Von nebenan

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Du fragst, wo deine rote Tasche ist.
Die Worte kommen nicht zu mir herüber.
Du sagst, dass du den gelben Schal vermisst.
Nur deine Stimme streift an mir vorüber,
so nah wie das an jedem Abend war,
wenn einer in der Küche noch hantierte,
und einer schon im Bett, dem andren unsichtbar,
mit halber Stimme alles kommentierte.

Ich sage: Nimm doch, was du brauchst.
Es hat so viele Jahre
zu jeder Frage
auch das Ungesagte
durch diese Wand gepasst.
Du sagst, dass du jetzt eine rauchst.
Ich weiß nicht,
was ich noch bewahre,
noch um mich schare
von dem, was du schon
losgelassen hast.

Sag es noch einmal so von nebenan.
Hier klingt es noch, als bliebst du hier.
Zwischen uns stand immer diese Wand.
Noch gehst du nicht durch diese Tür.

Du stellst die Tasche ab.
Dann geht der Reißverschluss.
Er nimmt dir deine Antwort ab.
Ein Laut, den ich verstehen muss.
So wenig Lärm macht ein Verlust.
Du fragst nichts mehr. Die Worte rasch versiegen.
Dabei hätte ich doch noch gewusst,
wo deine gelben Handschuhe liegen.

Informationen zum Gedicht: Von nebenan

14.09.2026
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