Ein Armengrab (Song)
Ein Gedicht von
Horst Bulla
[Strophe 1]
Ein Armengrab im stillen Wind,
kein Staat, der von ihm Abschied nimmt.
Gedient hat er ein Leben lang,
erst in der Lehre, dann Soldat –
als Arbeiter und Steuerzahler
für seinen ehrenvollen Vater Staat.
[Refrain]
Die Demokratie, sie lebe hoch!
Erst Armutsrente für sein Dienen,
Soldat sein für den Staat,
brav Steuern zahlen
und täglich dann ein Leben lang
schuften.
Ein Armutsgrab, die letzte Würde,
oder staatlicher Betrug,
für ein Leben lang: schwere Bürde?
[Strophe 2]
Ein Armengrab im stillen Wind,
kein Staat, der von ihm Abschied nimmt.
Kein Grabstein und kein Blumenmeer –
und keine große Trauer.
Vergessen ist der Steuerzahler,
wenn er des Staates Kassen
nicht mehr füllt und den Bossen
Reichtum nicht mehr dient.
[Zwischengesang]
Ein Armengrab im stillen Wind,
kein Staat, der von ihm Abschied nimmt.
[Strophe 3]
Denn wählen kann er nicht mehr gehen,
kein Kreuzchen auf den Zettel machen.
Was nützt er dann noch seinem Staat,
soll er doch ruhen in seinem Grab.
[Strophe 4]
Ein Armengrab, die letzte Ruhe,
Klappe auf und zu die Truhe!
Der Bürger ist dem Staat was wert,
so lange wie er Steuern zahlt.
Staatsgehälter, Diäten, Privilegien
und die Steuerkasse füllt.
Den Bossen ihren Reichtum mehrt,
nicht meckert und sich nicht beschwert.
[Refrain]
Hoch lebe unsere Demokratie!
Zahlt fleißig Steuern und geht wählen,
mehrt eure Bosse ihren Reichtum,
meckert am Staate nicht herum –
tut brav als Volk auch weiter schweigen
und geht vor eurem Staate auf die Knie!
[Schluss-Refrain]
Ein Armutsgrab, statt Anerkennung,
die letzte Ehre –
und vom Staat geehrt in Würde.
Hoch lebe – unsere Demokratie!
© Horst Bulla
https://youtu.be/5sc18Th1dyw
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