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Gedichte über das Leben - Seite 1517


Fragen an das Leben

Zeilen sollen sich finden,
wollen sich finden,
irgendwo auf diesem Blatt Papier,
irgendwo auf dieser endlosen Weite leerer Gedanken –
zwischen Trostlosigkeit und Zuversicht –
Niemandsland alles Möglichen –
Gedanken schwer wie Blei, leicht wie ein Schmetterling –
Chaos der Gedanken zu Wortreihen wachsen möge,
Gedankenfragmente aus alten Zeiten
mischen sich mit neuen Gefühlen,
warum das alles?
Fragen an das Leben – um zu sterben,
reicht es nicht,
unzureichend gelebt, reichlich gestorben,
Lust und Leid als Zwillinge des Fleisches,
gestern noch einer Frau die Schenkel geöffnet,
einfach eingedrungen, egoistisch, bis zur Erschöpfung,
geflüchtet, um zu vergessen,
Trostlosigkeit, die erstickt,
weggefickt,
fast spüre ich die Lust, vergewaltigt zu werden,
mir wird schlecht, fühllos – seltsam,
keine Angst, eher Traurigkeit,
alles sinnlos, glücklos, sprachlos,
schweigen und fühlen, wie es mich zerreißt,
schrecklich, diese Stille,
ich fühle mich allein,
kein Mut, um dazubleiben, Wege zu finden,
Hoffnung versickert in einem Stern aus Sand,
und der Verstand versiegt gleich mit,
überlässt sich der Unvernunft, der Sinnlichkeit,
des reinen Genießens,
bar jeder Angst,
jeder Angst, sich zu verlieren, sich völlig zu verlieren,
zu verlieren, um sich wieder zu finden, wieder zu finden,
nur empfinden,
Schreie ungeahnter Lust und ungeahnten Schmerzes,
manchmal möchte ich alles vergessen, mich vergessen,
alles Leid, allen Schmerz,
alle Tage und alle Nächte,
nur daliegen und in die Welt hineinspüren,
meinen Atem, meinen Körper, meine Seele,
meinen wundervollen steifen, weichen Schwanz,
und ich weiß, dass es geht,
auf einmal weiß ich wieder, dass es geht,
und ich wache auf und habe Mut,
und ich weiß wieder, wie stark ich bin,
und ich bin glücklich, dass ich da bin, dass es mich gibt,
ich fühle mich befreit und zufrieden und ––
und ich merke, wie wundervoll es ist, zu leben – zu leben –
zu leben und zu lieben,
sich zu leben und sich zu lieben,
und ich atme durch – mhhhhhhh –
und ich frage mich, warum immer alles so schwierig sein muss, warum?
warum bin ich oft so traurig, so hoffnungslos?
und dann – dann weiß ich irgendwann,
dass ich leben kann – wenn ich bereit bin,
alles zu sehen, alles zu wollen,
alles zu nehmen, alles zu fühlen –
und ich spüre, dass es möglich ist,
ich spüre, dass ich es kann,
und ich kann es, und ich tu es,
und ich sehe, wie lebendig das Leben ist,
wie sehr es auf und ab geht und mich mitreißt,
mitnimmt und fortreißt,
in einem Strudel zwischen Chaos und Gewissheit,
zwischen Vernunft und Unvernunft,
und ich vergesse nicht die schmerzlichen Seiten,
und ich verdränge nicht das Bedrohliche,
und ich leugne nicht das Vorhandene,
sondern nehme es und gebe ihm einen Platz in mir,
lasse es da sein,
und ich weiß, es ist da,
und es ist gut, dass es da ist,
und jetzt brauche ich keine Angst mehr davor zu haben,
und ich weiß, dass ich wieder Zweifel haben darf,
und dass es mir gut gehen darf,
dass ich alles fühlen darf, alles denken darf
und trotzdem meinen Halt nicht verliere, verlieren brauche,
alle Schwankungen nehme,
mir vertraue und darauf vertraue,
dass ich leben kann, wie mich das Leben nimmt,
ohne immer nach einem Sinn zu fragen
und mich dennoch zufrieden zu fühlen,
in der Gelassenheit, mit der das Leben mich umspült.


