Noch’n Gedicht
Ein Gedicht von
Moira Ashly
Man hat’s nicht leicht auf dieser Welt.
Kann man sich doch für teures Geld
fast einen jeden Wunsch erfüllen:
In Samt und Seide sich verhüllen,
behängen gar mit edlen Steinen.
Doch es bringt mich fast zum Weinen,
wenn ich mein Schränckchen so betracht,
was für mein Schuhwerk ist gemacht.
Da stehen neben den Geräten,
in denen ich mir brech die Gräten,
nur noch die staubigen Patinen,
die für zu Hause nur noch dienen.
Die aber sind – es ist ’ne Qual –
in absoluter Überzahl!
Nichts ist im Kästchen mehr zu finden,
nur Treter zum Kletten oder Binden.
Ich atme tief durch, mit gebotener Ruhe
stell ich dann fest: „Ich hab keine Schuhe.“
Dies sag ich drauf zu meinem Mann,
der das so gar nicht glauben kann.
„Du hattest doch – wir war’n vor zwei Wochen…“
So langsam fängt mein Blut an zu kochen!
Um meine Notlage ihm zu beweisen,
fühle ich mich praktisch dazu geheißen,
den Inhalt des Schränkchens darzulegen,
um Männe zum Schuhkauf zu bewegen.
Schon bald bin ich dann im Laden drin
und geb‘ mich reiner Kaufwonne hin.
Mit meiner Beute, sehr teuren Latschen,
sieht man mich jetzt nach Hause hatschen.
Die weitaus bessere Hälfte ist froh,
begutachtet alles und sagt dann: „So,
nun hat die liebe Seele wohl Ruh.“
„Aber Schatz“, hört man mich, „ich hab nichts dazu!“
Und die Moral von dem Gedicht:
Der schönste Schuh, der bringt es nicht,
will man mit alten getragenen Sachen
daraus den perfekten Auftritt machen.
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