Fremdes Gedächtnis
Ein Gedicht von
Sonja Dworzak
Sie kommen wie von weit, aus alten Gründen,
aus einem Jahr, das keinen Namen trägt,
und bringen mir, als wär es nie verschwunden,
das Angesicht, das in mir schweigend schlägt.
Und sprechen von den Meinen, als stünden
sie noch im Tag, in einer stillen Tür—
da wird mir klar: wir sind in fremden Mündern
bewahrt, und leben weiter ohne Für.
Mir aber war das große Los gegeben,
fast nichts zurückzuholen aus der Zeit;
so ging das Schwere leichter durch mein Leben,
wie Wasser durch ein Feld voll Dunkelheit.
Und keine Rechnung wächst mir aus dem Herzen,
kein spätes Recht, kein fordernder Verdruss—
nur dieses Staunen: dass selbst unsre Schmerzen
in andern bleiben wie ein leiser Gruß.
SDR
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