Tina und die bedingungslose Liebe

Ein Gedicht von jogdragoon
Eines Tages ging Tina wieder in das Dorf am Fuße des kleinen Berges ihres Blockhauses.
Sie brauchte wieder ein paar Dinge, die sie, in ihrem Garten, nicht selbst anbauen konnte.
So kaufte sie frisches Obst und Gemüse im kleinen Supermarkt, sowie ein neues Geschirrhandtuch im Krämerladen.
Da es Nachmittag war, dachte sie an den besonderen Butterkuchen, den es hier beim Bäcker gab.
In dem Bäckerladen gab es ein paar Sitzplätze und so gönnte sie sich ein großes Stück Butterkuchen und einen Becher mit heißem, dunklen Kakao.
Als sie ihre Bestellung bekommen hatte,
nahm sie das für Becher und Kuchen bereitgestellte Tablett.
Sie ging zu dem freien Tisch am Fenster und setzte sich.
Interessiert betrachtete sie das Treiben der Menschen
und genoss sichtlich ihren heißen Kakao.
Den Butterkuchen aß sie sehr langsam und ließ den Geschmack im Mund verweilen,
bis ein Schluck Kakao ihn ablöste.

Dann sah Sie Ron und Esselia. Sie blickten ins Fenster und erkannten sie.
Ein freundliches Lächeln legte sich auf ihre Gesichter
und sie drehten sich um und gingen durch die Tür der Bäckerei,
um sich an den Tisch zu Tina zu setzen.
Sie begrüßten sich und Ron sagte:
"Tina, gestern sprachen wir zuhause über ein Thema,
das meine Mutter im Internet erfahren hatte: 'Bedingungslose Liebe'.
Wir waren uns uneinig, was das bedeuten soll!
Kannst Du uns bitte sagen, was das ist ?"
Tina überlegte einen Moment und antwortet:
"Das ist ein Thema, mit dem viele Probleme haben.
Bedingungslose Liebe ist eine Liebe, die jedem Aspekt des Universums zuteil wird.
Eine Liebe ohne Bedingung bedeutet, dass erkannt wird, dass alles im Universum einen Sinn hat.
Jedes als negativ wahrgenommene Etwas hat eine Geschichte.
Kaum jemand interessiert sich für die Vor- und die Nachgeschichte.
Die meisten interpretieren nur ihre direkte und indirekte Wahrnehmung,
Erzählungen in Wort, Bild und Erfahrungen.
Alles basiert auf den verinnerlichten, verankerten Glaubenssätzen,
von denen vermutet wird, dass sie wahr sind.
Was hat ein Etwas dazu gebracht, so zu werden wie es ist
und welche Konsequenzen hat es für die Zukunft ?
Solcherart Fragen werden häufig gar nicht gestellt !
Der, der in der Lage ist, alles durch eine neutrale Brille zu sehen,
der lebt die bedingungslose Liebe.
Warum ist das so ?
Das Liebesfeld ist der rechte Teil einer Skala, die von der Abneigung zur Zuneigung verläuft.
Der linke Teil der Skala kann als Hassfeld benannt werden.
Die neutrale Mitte ist der Anfang der Liebe.
Bedingungslose Liebe kann enstehen,
wenn der Verstand dafür ein Gerüst bekommt,
mit dem er etwas anfangen kann.
Ich kann Euch so ein Gerüst anbieten.
Möchtet ihr es hören ?"
Esselia und Ron bejahten die Frage durch ein Kopfnicken.
Tina fuhr fort:
"Stellt Euch, jeder für sich, in Gedanken vor:
Eine Skala der Liebe führt von dem ganz linken Extrem der massiven Abneigung
zum ganz rechten Extrem der massiven Zuneigung.
Das kann man auch mit den Begriffen "Abstoßend" und "Anziehend" beschreiben.
In der Mitte der Skala ist der Gleichgewichtspunkt in der Neutralität.
Das bedeutet, dass ein Etwas einen weder anzieht, noch abstößt.
Jeder von Euch visualisiere in einem leeren Raum im Zentrum einen Punkt, der er selbst ist.
Allerdings ist damit nur das geistige Selbst gemeint, nicht der Körper.
Das ist eine logische, nicht reale Abbildung für die "bedingungslose Liebe".
Von jedem Selbst im Zentrum geht die Skala im Extrem der maximalen Zuneigung kugelförmig als Radius nach außen,
bis zur äußeren Begrenzung des Kugelraumes, die der maximalen Abneigung entspricht.
Stellt Euch nun vor, dass alle Objekte des Universums, ob physisch oder psychisch,
in dieser Kugel verteilt sind. Diese Verteilung ist für jeden individuell.
Manche "Brocken" sind nah im Liebesfeld der großen Anziehung.
Das sind die Dinge, die wir intensiv lieben.
Manche sind weit aussen im Hassfeld der großen Abneigung.
Das sind die Dinge, die wir als äußerst abstoßend empfinden.
Was wäre wenn ?
Was wäre, wenn ihr alle Dinge des Universums auf einer Schale, zwischen Hass- und Liebesfeld, platzieren würdet ?
Wäre dann alles neutral ?
Wenn alles neutral wäre, dann bedenkt, dass es sich um eine Liebesskala handelt.
Dass bedeutet, dass ihr allem die gleiche Liebe entgegenbringt, die weder abstößt, noch anzieht.
Das ist ein gedanklicher Trick, der ein wertvolles Glaubenskonstrukt in Euch setzen kann, wenn ihr es denn wollt !
Achtet darauf, dass ihr alle Objekte gleich neutral liebevoll bewertet.
Das betrifft die größten Schrecken ebenso, wie die größten Freudenbringer.
Nun wählt einige Objekte und zieht sie in das Liebesfeld.
Sie lösen sich aus der Schale und bewegen sich, auf das Zentrum zu.
In das Liebesfeld.
Jedes Objekt zieht andere Objekte an.
Je mehr Objekte ihr zum Zentrum zieht,
desto mehr andere Objekte werden ebenfalls in den Liebesbereich gezogen.
Damit befinden sich anschließend alle Objekte im Liebesbereich, egal,
ob es ein Mörder, eine Krankheit oder der Lottogewinn eines Nachbarn ist !
Ihr wandelt so Euer Empfinden der gesamten Schöpfung in die "bedingungslose Liebe" um.
Wichtig ist, dass ihr es in Eurem Erfühlen den Dingen nicht gestattet,
sie weiter als alle anderen Dinge des Universums aus der Mitte, der Neutralität, zu entfernen."
Tina schaute Esselia und Ron interessiert an.
Hatten sie verstanden, worum es ging ?

