Zerbrochenes Glas
Ein fast neugeborener Mensch
sieht im Spiegel sein Ebenbild.
Staunend begriffene Existenz,
betastet sein Gegenüber wild.
Schaut hinter die Rückseite.
Wo hat es sich denn versteckt?
Erkennt, es macht das Gleiche,
sein Ich bewusst entdeckt.
Das Spiegelbild ist mein Freund,
imaginär, weil nicht lebendig,
doch da es meine Träume träumt,
kennt es mich in- und auswendig.
Ihm kann ich nichts verheimlichen,
dafür aber auch alles anvertrauen.
Mich ungeniert rasieren, reinigen,
auch dreckig in die Augen schauen.
Erlebten jede Phase unserer Leben,
oft brüllten wir uns auch wütend an.
Aber wir konnten uns stets vergeben,
unzertrennlich wie Yin und Yang.
Ich hielt ihn lange für unkaputtbar,
doch dann war er zerbrochenes Glas...
Am Boden zerstört, Scherbenschar,
verzweifelt davor, danach Selbsthass.
Setzte scharfe Puzzleteile zusammen,
schnitt mich dabei in unsere Finger.
Mit Pflastern sah ich ihn im Rahmen,
selbst daran wir uns gerne erinnern.
Lernten dabei, wie verletzlich wir sind,
spürten im selbstzugefügten Schmerz,
erinnerten uns, wir waren dieses Kind,
uns wurde bewusst, wir teilen ein Herz.
© meteor 2026
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