Von der Gans und ihrem Ende

Ein Gedicht von Sonja Dworzak
Im Herbst, wenn gelb die Blätter fallen,
hört man ein banges Schnattern schallen.
Die Gans betrachtet auf der Wiese
ihr Schicksal voller Gram. Wie fiese!

Der Bauer kommt mit schnellem Schritt,
greift fest nach ihrem Hals und führt
sie gleich zum Markte mit,
wo schon der Messerwetzstein glimmt.

Das Martinsfest rückt bald heran!
Ein Gänsebraten ist der Plan.
Man rupft sie kahl und nimmt sie aus,
bald zieht ein herrlich Duft durch´s Haus.

Mit Apfel, Beifuß, Knödeln fein
Schiebt man das Tier in´s Rohr hinein.
Die Sippe schlingt voll Lust hinein
erst Brust, dann Keule, bis vom Feste

auf allen Tellern nur noch Reste
und abgenagte Knochen liegen.
Der Magen drückt, das Hemd wird eng
Nun platzt der Hosenknopf mit Päng.

Man seufzt : „Oh Mensch, bedenk die Gier!“
-verschlingt das letzte Stückchen Tier.
Kaum ist die Martinsgans verdaut
Wird schon auf neues Vieh geschaut.

Das Christkind naht mit Tannenbaum,
Schon schrumpft der Gänse Lebensraum.
Der nächste Braten steht bereit
O- du heili´ge Schmauserzeit!

SDR

Informationen zum Gedicht: Von der Gans und ihrem Ende

08.11.2026
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