Lebenskünstler
Ein Gedicht von
Eva Pietsch
Das Tier, das - obgleich es ständig was tut -
wie kein anderes in sich ruht,
will meistens just deinen Platz besetzen,
und mitunter nur seine Krallen dran wetzen.
Mal will es dir stumm um die Beine streichen,
mal miaut es zum Steinerweichen
und verlangt so mit Nachdruck, Filet zu speisen.
Mal zieht’s vor, sich wälzend das Dasein zu preisen.
Oftmals stellt sich das Tier ganz und gar
in den Mittelpunkt und ist dann plötzlich unsichtbar.
Was es auch tut, tut’s in aller Ruhe
ganz frei von Gehabe und ohne Getue.
Ein solch weises Wesen ist nicht gewillt,
dass es einfach sinnlos chillt.
Du kannst seine Augen kontrollieren:
Sind sie zu, ist es am Philosophieren.
Liegt’s auf deinem Schoß, liegt jede Pflicht brach.
Das Katzentier lehrt dich: Nur Gemach!,
und es kann in schnurrenden Tönen
dich mit jeder Unbill versöhnen.
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