Warten auf den Morgenwind
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Am ersten Hauch des Tages
stand ich am stillen Meer.
Die Nacht verließ ihr dunkles Lager,
und ihre Last war nicht mehr schwer.
Ich warte auf den neuen Himmel,
auf Wege, die noch unbenannt,
auf Wellenlicht, das neu nun schimmert
und Sonne, die mich wiederfand.
Spürst du, wie sich die Welt erhebt,
wenn leise Frühling in uns brennt,
wenn jede Stunde, die vergeht,
uns näher an den Aufbruch lenkt?
Ich warte auf die stillen Schritte,
auf deinen Blick, der zu mir spricht,
auf Worte aus der Herzensmitte —
was auch zerbrach, was in uns bricht.
Und dies ist seltsam am Leben,
ein Schweben zwischen Traum und Zeit,
doch spür ich schon die Erde beben,
ein Strahl sucht die Unendlichkeit.
So steh ich an den stillen Ufern,
wo Tag und Nacht sich leise küssen
und warte auf den Morgenwind,
der sagt, wohin wir gehen müssen.
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