Flamme und Licht
Ein Gedicht von
Robert Späth
Sonne, du trägst kein Gesicht
und dennoch erkennen dich alle Steine.
Du steigst nicht auf –
wir drehen uns zu dir
wie ein altes Wort,
das die Erde nie vergessen hat.
In deinen Flammen
reift das Schweigen des Raums.
Dort, wo die Finsternis
ihre endlosen Gewänder ausbreitet,
legst du eine einzige goldene Hand
auf die Stirn der Zeit.
Die Planeten sind langsame Früchte
an den Zweigen deiner Anziehung.
Sie kreisen nicht aus Gehorsam,
sondern aus jener stillen Liebe,
die weder Anfang noch Ende kennt.
Und ich,
ein Atemzug auf einem staubigen Stern,
hebe mein Gesicht
in dein unermessliches Feuer.
Was bin ich
gegen das Gewicht deiner Milliarden Morgen?
Ein Name im Wind.
Ein Tropfen im Gedächtnis des Lichts.
Doch selbst mein flüchtiges Herz
trägt einen Funken deiner uralten Glut.
Vielleicht besteht das Universum
nicht aus Entfernungen,
sondern aus dem Weg,
den dein Licht zurücklegt,
um die Einsamkeit der Welten
für einen Augenblick
in Gold zu verwandeln.
So brennst du weiter,
ohne Beifall, ohne Rast,
verschenkst dich an die Kälte,
bis selbst die dunkelsten Räume
wissen,
dass Wärme einst den Mut hatte,
gegen die Unendlichkeit zu leuchten
Das könnte Sie auch interessieren