Die stille Summe der Jahre

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Die Zeit zählt Jahre; die Zahl allein macht uns nicht aus.
Es zählt, was leise in uns wächst, tagein, tagaus.
Denn reich ist nicht, wer jeden Gipfel kennt,
sondern wer ein kleines Glück beim Namen nennt.

Was war, ist nicht verloren, nur verwandelt:
in Güte, die nicht urteilt, sondern handelt,
in einen Blick, der hinter Masken sieht,
und in ein Herz, das nicht vor Tiefe flieht.

Reife heißt nicht, jede Antwort zu besitzen,
noch gegen jeden Winter sich zu schützen.
Sie heißt, dem Ungewissen Raum zu geben
und dennoch voller Zuversicht zu leben.

Gelassenheit ist keineswegs Verzicht,
sie kennt den Sturm – doch fürchtet sie ihn nicht.
Sie ist die Kunst, im Wechsel zu bestehen
und selbst im Abschied Ankunft noch zu sehen.

Auch Dankbarkeit hält "gestern" nicht mehr fest.
Sie ehrt nur still, was uns das Leben lässt.
Sie macht aus dem Gewesenen keinen Schrein
und lädt das Gute in die Zukunft ein.

Wie schön, dass unsre Wege sich berühren,
dass wir einander auch im Schweigen spüren.
Bei dir darf Nähe ohne Forderung sein,
und manches Schwere wird ein wenig klein.

Ich wünsche dir nicht, dass alles stets gelingt,
nur dass, was dir misslingt, dich nie bezwingt;
dass dir das Lachen seine Wärme leiht
und deine Seele sanft von allem Zwang befreit.

Bleib dir selbst nah und für das Neue weit,
für unverhofftes Glück im Herzen bereit.
Denn Leben wird nicht ärmer, wenn es rinnt –
es wird nur tiefer, wo wir dankbar sind.

Informationen zum Gedicht: Die stille Summe der Jahre

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05.08.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Chandrika Wolkenstein) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.