Schreibzwang

Ein Gedicht von Heinz Säring
Sonett

Mein Freund, ich sehe doch, wie sehr du leidest:
Es geht nicht ohne täglich ein Gedicht!
Und auch am Wochenende ruh'st du nicht.
Das ist kein Steckenpferd mehr, das du reitest.

Wie du dabei den freien Mann beneidest,
der seine Freizeit, wie er mag, benutzt,
auch mal mit seiner Frau die Fenster putzt.
Es hilft dir nichts, wenn du das noch bestreitest.

Nun gib doch zu, dass das schon eine Sucht ist!
Du lebst nur noch zum Schreiben der Gedichte.
Denk lieber wieder mal an andre Sachen!

Mir scheint, dass du vor etwas auf der Flucht bist.
Nun sieh doch mal, da drüben, meine Nichte!
Wär das nicht was, um wieder mal zu lachen?

Informationen zum Gedicht: Schreibzwang

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11.08.2011
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