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Zukunft

Monotonie meiner Gedanken,
ich frage mich, was ich mich fragen könnte…
Atome umkreisen mein Hirn wie Nebel
die Gedanken, mein Bauch rumort,
Atmen fällt schwer, mein Kopf bleiern,
denke ich an die nächste Zeit,
was kommt wohl als nächstes?
Noch eine Vergewaltigung aus Kindertagen,
noch eine Mondlandung,
noch ein Flugzeugabsturz?
Die Tage sind voll von dröhnenden Lichtern,
Kinderkreischen und Lebkuchenduft
strömt mir ins Gehirn,
Weihnachten ist angesagt,
„ohne mich!“, denke ich nur,
was bringen die kommenden Tage?
außer einer Armee von Nikoläusen?
Trübe Gedanken oder fröhliche?
Ich weiß, dass ich es abwarten muss.
Meine Gehirnhälften streiten sich in letzter Zeit
immer öfter – irgendetwas wächst in mir,
nicht nur eine unsichtbare Spannung,
die sich noch nicht löst.
Angst habe ich nicht,
immerhin etwas, denke ich.
Lausche der Musik, die langsam dahinplätschert,
dann, plötzlich, denke ich an meine Vergangenheit…
Meister der Krisen könnte ich mich nennen,
ich muss lachen, irgendwie komisch,
aber diesen Titel trage ich wohl zu Recht,
und das macht mir Mut,
Meister der Krisen, Krisen des Meisters,
was mich nicht klein kriegt, lässt mich größer werden,
wachsen, wie eine Blume, die dem Regen trotzt,
und wieder: Gedankenleere
leere Gedanken und Kopfschmerzen,
die sich in den Vordergrund drängen,
mein Hirn pulsiert,
auch ein Zeichen von leben – und leben lassen,
ich spüre meinen Kopf, spüre mich, spüre Leben in mir,
und das Leben spürt mich in sich,
Lebensgeister, die mich langsam wecken,
von denen ich mich – noch immer müde –
an die Hand nehmen lasse,
entführen lasse in eine unbekannte Zukunft,
meine Zukunft, voller Lichter, voller Liebe,
voller Leben und Lebendigkeit,

und auf einmal weiß ich wieder,
dass ich eine Zukunft habe,
groß und bunt und voller Leben,
voller Freude, voller Lebensfreude.
Ich werde meine Vergangenheit mitnehmen
in die Zukunft, aber ich entscheide,
wann ich sie mir anschaue und wann nicht,
das nenne ich Freiheit, meine Freiheit,
die ich mir erkämpft habe,
und darauf kann ich wirklich stolz sein –
wie eine Blume, die dem Regen trotzt…


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Mein Bauch gehört mir!

Mein Bauch gehört mir...
Wem sonst?, könntest Du fragen
meinen Eltern, könnte ich sagen,
sie haben mich schließlich gezeugt
oder meinen Freunden, könnte ich sagen,
weil sie immer Witze drüber machen,
oder meiner Freundin, könnte ich sagen,
denn sie beschwert sich immer über ihn
Mein Bauch gehört mir...
Und wenn Du mich fragst, wem sonst?,
dann sage ich Dir, dass das lange Zeit
nicht so war...
Willst Du nicht mal ein bisschen abnehmen?,
fragte mich meine Mutter oft
Du solltest mal etwas abnehmen,
mahnte meine Freundin mich immer wieder
Sie sollten unbedingt abnehmen,
rieten die Ärzte, das ist gesünder
Eigentlich sollte ich schon mal versuchen,
wieder ein bisschen abzunehmen,
hörte ich mich selber sagen
Und ich sage Euch: Mein Bauch gehört mir!
Er gehört mir und er gehört zu mir!
So, wie er ist. Und so, wie er ist, ist er gut!
Mein Bauch ist das Zentrum meiner Gefühle,
mein Sonnengeflecht der Sitz meiner Wärme,
mein Bauchnabel der Ursprung meiner Seele,
das Tor zur Außenwelt,
die mich einst mit Nahrung und Energie versorgte.
Wer wäre ich ohne meinen Bauch?,
meinen wunderschönen, warmen, weichen,
wohligen, dicken, runden Bauch?
Ich weiß es nicht und möchte es
auch gar nicht wissen
Auch wenn ich die 100 Meter nicht
in 15 Sekunden laufen kann,
auch wenn meine Kleidergröße mittlerweile
fast 5 XL beträgt,
auch wenn Du beide Arme brauchst,
um mich zu umbauchen,
so möchte ich meinen Bauch nicht mehr missen.
Es hat lange gedauert, bis er mir ein Freund wurde.
Zu viele haben gegen ihn angekämpft,
und ich selbst schließlich auch.
Doch jetzt ist Schluss damit,
mein Bauch gehört mir!
Ohne meinen Bauch hätte ich auch
meinen Busen nicht, meine schönen
kleinen, mädchenhaften Brüste.
Die sind auch sehr weich, empfindsam und schön!
Nicht nur sie machen mich zu einem
sehr weiblichen Mann.
Meine ganze Art, mein ganzes Wesen
ist sehr weiblich, sehr rund,
und darauf bin ich ungemein stolz!
Und deswegen sage ich,
der ich im 8. Monat schwanger bin,
Euch allen, wie schon viele Frauen vor mir
es getan haben:
Finger weg von meinem Bauch, denn:
Mein Bauch gehört mir!


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