Konfirmationen

Ein Gedicht von Annelie Kelch
Ich geh' nicht gern auf Konfirmationen,
ein Kind, das gestern Kind war, ist auch heut' noch Kind.
An diesem Tatbestand ändern auch nichts die Anemonen,
die Nachbars Achim rot verlegen dir nach Hause bringt.

Auch Essbestecke bringen keine unbedingte Reife
und Pickel schwinden nicht durch Segen oder Deo-Seife.
Man selber wird nicht 'mehr' von Sachen, die man plötzlich hat.
Am Abend bist du von viel fetter Torte höchstens dumm und matt.

Man trinkt und quasselt (meistens dummes Zeug) und tanzt sogar;
am nächsten Tag bist du dasselbe 'kleine Mädchen' wie zuvor.
Die Schultasche, darin der Atlas ruht, macht dir das Leben schwer,
allein auf Mutters neuer Couch prangt jetzt ein fieser Brandfleck ...
ob das der dicke Zigarilloraucher Onkel Elmar war?

Es wäre klüger, würden Konfirmandenkinder
an diesem Tag mit einem Flugzeug fliegen
oder eine flotte Bootsfahrt machen.
Na, wäre das nicht herrlich und gesünder?

An diesem Festtag, Mädels, Buben sollt ihr fröhlich sein und lachen -
selbst wenn sich die Verwandten wieder in den Haaren liegen.
Ein wirklich schöner Tag ist nicht mit Geldgeschenken aufzuwiegen.
Konfirmationen sollten sein, als würd' der Frühling gleich erwachen:
mit vielen kleinen Kälbchen, die die ersten Schritte machen.

Informationen zum Gedicht: Konfirmationen

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06.04.2017
Das Gedicht darf weder kopiert noch veröffentlicht werden.
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