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Gedichte über das Leben - Seite 84


Die Blechmilchkanne

Verbeult, gebraucht, oft demoliert
schlenkert sie an meiner Hand
losgeschickt mit ihr ausstaffiert
ging ich Bub aufs Bauernland

Entlang des Schotterweges & über Wiesen
Klapperte ihr Deckel blechern mit im Schritt
Mal rannte ich aus Furcht vor Kuh und Riesen
Der Deckel stürtzte! Eine weitere Delle so erlitt

Vorbei Geschafft am giftigen Hofhund dann
Beim Bauern in der offenen Milchstube
Das Einfüllen frischgemolkener Milch begann
Aus einer Riesenkanne schöpfte eifrig der Bube

Und wieder donnerte der Deckel zu Boden
Auf harten Fliesen schebberte es laut & vertraut
Im Stall muhte es, dazu schlichen 4 Pfoten
Hey! Verboten! Katzen ist die Milch nicht erlaubt!

Endlich voll und Deckel drauf! 2 DM in die Kasse
Jetzt ging es zurück, warm roch die Milch so toll!
Jedes schlenkern ein Balanceakt weißer Masse
Die Treppe runter - ohne Sturz - sonst gabs Groll

Dem Hund entkommen, bergauf die feuchte Wiese
Mist, die Blechkanne vertropfte weißen Rahm
Über den unrunden Deckelrand fliehte dieser
Im feinen Rinnsal die Kanne hinab er entkam

Von Insektenschwärmen attackiert & ausgesaugt
Erreichte ich endlich mein Ziel in der Küche
Die 'circa' 1,5 Liter Kuhmilch waren mir anvertraut
Mutter wartete schon, mit ihr Frühstücksgerüche

Die Mission war diesmal reibungslos gelungen
Das meiste Weiß kam heil & frisch zuhause an
Ok, die Milchkanne zählte zusätzliche Wunden
Neue Tapferkeitsmale sie so hinzu gewann

So ging das in den 70er mehrmals in der Woche
Selbst bei Schnee & Eis & Regen zog ich los
Als Dank schmeck ich heut noch diese Frische
Die weiße Rahmschnute auf der Oberlippe groß

© meteor 2024
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Selbstwertgefühl

Das Leben ist eine endliche Reihe
aus persönlichen Erfolgen und Niederlagen,
ein Try and Error auf dem Weg zur Reife,
ein ständiges Einstecken und mutiges Wagen.

Um seinen eigenen Weg hindurch zu finden,
mit sich und seinen Eigenarten klarzukommen,
Konflikte in und um sich zu überwinden,
ist ein gesundes Selbstwertgefühl zu formen.

Schon in der Kindheit zeigt sich der Charakter,
ist man eher Einzelkämpfer oder Herdentier,
die Startposition ist entscheidender Faktor,
nicht reich oder arm, Intelligenz bevorteilt hier.

Die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen,
Gestik, Mimik einzusetzen und zu verstehen,
soziale Kompetenz ist nicht davon zu trennen,
will man in der Gesellschaft nicht untergehen.

Im Unterricht lernt man Wissen und Können,
nebenher, wie es ist zu dissen oder es zu werden.
Je nach Rolle beim Mobbing wird man flennen,
oder feige in der Herde die Wahrheit verbergen.

Im täglichen Ringen in der Gemeinschaft,
war es schon immer besser, nicht allein zu sein,
in Nächten sozialer Kälte gibt es einem Kraft,
jemanden zu haben, der uns festhält, mitweint.

Im Gerangel und Kampf um Status und Liebe,
wird oft mit zu harten Bandagen konkurriert.
Wir sehnen uns nach Zuneigung und Siegen,
bei Rückschlägen sind wir am Boden zerstört.

Auf der Ursachensuche mit gekränktem Stolz,
suhlen wir uns gedemütigt in Selbstmitleid.
Erst mit der Erfahrung mehrerer "Was soll's?!",
erlernt man die Einsicht von Gleichgültigkeit.

Bei den ersten Malen war mein Verstand
eine Einöde aus dunklen, negativen Gedanken,
tief vergraben, selbstzerstörerisch, krank ...
sie verzehrten mich, war in mir am Versanden.

Nur meinem Herz war es dann zu verdanken,
es zeigte mir einen Weg aus meiner Hölle,
es lenkte meinen Blick auf andere im Wanken,
ihnen beizustehen, half mir von der Stelle.

Wie sie ihre eigenen Einöden überlebt hatten,
gab mir Hinweise, mein Leben zu meistern,
die Hoffnung nicht zu verlieren, wie sie es taten,
anderen die Hand zu reichen gegen ihre Geister.

Und doch erwache ich in einem leeren Raum,
nicht mehr so oft, wie in meinen Lehrjahren,
sehe mich in einen bekannten Abgrund schau'n,
will ich mich unterbewusst vor was bewahren?

Vor Zeiten mit Echokammern und Blubberblasen,
mit Ab- und Ausgrenzungen wohin man sieht,
wo Ängste lauthals Hass und Hetze loslassen,
das Miteinander ein Netz aus Lügen überzieht.

Es ist so ein schönes Gefühl mit Suchtpotential,
willkommen, gewollt und angenommen zu sein,
die Mixtur aus Serotonin und Dopamin ist ideal,
vielfach läd sie zum kritiklosen Mitmachen ein.

Das Selbstwertgefühl erreicht unbekannte Höhen,
nicht unerwünscht, mit dabei, schon fast beliebt,
diese Bestätigung ist nur mit Hohn zu übertönen,
bis man mit Aussagen die tolle Stimmung trübt.

Mit dem Blick in den Spiegel droht die Reflexion,
in dieses Buhlen um Aufmerksamkeit fürs Ego
mischt sich das Auseinandersetzen mit Metadon,
mein Selbstwert widerfährt ein geniales Retro.

Einsamkeit wird zum Fluch, Stille zum Entzug,
allein glücklich zu sein ist Heilmittel und Betrug,
die Besinnung auf seinen Eigenwert bestärkt,
mit sich im Einklang ist das Leben lebenswert

© meteor 2025
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