Nachtbus ohne Ziel
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Markus ist wieder unterwegs,
die Nacht ist groß, der Rucksack schwer.
Die Mails vom Amt – er öffnet keine,
sie drücken nur, sie helfen nicht mehr.
Er will nicht bitten, nicht betrügen,
kein Antrag, der ihn bindet hier.
Lieber gehen mit leeren Taschen
als ein Leben ohne Tür.
Der letzte Job – ein Rad, ein Auftrag,
ein müder Bildschirm, müder Blick.
Ein „Danke“ noch, das nichts bedeutet,
ein Schritt nach vorn, zwei Schritt zurück.
Doch einen Satz trägt er noch bei sich,
als wär er Pflicht, nicht nur Gefühl:
„Wenn du Iris triffst, sag ihr bitte,
sie soll Nachsicht haben – mehr verlang ich nicht.“
Iris und er – sie blieben stehen
an einer Brücke, S-Bahn-Gleis.
Sie dachten, Wege könnten sich ändern,
wenn man nur weit genug verreist.
Gedanken wurden irgendwann zu Schritten,
nur Freiheit stand nie mit am Rand.
Man geht, um nicht mehr dort zu bleiben –
und lässt sich selbst zurück im Land.
Er sagt die Sätze längst gelernt,
kein Zittern mehr, kein Übermaß.
Im Kopf schon dort, wo keiner fragt,
wo niemand nach dem Gestern fasst.
„Wenn du Iris triffst“, sagt er leise,
sag ihr dies – mehr habe ich nicht:
Ich trage nur, was ich noch habe.
Der Rest gehört mir längst schon nicht.“
Die Stadt ist laut, sie frisst die Nächte,
Nachtbus, Zimmer, Zwischenzeit.
Matratzen, die nach Fremden riechen,
Fenster voller Einsamkeit.
Ein Aufkleber am Laternenmast,
sein Name, halb schon abgekratzt.
Was bleibt, sind Wege ohne Richtung,
und keiner, der dich wirklich fasst.
Mach die Tür zu. Licht aus. Schluss.
Markus kommt heut Nacht nicht heim.
Du kannst warten, bis es hell wird –
doch er passt nicht mehr hinein.
Du kannst warten, bis du sicher weißt,
dass Warten keinen Sinn mehr gibt:
Markus ist nicht fortgegangen.
Er ist nur nicht mehr darin.
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