Meere aus Augenblicken
Ein Gedicht von
Robert Späth
Zwischen dem ersten Atemzug
und dem letzten Schweigen
liegt ein Meer aus Augenblicken,
still glitzernd,
wenn niemand hinsieht.
Wir gehen durch Tage,
die sich selbst vergessen,
tragen Sonnenuntergänge
wie kleine Wunden
unter der Haut.
Und manchmal,
wenn der Abend sich neigt
und die Welt für einen Herzschlag
langsamer wird,
spüre ich es:
Dieses leise Wunder,
hier zu sein.
Der Regen auf kalten Fenstern,
das ferne Rufen eines Vogels,
Hände, die sich finden,
obwohl sie wissen,
dass alles wieder auseinandergeht.
Vielleicht ist Schönheit
nicht das, was bleibt.
Vielleicht liegt sie gerade darin,
dass die Blüte welkt,
dass das Licht verblasst,
dass wir einander ansehen
und für einen Moment vergessen,
wie vergänglich wir sind.
Die Sterne fragen nicht,
ob wir sie verstehen.
Sie brennen einfach
über unseren schlaflosen Köpfen
und schenken dem Dunkel
ihre ferne Zärtlichkeit.
Auch wir sind nur
ein kurzer Schein
im großen Atem der Zeit.
Doch was für ein Schein.
Ein Lächeln im November.
Ein warmer Atem in kalter Luft.
Das Herz, das weiter schlägt,
obwohl es schon so vieles
verlieren musste.
Und irgendwo zwischen
Gestern und Morgen,
zwischen Sehnsucht und Stille,
liegt dieser eine kostbare Moment:
Du bist hier.
Ich bin hier.
Die Welt atmet.
Und für einen Augenblick
ist das genug
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