Disco

Ein Gedicht von Max Vödisch
Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett,
auf dem Lichter wie Könige tanzen
und Menschen wie Bauern
Zug um Zug geopfert werden.
Die Musik hämmert,
als wollte sie das Denken erschlagen,
und jeder Schlag des Basses
ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit.

Und irgendwo zwischen Rauch und Licht
haucht Donna Summer „Love to Love You, Baby“ –
ein flirrendes Versprechen aus Klang,
so sinnlich wie künstlich,
ein Augenblick von Schönheit,
der im nächsten Bassschlag verglüht.

Doch hinter der Maske aus Schminke
wohnt nicht die Seele,
nur das Echo eines Marktes,
der Körper wie Ware preist.
Am Tresen verschluckt der Alkohol
die letzten Reste von Wahrheit,
verwandelt Sehnsucht in Münzen
und Münzen in leere Gläser.

So taumeln wir in einem Reich der Schatten,
wo Nähe bloß Reflex ist
und Liebe ein Tauschgeschäft.
Die Disco – ein Mikrokosmos,
der das Antlitz der Welt enthüllt:
grell, laut, verführerisch
und doch leer wie ein erkalteter Stern.

Am Morgen bleibt nichts
als die Asche des Rausches,
ein beraubtes Portemonnaie
und ein Körper, der fragt,
wohin die Seele in der Nacht verschwunden ist.

Und ich erkenne:
Die Disco ist kein Ort,
sondern ein Spiegel des Menschen –
ein Tanz auf der Kante des Nichts,
ein Ritual der Vergänglichkeit,
bei dem wir uns selbst verlieren.

Informationen zum Gedicht: Disco

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15.08.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.