrohlich immer näher.

Stoisch standhaft sehe ich das Weib den Sturm bezwingen.

Sie wirkt, als wird es ihr gelingen !


Langes rotblondes Haar umweht ihr jugendliches Gesicht.

Lebende Strähnen, die wild um sie herum tanzen.

Es trifft sie der letzte Strahl vom Sonnenlicht

und wird dieses Bild ewiglich nun in mich pflanzen !

Plötzlich dreht sie sich geschmeidig um

und schaut mich freundlich an.

Meine Kinnlade fällt, ich wirke dumm.

Sie zieht mich in ihren Bann ! 
Keine Tat, kein Ton, ich bleibe stumm,

weil ich mich nicht mehr bewegen kann.

Ihr Liebeszauber hat mich bezwungen.

Meine Chancen sind vertan, verklungen.


Ich sehe sie noch lächelnd gehen.

Ihr Gang wird schneller, wird zum Lauf,
doch trotzdem bleib ich reglos stehen

und erst der Regen taut mich auf. 

Was war mit mir geschehen ?

© jogdragoon
Bibat ex me qui potest
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fließende zeit

wir sollen unser leben leben
denn die jahre fließen hin
in klarstes wasser uns begeben
wo des flusses blut ich bin

wenn zeit aus diamant besteht
so wertvoll glänzend sieht er aus
als berg in einem fluss er lebt
der strom von dort aus weit hinaus

mein fluss läuft hoch auf meinen berg
und fließt vom gipfel ab ins tal
mit zeit kreieren wir das werk
und schleift den diamanten kahl

aber altes gelb ist gold
ganz gereift und glänzend glatt
oben auf dem berg sie rollt
diamantenzeit glänzt matt

ein ausblick oben hoch hinaus
gefährlich weit lehnst du dich raus
vorsicht vor der glatten wand
geh nicht zu nah an berges rand

setz dich lieber in dein floß
mach die ketten der gedanken los
der fluss trägt dich dann schon voran
und wenn du frei bist, schwebst du dann

die schwerkraft der gedanken drückt
dich viel zu weit raus an den rand
nimm es leicht und sei verrückt
auf die veränderung gespannt

wir können nicht herunterfallen
wenn es schwerkraft gar nicht gibt
sondern uns die leichtigkeit
auf diamantenberge fliegt

genieß die fahrt und bremse nicht
auch wenn das ufer nicht in sicht
vertrau der fahrt und sieh dich um
denn irgendwann ist sie schnell rum

oh! einmal kurz nicht aufgepasst
hat der zeitwasserfall den fluss erfasst
ihn fängt das nichts
die flut verblasst

wo ist er hin? der fluss der zeit
an uns vorbei und schon ganz weit
weg von uns, wir spähen nach
doch der sichtkontakt zerbrach

der berg aus diamant wird knapp
langsam trägt die flut in ab
und unser fluss dann mündet schlapp
in meeren der erinnerung
der diamantenberg stürzt um

du denkst, deine erinnerung
ist nur ein boot aus altpapier
geschichten der erinnerung
geschrieben stehen, jetzt und hier
nichts mehr zu bedeuten haben

aber alte zeit ist gold
erinnerung ist diamant
unzerstörbar überrollt
wer weiß, wohin der fluss uns bringt
auf die nächste zeit gespannt

der diamantenberg bricht ein
und das große wird ganz klein
unzerstörbar er doch bleibt
sich einfach als geschliffen zeigt

unbedeutend in der flut
trägt die zeit es stets voran
und reißt des diamanten blut
in fließende unendlichkeit
wir fragen ihn: “fluss, wo geht´s lang?”
doch niemand weiß, allein die zeit -

30.01.2022
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