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Gedichte über Liebe - Seite 1141




Ann-Christine (4. Melodie)

Wir spazierten an der Rheinpromenade,
Du tauchtest ein im Wasser die Wade,
Und riefst erfreut, wie gut das tut,
Schöpftest darum neuen Lebensmut.

Und endlich küßten unsere Lippen,
Es bebten deine Brust, deine Rippen,
Du sagtest noch ein eniziges Wort:
"Gleich, mein Lieber, lauf ich eilig fort."

So rannte ich rasch hinterher,
Dabei trug ich am pochenden Herzen schwer,
Und ließ dich wieder einfangen,
Am Boden wir alsbald rangen.

Wir kämpften und maßen unsere Kräfte,
In Wallungen schon wieder Liebessäfte,
Ich hielt dich auf deinem Rücken,
Und ließ dich alsbald auch bücken.

Du hast diesen Kampf aufgegeben,
Es ist ja nur einmal im Leben,
Es war, wie ich es sage,
Damals in Rückenlage.

Vergnügt sprangen wir in das Wasser,
Weit und breit für uns kein Aufpasser,
Und wir schwammen um die Wette,
Daß Gott unsre Liebe errette.

Wir schwammen an ein anderes Ufer,
Weit und breit immer noch kein Rufer,
Der unser Spiel unterbrach,
Wir liebten uns darum gemach.

Und endlich tauchtest du nach Fischen,
Einen Fisch wirst du sicher erwischen,
Du griffst aber leicht daneben,
So ist es halt mal im Leben.

Sehr enttäuscht hast du aufgegeben,
Man sollte nicht nach anderem streben,
Bescheiden im Leben bleiben,
Gelegentlich an anderem zu reiben.

Ich trocknete deine Haut mit Tüchern,
Dies hab ich wohl aus meinen Büchern,
Rasch und bald nachgelesen,
Was bist du für ein seltsames Wesen.

Dann spazierten wir in die Nächte,
Ganz nach unserem eigenen Rechte,
Und küßten uns tausend mal,
Denn wir hatten keine andere Wahl.

So ist zu End diese Geschichte,
Die ich nach besten Kräften gewichte,
Doch es bleibt in meinem Kopfe,
So daß Wasser aus allen Poren tropfe.

Es tropft und ergießt sich die Liebe,
Dies sind halt menschliche Triebe,
Dies läßt sich auch nicht verbeugen,
Ich sprech´s vor vielen Zeugen.

Und wieder gelangen wir nach Hause,
Kurz geruht, eine kleine Pause,
Ein Glas in einem Zuge,
Auch sann ich nach deiner Fuge.

Schlaf und träume süß, meine liebe Christine,
Mit wacher oder böser Mine,
Du hast dich sanft gebettet,
Und ebenso vor mir gerettet.
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Ann-Christine (5. Melodie)

Manchmal, wenn ich an das Gestern denke,
Oder hiernach Gedanken und Ideen lenke,
So schweigt mein Geist, Worte zu sagen,
So schweigt mein Kopf, nun Mut zu wagen.

Manchmal, wenn ich mich nach Fremden sehne,
Derweil salopp auf einem Sessel lehne,
Oder Worte sinnlos in die Tasten drücke,
Daß Fremdes meinen eigenen Kopf entrücke.

Manchmal, wenn ich mir selber unbekannt,
Oder wenn ich meine, ich steh mit meinem Rücken zur Wand,
Wenn ich unter einer Woge tauche,
Über dem Meeresboden mit meinen beiden Füßen krauche.

Manchmal sprießen mir schon sonderliche Gedanken,
So daß Gestalten nut in meinem Kopfe wanken.
Manchmal, wenngleich nur von windigen Ängsten überrannt,
Oder von Zweifeln oder was mich auch immer übermannt.

Manchmal, wenn ich freudig anderen Menschen zuwinke,
Und so auf einem Bein durch die Gesellschaft hinke,
Oder von Alpträumen nicht ablasse,
So daß ich mich darum selber hasse.

Manchmal auch glaube ich an Freiheit und Frieden,
An Gesetze der Demokratie, und ich frag mich: "Wie denn,
Wie denn die Sonne sich um mich dreht,
Auf platter Erde schon im Frühling der Herbstwind weht."

Manchmal mißtraue ich vielfach meinen Gedanken,
Darum Gestalten als Gedanken in meinen Träumen wanken.
Manchmal wird derweise die Nacht zum Tage,
In der ich mich selber um einige Zentimeter überrage.

Manchmal wohne ich in einem anderen Leib,
Und gestalte Kopf und Leib eines anderen Weib,
Manchmal so fatal es auch ist,
Denk ich, daß du es längst noch nicht bist.
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