Ron sprach
"Also Mörder und Krankheiten zu lieben ?
Damit habe ich so meine Probleme !"

Tina erwiderte:
"Ja, die bedingungslose Liebe ist nur für sehr reife Wesen.
Der normale Mensch sollte zuerst einmal versuchen,
möglich viel zu lieben und möglichst wenig total abzulehnen.
So befindet er sich im Feld der Liebe.
Anders herum würde er im Feld des Hasses leben.
Das hat Auswirkungen auf sein ganzes Lebensumfeld.
Hass zieht Hass an, die Liebe die Liebe."

Esselia überlegte und fragte:
"Wenn ich es geschafft habe, alle Objekte des Universums, ins Liebesfeld zu ziehen,
um die bedingungslose Liebe zu leben, was ist,
wenn in mir dann doch Gefühle des Hasses hochkommen ?"

Tina sah gedankenversunken aus dem Fenster und antwortete:
"Wenn ein Hurrikan der Gefühle ein Meer in Unruhe versetzt
und hohe Wellenberge Objekte ins Hassfeld werfen,
so sei gesagt, dass die bedingungslose Liebe schnell verzeiht,
wenn sich nach dem Sturm das Meer beruhigt
und die Objekte wieder in den Randbereich des Liebesfeldes gezogen werden."

Nachdem sich die drei noch über Details unterhalten hatten,
verabschiedeten sie sich voneinander.
Tina brachte das Tablett weg, nahm ihren Einkauf und machte sich auf den Heimweg.

Esselia sagte noch zu Ron, beim Verlassen des Bäckers:
"Also ich werde versuchen, alle Dinge im Hassfeld in mein Feld der Neutralität zu ziehen.
Wenn mir das jetzt noch nicht gelingt, weil ich noch nicht weiss,
wie man etwas sehr Negatives neutral erfühlen kann, dann vielleicht später !"
Ron sah sie an und stimmte ihr zu.

*

Ein wilder Fluss durchfliesst Gedanken,
in denen schon viele Boote versanken.
Hin- und hergeschleudert wird ein Boot,
erzeugt Vorstellungen von Angst und Not.
Ängste, die betrügen und lähmen.
Doch "Bedingungslose Liebe" kann diesen Fluss zähmen !

Einer Selbsthypnose entsprungen,
werden Glaubensstrukturen durchdrungen.
Als ob es stets um Leben und Tod ginge,
werden Interpretationen aller Dinge,
abgelegt in den Schubladen des Verstandes.

An des Wahn-sinns Randes,
kommt der selten zur Ruh,
weist dessen Verstand "Gut" und "Schlecht" stets zu.
Verbunden mit Gefühlen,
die das Gemüt erhitzen, statt es zu kühlen,
werden Glauben und Gefühle zu Emotionen.
Erkenne das Prinzip der Hass- und Liebesfeldzonen
und wo welche Objekte in Dir wohnen.

Kannst Du Dich Deiner gefährlichen Zuweisungen erwehren ?
Dann kannst Du Dein Hassfeld leeren
und die Objekte in Deinem Liebesfeld vermehren.
Liebesfelder, die nah all diejenigen umgeben,
die fähig sind, alles und jedem zu vergeben.

© jogdragoon
Vitam amo et amore vivo.

Informationen zum Gedicht: Tina und die bedingungslose Liebe

11.10.2026
1 mal gelesen
Danke für deine Rückmeldung.
Dieses Gedicht hat 0 Leser gefallen und 0 Leser berührt.
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (jogdragoon) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.