Jener Frühling

Ein Gedicht von Ingrid Bezold
So viele Lenze lief sie den vertrauten Weg,
der längst vergang´nen jungen Tage.
Jens wankte zitternd dort am morschen Steg.
An seinen Lippen noch die Spur von Marmelade.

Verliebt errötete er tief beim Näherkommen
und seine Schüchternheit wurd´ihm zur Pein.
Für sie hätt´er den höchsten Berg erklommen -
war sie nachts Stern und tags sein Sonnenschein.

Unten, am Bachrand – Dotterblumennah
ertasteten sie unbekannte Zonen
verlegen, linkisch: dass es keiner sah -
umschwirrt von Liebesglückshormonen.

Es war der Frühling, den sie nie vergisst.
Die Tage wurden langsam warm und hell.
Nach Jahren spielte er als Pianist -
ein Leben zwischen Bühne und Hotel.

Sie denkt an ihn stets, wenn sie hier verweilt ...
wie er die Strähne aus der Stirn sich streicht;
doch heut´, als sie vergang´ne Zeit ereilt,
sieht sie ihn nicht......
nur, wie sein Bild verbleicht.


© Ingrid Bezold

Informationen zum Gedicht: Jener Frühling

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08.03.2026
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