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Gedichte über Liebe - Seite 20




Ich wollte auch mal ein Liebesgedicht schreiben

Mein Bruder kann sehr gut Liebesgedichte schreiben
und jetzt wird es an der Zeit ihm das zu zeigen,
das ich trotz unser Vergangenheit es auch tun kann.
Ohne Liebe ist man einfach kein Mann.

Ich hatte meine Ex-Frau wirklich nur einmal gesehen
und schon war es um mich geschehen.
Ab diesem Moment geisterte sie in meinen Träumen herum.
Ich stand ein zweites Mal vor ihr und ich blieb stumm.

Ich hatte so etwas noch nie bis zu diesem Zeitpunkt gespürt,
das mir eine Person die Kehle zuschnürt.
Sie nur, bist du so schüchtern oder tust du nur so?
Diese Frage brach das Eis und darüber war ich sehr froh.

Schüchtern blieb ich aber noch eine ganze Weile.
Ich dachte, mit der körperlichen Liebe habe ich keine Eile.
Sie verstand das und das ist kein Stuss,
die erste Annäherung war auf der Wange ein kleiner Kuss.

Seit diesem Zeitpunkt waren wir unzertrennlich.
In den nächsten 30 Jahren habe ich nicht nur einmal gesagt,
"ich liebe Dich".
Wir hatten auch die Gründung einer Familie gewagt.

Ich musste aber leider einsehen
und mir wirklich eingestehen,
das absolut nichts unendlich geht.
Nach 25 Ehejahren war sie dann weg.

Diese Frau liebte ich auch danach noch so sehr.
Leider brachte dies absolut gar nichts mehr.
Sie hatte sich nun entschieden.
Seitdem habe ich nun Gedichte geschrieben.

Eins hatte ich schon einmal geschrieben ...

Mein letzter Wunsch ist, meine ganze Familie wieder zu sehen.
Nur so könnte ich mit einem guten Gewissen aus dem Leben gehen.
Ich bereue meine möglichen Fehler wirklich sehr.
Aber leider Fehler sind genauso wie Teer.
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Das Erbe kann warten.. [Teil 6]

Wir stehen wenige Tage vor Weihnachten, vor der Heiligen Nacht. Für Frau Scherz ist es eine magische Zeit. Sie bewahrt die christliche Tradition nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Respekt. Eine Christvesper kann sie durchaus in Verzückung versetzen, und bei der Gelegenheit zündet sie auch ein Lichtlein oder zwei für verstorbene Familienmitglieder an. „Soviel Zeit muss sein“, sagt sie, und man glaubt es ihr sofort. In dieser dunklen Jahreszeit gönnt sie jedem ein Licht, das das Erdenherz erwärmt, erhellt und zum Lächeln bringt. Eine Geste, so schlicht, und dennoch selten unter den „Großen“ zu finden.

Doch Frau Scherz ist nicht naiv. Sie kennt die Gesellschaft, und sie kennt sie genau: selten ein Herz, das Liebe spendet, Mitgefühl zeigt oder Nachsicht übt. Häufiger trifft man auf Erfolgshungrige, Verwöhnte, die sich in Luxus sonnen und gleichzeitig die virtuellen Klagemauern der Welt besetzen. „Alles da oben schuld!“, rufen sie, während sie selbst im Alltag nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Auch im Alter, wenn scheinbar fast alles vorbei ist, begegnet Frau Scherz nur selten jener Herzlichkeit, von der sie so oft träumt.

Weihnachten gilt als Fest der Liebe, und doch – schon jetzt sind Fäuste geballt, Familien zersplittern wie Fensterglas. Es flammt auf, dramatisch, regelmäßig. Mal geht es ums Erbe, mal um eingeschlafene Liebe, dann wieder um Kinder, vor allem ums Geld. Eifersucht, Besitzanspruch, eingefahrene Rollenmuster – die Liste ist endlos. Frau Scherz schüttelt den Kopf und denkt: „Wie oft hab ich es euch gesagt… aber nein, ihr hört mir ja nicht zu.“

Sie beobachtet die konsumorientierte Gesellschaft, die brav funktioniert, sich im Mainstream-Kanal trifft, sich gegenseitig bestätigt. Und was erwartet man da? Es dreht sich nun einmal ums Geld. Wer Geld besitzt, hat Freiheiten, Mobilität, Optionen. Wer es nicht hat, steht außen vor, auf der Schattenseite der Schere zwischen Arm und Reich. Frau Scherz erklärt es, als würde sie uns einen kleinen Exkurs in Sozialökonomie geben:

Die Kluft ist messbar und sichtbar. In Städten stehen Luxusappartements neben Wohnblöcken, in denen Familien mehrere Generationen auf engstem Raum teilen. Menschen, die sich teure Reisen leisten, können Bildung, Gesundheitsvorsorge und Freizeit gestalten; andere kämpfen ums tägliche Brot, sparen an Medizin, Lebensmitteln und kultureller Teilhabe. Digitales Shopping, Streaming-Abos, Designerklamotten – für viele nur ein ferner Traum. Beispiele? In Berlin kann ein Kind in Prenzlauer Berg teure Musikschulen besuchen, während ein Kind in Marzahn auf einen kaputten Klavierstuhl schaut. In München fährt man SUV, während auf der anderen Straßenseite Hartz-IV-Bezieher jeden Cent zweimal umdrehen. Die Ungleichheit ist systemisch, strukturell, und Frau Scherz seufzt nur. Sie teilt dieses Wissen mit uns nicht, um Schuldgefühle zu erzeugen, sondern um die Augen zu öffnen.

Trotz allem wünscht Frau Scherz allen ein frohes Weihnachtsfest – natürlich mit Geschenken, Freude und Lachen. Doch ihr Herzenswunsch, den sie sich direkt vom Himmel erhofft, geht darüber hinaus: Frieden unter den Menschen. Einen echten Frieden, nicht nur die Fassade. Menschen, deren Herzen klopfen, die lieben, nachsichtig sind, die teilen, ohne zu kalkulieren. Das ist der Wunsch, der größer ist als alle Konsumgeschenke, größer als alle glänzenden Schaufenster und festlich dekorierten Straßen.

Und so sitzt Frau Scherz in der Vesper, zündet ein Licht an, lächelt, denkt an die Menschen, die sie liebt, und hofft, dass wenigstens ein Funke davon auf die Welt überspringt. Ein Funke, der vielleicht in den kommenden Tagen die Schere zwischen Arm und Reich ein kleines Stück enger zusammenzieht, und die Herzen ein wenig wärmt.

Scherz darf fast alles. Aber Frau Scherz möchte mehr: sie möchte, dass wir lachen, reflektieren, uns erinnern, dass Menschlichkeit nicht in Zahlen messbar ist. Und dass Liebe, wenn sie gelebt wird, stärker ist als jede Kluft.


© Marcel Strömer
[Magdeburg, 21.12.2025]