Sie sagten: „Du warst doch immer so nett.“
Klassiker.
Am Anfang ist doch jeder nett.
Eine Maske, die jedem passt.
Ich kann sie nicht ausstehen.
Ich kann ihn nicht ausstehen.
Und doch klebe ich an ihnen,
ein Junkie auf Entzug von Harmonie,
suche die Nähe,
nur um mir die Haut abziehen zu lassen,
immer wieder.
Ich brauche das.
Ich brauche den Riss.
Wenn die Tränen fallen wie Sommerregen,
dreckig, heiß, ungefiltert,
dann bin ich endlich kein Konzept mehr.
Nur noch frei, frei, frei..
Sie werfen mit Diamanten zum Fraß,
schweißen mir goldene Käfige zusammen.
Mit dem Bügeleisen glätten sie meine Sätze,
bis aus Ecken und Kanten
ein bügelfreier Konsens wird.
Wenn wir streiten,
wird alles zur Waschtrommelzeremonie,
die Wahrheit verschleudert,
die Farben laufen aus.
Dann bricht es.
Die Selbstkontrolle zerspringt wie Glas auf Asphalt.
Die Sonne hämmert in meine Synapsen,
wie ein glühender Presslufthammer.
Ich bin nur noch Kaugummi,
festgetreten,
breitgezogen,
auf dem heißen Asphalt dieser Stadt.
Sie sagen: „Du warst doch immer so nett.“
Ich bin fertig damit.
© Marcel Strömer
[Magdeburg, 30.06.2026]